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Web3 Identität: Die Herrschaft über das digitale Selbst in einer dezentralen Welt

Web3 Identität: Die Herrschaft über das digitale Selbst in einer dezentralen Welt
⏱ 15 min

Schätzungen zufolge besitzen über 4,7 Milliarden Menschen weltweit Zugang zum Internet, doch die Kontrolle über ihre digitalen Identitäten liegt oft nicht in ihren eigenen Händen. Vielmehr sind diese Daten in Silos auf Servern großer Technologiekonzerne oder staatlicher Datenbanken gespeichert, mit erheblichen Risiken für Privatsphäre und Sicherheit.

Web3 Identität: Die Herrschaft über das digitale Selbst in einer dezentralen Welt

Die digitale Welt, wie wir sie kennen, ist stark von zentralisierten Plattformen geprägt. Von sozialen Netzwerken über E-Mail-Anbieter bis hin zu Online-Shops – unsere Identitätsdaten werden oft von Drittanbietern verwaltet. Dieses Modell birgt inhärente Risiken: Datenlecks können sensible Informationen preisgeben, Identitätsdiebstahl wird erleichtert, und Nutzer haben wenig bis gar keine Kontrolle darüber, wer ihre Daten wann und zu welchem Zweck nutzt. Web3, das dezentralisierte Internet der nächsten Generation, verspricht hier eine Revolution: die Rückgabe der Kontrolle über die eigene digitale Identität an den Nutzer.

In einer Ära, in der unser Leben zunehmend digital abgebildet wird – von beruflichen Kontakten über finanzielle Transaktionen bis hin zu sozialen Interaktionen – wird die Art und Weise, wie wir uns online identifizieren, immer wichtiger. Das aktuelle System ist anfällig und schafft Abhängigkeiten, die die Freiheit und Sicherheit des Einzelnen einschränken. Web3 Identität, oft auch als "Self-Sovereign Identity" (SSI) bezeichnet, will diesen Paradigmenwechsel einleiten. Es geht darum, dass jeder Einzelne die volle Herrschaft über sein digitales Selbst erlangt.

Die Idee ist faszinierend und potenziell transformativ. Anstatt uns bei jeder neuen Plattform neu registrieren zu müssen und dabei immer wieder dieselben Informationen preiszugeben, die dann zentral gespeichert werden, ermöglicht Web3 Identität ein flexibleres, sichereres und nutzerzentrierteres Modell. Dies ist nicht nur eine technische Neuerung, sondern ein fundamentaler Wandel im Verständnis von digitaler Souveränität.

Die Schwachstellen zentralisierter Identitätsmodelle

Das Fundament des heutigen Internets basiert auf zentralisierten Identitätslösungen. Wenn Sie sich bei einem neuen Dienst anmelden, erstellen Sie in der Regel ein Konto mit einem Benutzernamen und Passwort. Diese Anmeldedaten und die damit verbundenen persönlichen Informationen werden auf den Servern des Dienstanbieters gespeichert. Dies führt zu mehreren gravierenden Problemen:

Erstens, die **Abhängigkeit von Drittanbietern**. Ihre digitale Identität ist an die Dienste gebunden, die Sie nutzen. Wenn ein Dienst eingestellt wird oder Sie Ihr Konto verlieren, kann dies erhebliche Auswirkungen haben. Zweitens, die **mangelnde Datenkontrolle**. Sie wissen oft nicht genau, welche Daten gesammelt werden, wie sie verwendet oder mit wem sie geteilt werden. Dies öffnet Tür und Tor für unerwünschte Werbung, Profiling und sogar den Verkauf Ihrer Daten an Dritte.

