Bis 2030 könnte der globale Energieverbrauch von Rechenzentren und Netzwerken auf über 8 % des weltweiten Strombedarfs ansteigen, was die dringende Notwendigkeit von nachhaltigen technologischen Lösungen unterstreicht.
Nachhaltige Technologie: Innovationen für eine grünere digitale Zukunft bis 2030
Die Digitalisierung hat unser Leben revolutioniert, von der Art, wie wir kommunizieren und arbeiten, bis hin zur Gestaltung unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Doch diese digitale Transformation hat einen beachtlichen ökologischen Preis. Der steigende Energieverbrauch von Rechenzentren, die enorme Menge an Elektroschrott und der Ressourcenverbrauch für die Produktion digitaler Geräte stellen erhebliche Umweltbelastungen dar. Bis 2030 steht die globale Tech-Industrie vor der monumentalen Aufgabe, diese Herausforderungen nicht nur anzuerkennen, sondern aktiv durch Innovationen für eine grünere digitale Zukunft zu gestalten. Dieser Wandel ist nicht mehr nur eine Option, sondern eine Notwendigkeit, um die planetaren Grenzen zu wahren und eine lebenswerte Zukunft zu sichern.
Die Bemühungen, die digitale Welt nachhaltiger zu gestalten, sind vielfältig und reichen von der Optimierung der Energieeffizienz in Rechenzentren bis hin zur Entwicklung von "grünen" Algorithmen und der Förderung einer Kreislaufwirtschaft für elektronische Geräte. Neue Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) und Blockchain werden zunehmend als Werkzeuge betrachtet, um diese Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Trends, Herausforderungen und Chancen, die die Tech-Branche auf ihrem Weg zu einer umweltfreundlicheren digitalen Ära bis 2030 begleiten werden.
Der ökologische Fußabdruck der Digitalisierung
Der digitale Sektor, der oft als "sauber" und energieeffizient missverstanden wird, hat in Wirklichkeit einen erheblichen und wachsenden ökologischen Fußabdruck. Die Infrastruktur, die unser digitales Leben ermöglicht – von Serverfarmen über Glasfaserkabel bis hin zu unseren Smartphones und Laptops – benötigt enorme Mengen an Energie und Ressourcen. Die Produktion von Halbleitern beispielsweise ist ein extrem energieintensiver Prozess, der seltene Erden und andere kritische Mineralien erfordert, deren Abbau oft mit erheblichen Umweltschäden und sozialen Problemen verbunden ist.
Darüber hinaus ist die Lebensdauer vieler elektronischer Geräte oft kurz, was zu einem exponentiell wachsenden Berg von Elektroschrott führt. Dieser Elektroschrott enthält giftige Substanzen, die bei unsachgemäßer Entsorgung Boden und Wasser kontaminieren können. Die globalen Bemühungen zur Reduzierung dieses Fußabdrucks sind daher von entscheidender Bedeutung. Organisationen wie das Internationale Fernmeldeunion (ITU) arbeiten daran, Standards für die Nachhaltigkeit in der digitalen Infrastruktur zu entwickeln.
Energieeffizienz in Rechenzentren: Das Rückgrat der grünen IT
Rechenzentren sind das Herzstück der digitalen Infrastruktur und verbrauchen einen erheblichen Teil der Energie, die für den Betrieb des Internets und digitaler Dienste benötigt wird. Schätzungen zufolge entfallen derzeit etwa 1-2 % des weltweiten Stromverbrauchs auf Rechenzentren, eine Zahl, die ohne Gegenmaßnahmen bis 2030 dramatisch ansteigen könnte. Daher ist die Steigerung der Energieeffizienz in diesen Anlagen von zentraler Bedeutung für die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks der IT.
Moderne Rechenzentren setzen verstärkt auf innovative Kühltechnologien, die den Energieverbrauch erheblich senken können. Dazu gehören beispielsweise die Flüssigkeitskühlung, die direkte Kühlung von Servern mit speziellen Flüssigkeiten, oder auch das sogenannte "Free Cooling", bei dem die Außentemperatur zur Kühlung genutzt wird. Auch die Optimierung der Stromverteilung, der Einsatz energieeffizienterer Server-Hardware und die Nutzung von KI zur Steuerung von Auslastung und Kühlung spielen eine wichtige Rolle.
Ein weiterer wichtiger Trend ist die Nutzung erneuerbarer Energien. Immer mehr Betreiber von Rechenzentren beziehen ihren Strom direkt aus erneuerbaren Quellen wie Solar- und Windparks. Einige Unternehmen gehen sogar so weit, ihre Rechenzentren in der Nähe von erneuerbaren Energiequellen zu bauen, um die Effizienz zu maximieren und Übertragungsverluste zu minimieren. Unternehmen wie Google und Microsoft haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt, ihre Rechenzentren bis 2030 vollständig mit erneuerbarer Energie zu betreiben.
Optimierung der Serverauslastung
Ein entscheidender Faktor für die Energieeffizienz von Rechenzentren ist die Auslastung der Server. Oftmals laufen Server mit nur einem Bruchteil ihrer Kapazität, was zu unnötigem Energieverbrauch führt. Technologien wie Virtualisierung und Containerisierung ermöglichen es, mehrere virtuelle Maschinen oder Anwendungen auf einem einzigen physischen Server zu betreiben. Dies erhöht die Auslastung und reduziert die Anzahl der benötigten physischen Server, was wiederum den Energiebedarf senkt.