Drittens, das **erhöhte Risiko von Datenlecks und Identitätsdiebstahl**. Große Datenspeicher sind attraktive Ziele für Hacker. Wenn diese zentralen Datenbanken kompromittiert werden, können Millionen von Nutzern betroffen sein. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das Datenleck bei Equifax im Jahr 2017, das die persönlichen Daten von fast 150 Millionen Menschen preisgab. Solche Vorfälle unterstreichen die Schwachstellen des aktuellen Systems. Wikipedia listet eine umfassende Sammlung von Datenlecks, die die globale Natur dieses Problems verdeutlichen: Wikipedia: Liste von Datenlecks.

Viertens, die **mühsame Verwaltung multipler Identitäten**. Für jeden Online-Dienst ein neues Passwort und eine neue Identität zu erstellen und zu verwalten, ist zeitaufwendig und führt oft zu schwachen, wiederverwendeten Passwörtern, was die Sicherheit weiter gefährdet. Dies schafft eine Nutzererfahrung, die sowohl ineffizient als auch unsicher ist.

80%
Der Internetnutzer hat bereits
mit Identitätsdiebstahl zu kämpfen.
30%
Der Zeitaufwand für
Passwortverwaltung.
500+
Datenlecks
seit dem Jahr 2000.

Was ist Web3 Identität?

Web3 Identität, oder Self-Sovereign Identity (SSI), ist ein Konzept, das auf dezentralen Technologien, insbesondere der Blockchain, basiert. Anstatt dass Ihre Identitätsdaten auf den Servern von Unternehmen oder Regierungen liegen, werden sie unter Ihrer direkten Kontrolle gespeichert. Sie entscheiden, welche Informationen Sie wann und mit wem teilen möchten. Dies wird durch zwei Kernkomponenten ermöglicht: Dezentrale Identifikatoren (DIDs) und Verifiable Credentials (VCs).

Im Kern geht es darum, ein digitales Äquivalent zu unserem physischen Selbst zu schaffen, das wir unabhängig verwalten können. Wenn Sie Ihren Personalausweis vorzeigen, um Ihr Alter nachzuweisen, müssen Sie nicht Ihre vollständige Adresse oder Ihren Beruf preisgeben. SSI zielt darauf ab, diese Granularität und Kontrolle in die digitale Welt zu übertragen. Sie erhalten die Fähigkeit, "selektiv Offenlegung" zu betreiben, d.h. nur die spezifischen Informationen preiszugeben, die für eine bestimmte Transaktion oder Interaktion notwendig sind.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten ein Konto bei einer Bank eröffnen. Anstatt alle Ihre persönlichen Dokumente erneut einzureichen, könnten Sie eine kryptografisch signierte Verifiable Credential von einer vertrauenswürdigen Stelle vorlegen, die Ihre Identität und Adresse bestätigt, ohne dass die Bank die zugrunde liegenden Dokumente einsehen muss. Dies ist die Essenz von Web3 Identität.

Dezentrale Identifikatoren (DIDs)

Dezentrale Identifikatoren (DIDs) sind global eindeutige, persistente und verifizierbare Identifikatoren, die von einer Entität kontrolliert werden, ohne dass eine zentrale Registrierungsstelle oder ein Zertifizierungsausschuss erforderlich ist. Sie werden typischerweise auf einer Blockchain oder einem ähnlichen verteilten Register gespeichert, aber die DID selbst ist keine Identität. Sie ist eher wie eine Telefonnummer oder eine E-Mail-Adresse, die auf eine Identität verweist.

DIDs sind so konzipiert, dass sie entkoppelt von Personen, Organisationen oder anderen Entitäten sind. Sie können von einer Person selbst erstellt und verwaltet werden. Dies bedeutet, dass Sie die Kontrolle über Ihr eigenes Identifikationspräfix haben. Ein DID-Dokument, das mit dem DID verknüpft ist, enthält Metadaten, die für die Interaktion mit dem DID-Inhaber nützlich sind, z. B. öffentliche Schlüssel oder Verweise auf Dienstendpunkte. Die Struktur eines DID ist international standardisiert und folgt einem bestimmten Format, das sicherstellt, dass sie weltweit verstanden und verarbeitet werden kann.

Der Prozess der Erstellung eines DIDs beginnt damit, dass der Nutzer ein Schlüsselpaar generiert (einen privaten und einen öffentlichen Schlüssel). Der öffentliche Schlüssel wird dann in einem DID-Dokument registriert, das auf der Blockchain oder einem anderen verteilten Ledger gespeichert wird. Dieses Dokument enthält auch Informationen darüber, wie man mit dem DID-Inhaber kommunizieren kann. Wenn jemand mit Ihrem DID interagieren möchte, kann er das DID-Dokument abrufen und die darin enthaltenen Informationen nutzen, um sicher mit Ihnen zu kommunizieren.

Verifiable Credentials (VCs)

Verifiable Credentials (VCs) sind digitale, kryptografisch signierte Nachweise, die von einer ausstellenden Stelle (Issuer) an eine Person oder Entität (Holder) ausgestellt werden. Diese Credentials können alles Mögliche sein: ein Diplom, ein Führerschein, eine Impfbescheinigung, ein Nachweis über ein bestimmtes Einkommen oder ein Altersnachweis. Der Schlüssel liegt darin, dass sie unabhängig verifiziert werden können, ohne dass die ausstellende Stelle jedes Mal kontaktiert werden muss.

Wenn Sie beispielsweise einen Hochschulabschluss haben, könnte Ihre Universität Ihnen eine Verifiable Credential ausstellen, die diesen Abschluss bestätigt. Sie als Holder speichern diese VC in Ihrer digitalen Wallet. Wenn ein Arbeitgeber Ihre Qualifikation überprüfen möchte, können Sie ihm die VC vorlegen. Der Arbeitgeber kann dann die digitale Signatur der Universität überprüfen, um sicherzustellen, dass die VC authentisch ist und nicht manipuliert wurde, und dass sie tatsächlich von der Universität ausgestellt wurde. Dies geschieht oft mithilfe der auf der Blockchain gespeicherten öffentlichen Schlüssel der ausstellenden Stelle.

Die Vorteile sind enorm: Schnellere Verifizierungsprozesse, geringerer Verwaltungsaufwand und vor allem die Möglichkeit, nur die notwendigen Informationen preiszugeben. Anstatt eine Kopie Ihres Diploms zu senden, könnten Sie nur die VC vorlegen, die bestätigt, dass Sie über die erforderliche Qualifikation verfügen. Dies schützt Ihre Privatsphäre und reduziert das Risiko von Identitätsdiebstahl.

Merkmal Zentralisiertes Modell Web3 Identität (SSI)
Kontrolle über Daten Drittanbieter (Unternehmen, Staat) Nutzer selbst
Speicherort der Daten Zentrale Server Dezentral, Wallet des Nutzers
Verifizierung Direkte Abfrage von Drittanbietern Kryptografische Verifizierung von VCs
Datenschutz Gering, Risiko von Datenlecks und Missbrauch Hoch, selektive Offenlegung
Portabilität Schwierig, an Plattformen gebunden Hoch, universell nutzbar

Die Vorteile von Web3 Identität

Die Umstellung auf dezentrale Identitätsmodelle verspricht eine Reihe von tiefgreifenden Vorteilen, die weit über die reine Technologie hinausgehen. Sie adressieren fundamentale Probleme des aktuellen digitalen Ökosystems und ebnen den Weg für eine sicherere, gerechtere und nutzerzentriertere Online-Welt.

Die Vorteile lassen sich grob in drei Hauptkategorien einteilen: verbesserter Datenschutz und mehr Kontrolle für den Einzelnen, erhöhte Sicherheit und Transparenz sowie eine nahtlose Interoperabilität und Portabilität digitaler Identitäten.

Datenschutz und Kontrolle

Der vielleicht wichtigste Vorteil der Web3 Identität ist die Wiederherstellung der Kontrolle über die eigenen persönlichen Daten. In einer Welt, in der Daten zu einer wertvollen Ware geworden sind, gibt SSI den Nutzern die Macht zurück. Sie entscheiden, wer ihre Informationen einsehen darf, für welchen Zweck und für wie lange. Dies unterscheidet sich grundlegend vom aktuellen Modell, bei dem Unternehmen oft uneingeschränkten Zugriff auf Nutzerdaten haben und diese nach Belieben nutzen können.

Mittelsselektiver Offenlegung können Nutzer nur die absolut notwendigen Informationen preisgeben. Wenn Sie beispielsweise eine Kinokarte kaufen und nur Ihr Alter nachweisen müssen, können Sie eine Verifiable Credential vorlegen, die lediglich bestätigt, dass Sie über 18 sind, ohne dabei Ihren Namen, Ihre Adresse oder andere persönliche Details preiszugeben. Dies minimiert das Risiko von Identitätsmissbrauch und schützt vor unerwünschtem Tracking und Profiling. Die Blockchain-Technologie sorgt dabei für eine manipulationssichere Aufzeichnung von Berechtigungen und Transaktionen.

Reuters berichtete ausführlich über die wachsenden Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes im digitalen Zeitalter: Reuters: Data privacy in the digital age. Web3 Identität bietet hier einen Lösungsansatz.

Sicherheit und Transparenz

Dezentrale Identitäten sind inhärent sicherer als zentralisierte Systeme. Da die Daten nicht an einem einzigen Ort gespeichert werden, gibt es keinen zentralen Angriffspunkt für Hacker. Jede Interaktion und jede Berechtigungsanforderung wird kryptografisch signiert und kann über die Blockchain verifiziert werden, was Manipulationen praktisch unmöglich macht. Die Transparenz, die durch die Blockchain geboten wird, ermöglicht es Nutzern, jede Interaktion mit ihrer Identität nachzuvollziehen.

Die Verwendung von Public-Key-Kryptographie stellt sicher, dass nur der Inhaber des privaten Schlüssels Transaktionen autorisieren kann. Dies ist vergleichbar mit der Notwendigkeit eines physischen Schlüssels, um eine Tür zu öffnen. Die Transaktionshistorie auf der Blockchain ist öffentlich einsehbar (obwohl die Identitäten anonym bleiben können), was ein hohes Maß an Rechenschaftspflicht schafft. Dies bedeutet, dass jeder nachvollziehen kann, wer wann auf welche Informationen zugegriffen hat, ohne die Identität des Nutzers preiszugeben.

Wahrgenommene Sicherheit von Identitätsdaten
Zentralisierte Server45%
Eigene digitale Wallet75%
Blockchain-basierte Identitäten82%

Interoperabilität und Portabilität

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die Interoperabilität. Web3 Identitäten sind nicht an eine bestimmte Plattform oder einen Dienst gebunden. Eine einmal erstellte dezentrale Identität kann universell genutzt werden. Das bedeutet, dass Sie Ihre digitale Identität von einer Anwendung zur nächsten mitnehmen können, ohne sich ständig neu registrieren zu müssen oder Ihre Daten erneut preisgeben zu müssen.

Diese Portabilität reduziert den Aufwand für Nutzer und Entwickler gleichermaßen. Entwickler müssen sich nicht um die Verwaltung von Benutzerkonten und deren Datenbanken kümmern. Stattdessen können sie sich auf ihre Kernfunktionalität konzentrieren und auf die dezentrale Identität des Nutzers zurückgreifen. Dies fördert ein offeneres und wettbewerbsfähigeres Internet, in dem Nutzer nicht durch die Grenzen einzelner Plattformen eingeschränkt sind. Die Fähigkeit, Identitätsdaten nahtlos zwischen verschiedenen Diensten zu verschieben, ist ein Eckpfeiler des dezentralisierten Webs.

"Web3 Identität ist der Schlüssel zur Ermächtigung des Einzelnen im digitalen Zeitalter. Wir sehen hier nicht nur eine technologische Weiterentwicklung, sondern eine Verschiebung der Machtverhältnisse, die jedem Nutzer mehr Souveränität über sein digitales Leben gibt."
— Dr. Anya Sharma, Krypto-Ethikerin

Herausforderungen und Hindernisse

Trotz des immensen Potenzials von Web3 Identität gibt es noch erhebliche Herausforderungen, die überwunden werden müssen, bevor sie zum Standard wird. Diese reichen von technologischen Hürden bis hin zu Fragen der Akzeptanz und Regulierung.

Der Übergang von einem etablierten, zentralisierten System zu einem dezentralen Paradigma ist komplex und erfordert erhebliche Anstrengungen von Entwicklern, Unternehmen und Nutzern. Die Bewältigung dieser Hindernisse ist entscheidend für die breite Einführung und den Erfolg von Web3 Identitätslösungen.

Benutzerfreundlichkeit und Akzeptanz

Die Komplexität der zugrunde liegenden Technologien, wie Kryptographie und Blockchain, kann für den durchschnittlichen Nutzer abschreckend wirken. Die Verwaltung von privaten Schlüsseln, digitalen Wallets und das Verständnis von DIDs und VCs erfordern ein gewisses Maß an technischem Verständnis, das derzeit nicht weit verbreitet ist. Benutzerfreundlichkeit ist daher ein entscheidender Faktor für die Massenadoption.

Plattformen und Anwendungen müssen so gestaltet werden, dass sie intuitiv und einfach zu bedienen sind, auch für Personen ohne technischen Hintergrund. Dies beinhaltet oft die Entwicklung von benutzerfreundlichen Schnittstellen, die die Komplexität verbergen und dem Nutzer ein nahtloses Erlebnis bieten. Die Überwindung dieser Hürden erfordert nicht nur technologische Innovationen, sondern auch effektive Bildungsinitiativen, um das Bewusstsein und das Verständnis für die Vorteile von Web3 Identität zu schärfen.

Darüber hinaus müssen die Vorteile für den Endnutzer klar kommuniziert werden. Wenn Nutzer keinen klaren Mehrwert erkennen, wird die Motivation zur Umstellung gering bleiben. Die Schaffung von "Killer-Anwendungen", die die Vorteile von SSI demonstrieren, wird entscheidend sein.

Regulatorische Unsicherheiten

Die regulatorische Landschaft für digitale Identitäten ist noch unklar und entwickelt sich ständig weiter. Regierungen weltweit ringen damit, wie sie dezentrale Identitätssysteme am besten regulieren können, um sowohl die Sicherheit als auch die Rechte der Bürger zu gewährleisten. Fragen der Haftung, des Datenschutzes im Rahmen bestehender Gesetze (wie der DSGVO in Europa) und der grenzüberschreitenden Anerkennung von DIDs und VCs müssen geklärt werden.

Die Unsicherheit über zukünftige Regulierungen kann Unternehmen davon abhalten, in Web3 Identitätslösungen zu investieren oder diese zu implementieren. Es ist entscheidend, dass Regulierungsbehörden einen kooperativen Ansatz verfolgen und mit der Industrie zusammenarbeiten, um klare und unterstützende Rahmenbedingungen zu schaffen, die Innovation fördern, ohne die Sicherheit zu gefährden. Die Fähigkeit, die Identität auf eine Weise zu verifizieren, die sowohl den globalen Standards entspricht als auch die Privatsphäre schützt, ist eine komplexe Aufgabe.

Skalierbarkeit und technische Komplexität

Blockchain-Netzwerke, die oft das Rückgrat von Web3 Identitätslösungen bilden, stehen vor Skalierbarkeitsherausforderungen. Die Verarbeitung einer großen Anzahl von Transaktionen, wie sie für eine globale Identitätsinfrastruktur erforderlich wäre, kann zu langsamen Verarbeitungszeiten und hohen Transaktionsgebühren führen. Zwar gibt es Fortschritte bei Skalierungslösungen wie Layer-2-Netzwerken und effizienteren Konsensmechanismen, doch diese müssen sich noch in der Praxis bewähren.

Die technische Komplexität der Implementierung von DIDs und VCs erfordert spezialisierte Kenntnisse. Die Entwicklung von interoperablen Standards und die Integration dieser Technologien in bestehende Systeme sind anspruchsvolle Aufgaben. Es bedarf einer breiten Palette von Tools und Frameworks, um die Entwicklung und Nutzung von Web3 Identitäten zu vereinfachen.

Anwendungsfälle und Zukunftsperspektiven

Die Anwendungsbereiche für Web3 Identität sind vielfältig und reichen von grundlegenden Online-Interaktionen bis hin zu hochsensiblen Sektoren wie dem Finanzwesen und dem Gesundheitswesen. Die Fähigkeit, Identitäten sicher, datenschutzkonform und portabel zu verwalten, eröffnet neue Möglichkeiten in nahezu jeder Branche.

Die Zukunftsperspektiven sind vielversprechend, da immer mehr Unternehmen und Entwickler das Potenzial dezentraler Identitäten erkennen und beginnen, innovative Lösungen zu entwickeln, die die Art und Weise, wie wir online interagieren, grundlegend verändern.

Finanzwesen und KYC/AML

Im Finanzsektor ist die Einhaltung von Know Your Customer (KYC) und Anti-Money Laundering (AML) Vorschriften von entscheidender Bedeutung. Web3 Identität kann diesen Prozess revolutionieren. Anstatt jedes Mal aufs Neue Identitätsdokumente hochladen zu müssen, könnten Nutzer eine verifizierte digitale Identität besitzen, die sie Banken und anderen Finanzinstituten zur Verfügung stellen können.

Dies würde nicht nur den Onboarding-Prozess beschleunigen und vereinfachen, sondern auch die Sicherheit erhöhen und das Risiko von Identitätsdiebstahl während des KYC-Prozesses reduzieren. Unternehmen könnten auf eine vertrauenswürdige Verifizierung zurückgreifen, ohne sensible Daten speichern zu müssen. Die Möglichkeit, selektiv Offenlegung zu betreiben, bedeutet, dass nur die für die Compliance notwendigen Informationen geteilt werden.

Gesundheitswesen und Datenhoheit

Das Gesundheitswesen ist ein Bereich, in dem Datenschutz und Datenhoheit von größter Bedeutung sind. Mit Web3 Identität könnten Patienten die volle Kontrolle über ihre medizinischen Aufzeichnungen erlangen. Sie könnten entscheiden, welche Ärzte oder Institutionen auf ihre Daten zugreifen dürfen, für welchen Zweck und für wie lange.

Dies würde nicht nur die Privatsphäre schützen, sondern auch die Koordination der Versorgung verbessern. Patienten könnten ihre Krankengeschichte nahtlos zwischen verschiedenen Ärzten und Krankenhäusern übertragen, ohne sich um manuelle Übertragungen oder veraltete Informationen sorgen zu müssen. Die medizinische Vergangenheit wäre sicher und leicht zugänglich, aber stets unter der Kontrolle des Patienten.

Soziale Netzwerke und Content-Erstellung

Auch im Bereich der sozialen Netzwerke und der Content-Erstellung birgt Web3 Identität großes Potenzial. Nutzer könnten ihre digitale Identität mit ihren Online-Profilen verknüpfen, um eine robustere Reputation aufzubauen. Dies könnte dazu beitragen, die Verbreitung von Fake News und Hassreden einzudämmen, da die Urheberschaft von Inhalten klarer nachvollziehbar wäre, ohne die Anonymität der Nutzer zu beeinträchtigen.

Kreative könnten ihre Werke besser schützen und monetarisieren. Durch die Verknüpfung ihrer dezentralen Identität mit ihren Inhalten könnten sie nachweisen, dass sie die Urheber sind, und die Einnahmen aus der Nutzung ihrer Werke direkt erhalten, ohne auf zentrale Plattformen angewiesen zu sein, die oft einen erheblichen Anteil einbehalten. Dies fördert ein gerechteres Ökosystem für Content-Ersteller.

Der Weg zur universellen digitalen Identität

Die Vision einer universellen digitalen Identität, die von jedem genutzt werden kann und die volle Kontrolle über die eigenen Daten ermöglicht, ist keine ferne Zukunftsmusik mehr. Web3 Identität und Self-Sovereign Identity sind die Schlüsseltechnologien, die diesen Wandel vorantreiben. Es ist ein Prozess, der technologische Innovation, benutzerzentrierte Designprinzipien und eine klare regulatorische Vision erfordert.

Die breite Adoption wird Zeit brauchen. Es erfordert die Zusammenarbeit von Entwicklern, Unternehmen, Regierungen und Nutzern, um Standards zu etablieren, die Benutzerfreundlichkeit zu verbessern und das Bewusstsein zu schärfen. Doch die Vorteile – erhöhte Sicherheit, verbesserter Datenschutz, mehr Kontrolle und eine offeneres digitales Ökosystem – machen die Anstrengung lohnenswert. Die Reise zur Herrschaft über unser digitales Selbst hat gerade erst begonnen, und Web3 Identität steht im Zentrum dieser aufregenden Transformation.

Was ist der Unterschied zwischen einer zentralen und einer dezentralen Identität?
Bei einer zentralen Identität werden Ihre Daten auf den Servern eines Unternehmens oder einer Organisation gespeichert, und diese Organisation kontrolliert den Zugriff und die Nutzung Ihrer Daten. Bei einer dezentralen Identität (Web3 Identität) haben Sie die volle Kontrolle über Ihre digitalen Identitätsdaten, die in Ihrer eigenen digitalen Wallet gespeichert sind und mithilfe von Technologien wie DIDs und VCs verwaltet und geteilt werden.
Wie sicher sind dezentrale Identitäten?
Dezentrale Identitäten gelten als sehr sicher. Sie basieren auf kryptografischen Prinzipien und verteilten Ledgern (wie Blockchains), die Daten manipulationssicher und transparent machen. Da es keinen zentralen Speicherort gibt, entfällt auch der einzige Angriffspunkt für Hacker. Die Sicherheit liegt primär in der sicheren Aufbewahrung Ihres privaten Schlüssels.
Muss ich meine Identitätsdaten auf der Blockchain speichern?
Nein, Ihre persönlichen Identitätsdaten selbst werden nicht direkt auf der Blockchain gespeichert. Stattdessen werden auf der Blockchain oft nur kryptografische Fingerabdrücke oder Verweise auf Ihre Identität (wie DIDs) gespeichert. Die eigentlichen Verifiable Credentials, die Ihre Daten enthalten, werden sicher in Ihrer digitalen Wallet gespeichert, und nur Sie entscheiden, wann und mit wem Sie sie teilen.
Was sind Verifiable Credentials (VCs)?
Verifiable Credentials (VCs) sind digitale Nachweise, die von einer vertrauenswürdigen Stelle ausgestellt und kryptografisch signiert werden, um bestimmte Eigenschaften oder Berechtigungen einer Person oder Entität zu belegen. Beispiele hierfür sind ein digitaler Führerschein, ein Hochschulabschluss oder ein Impfzertifikat. Sie ermöglichen eine unabhängige Verifizierung, ohne dass die ausstellende Stelle jedes Mal kontaktiert werden muss.