KI-gestützte Lösungen zur dynamischen Lastverteilung können die Serverauslastung weiter optimieren. Diese Systeme analysieren in Echtzeit die Nachfrage nach Rechenleistung und passen die Ressourcenzuweisung entsprechend an. So können Server bei geringer Nachfrage in einen Energiesparmodus versetzt oder ganz abgeschaltet werden, während sie bei hoher Auslastung voll genutzt werden.
Wasserverbrauch und Kühlung
Neben dem Energieverbrauch ist auch der Wasserverbrauch in Rechenzentren ein kritischer Punkt, insbesondere bei Verdunstungskühlungssystemen. Die Suche nach wasserlosen oder wassersparenden Kühlmethoden gewinnt daher an Bedeutung. Innovationen wie geschlossene Kühlkreisläufe, die Nutzung von Abwärme zur Beheizung von Gebäuden oder die Integration von Rechenzentren in städtische Fernwärmenetze sind vielversprechende Ansätze.
Die Integration von erneuerbaren Energien ist nicht nur für die Stromversorgung, sondern auch für die Kühlung von Bedeutung. So können beispielsweise strombetriebene Kühlaggregate, die mit Solar- oder Windenergie betrieben werden, den ökologischen Fußabdruck weiter reduzieren. Die Forschung konzentriert sich auch auf biologisch abbaubare Kühlflüssigkeiten und Materialien, die weniger umweltschädlich sind.
Grüne Algorithmen und Softwareentwicklung
Nachhaltigkeit in der digitalen Welt beschränkt sich nicht nur auf die Hardware und Infrastruktur, sondern erstreckt sich auch auf die Software und die Art und Weise, wie wir Code schreiben und Anwendungen entwickeln. "Grüne Algorithmen" sind darauf ausgelegt, mit möglichst geringem Energieverbrauch und Ressourcenaufwand zu laufen. Dies bedeutet, dass Entwickler darauf achten müssen, wie effizient ihre Algorithmen sind, insbesondere in Bezug auf Zeit- und Speicherkomplexität.
Eine Schlüsselrolle spielt hier die Komplexitätsanalyse von Algorithmen. Ein Algorithmus, der beispielsweise eine quadratische Zeitkomplexität hat (O(n²)), kann bei großen Datenmengen exponentiell mehr Rechenzeit und damit Energie verbrauchen als ein Algorithmus mit linearer Zeitkomplexität (O(n)). Die Wahl des richtigen Algorithmus für eine bestimmte Aufgabe kann daher einen erheblichen Unterschied in Bezug auf die Energieeffizienz machen.
Die Optimierung von Datenbankabfragen, die Vermeidung unnötiger Berechnungen und die effiziente Nutzung von Speicherressourcen sind weitere Aspekte, die bei der Entwicklung grüner Software berücksichtigt werden müssen. Auch die Wahl der Programmiersprache kann eine Rolle spielen. Sprachen, die für ihre Effizienz bekannt sind, wie C++ oder Rust, können in ressourcenintensiven Anwendungen von Vorteil sein, während für andere Anwendungsfälle auch interpretierte Sprachen wie Python durch optimierte Bibliotheken energieeffizient gestaltet werden können.
Energiebewusste Softwarearchitektur
Die Architektur von Softwareanwendungen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für deren Energieeffizienz. Monolithische Architekturen können zu Ineffizienzen führen, da oft ganze Teile der Anwendung geladen werden, auch wenn nur wenige Funktionen benötigt werden. Microservices-Architekturen hingegen ermöglichen es, einzelne Dienste unabhängig voneinander zu skalieren und nur die tatsächlich benötigten Komponenten zu aktivieren, was zu einer besseren Ressourcennutzung führen kann.
Das Prinzip "Code-Minimalismus" gewinnt an Bedeutung. Das bedeutet, Code so schlank und effizient wie möglich zu gestalten. Dazu gehört das Vermeiden von unnötigem Overhead, das Entfernen von Code-Duplizierung und die Nutzung von Bibliotheken, die für ihre Effizienz bekannt sind. Auch das sogenannte "Lazy Loading", bei dem Inhalte erst geladen werden, wenn sie tatsächlich benötigt werden, trägt zur Energieeinsparung bei.
Datenmanagement und KI-Modelle
Große Datensätze und komplexe KI-Modelle können erhebliche Rechenressourcen verbrauchen. Die Optimierung von Datenverarbeitungs-Pipelines, die Nutzung von komprimierten Datenformaten und die Entwicklung von effizienteren KI-Algorithmen sind entscheidend. Techniken wie "Pruning" und "Quantization" bei neuronalen Netzen können die Größe und den Rechenaufwand von KI-Modellen reduzieren, ohne signifikante Einbußen bei der Genauigkeit zu verursachen.
Die Forschung an "sparsamen" Modellen, die nur eine geringe Anzahl von Parametern benötigen, ist ein vielversprechender Ansatz. Auch die Verlagerung von Rechenaufgaben auf energieeffizientere Hardware, wie z.B. spezialisierte KI-Chips (TPUs oder NPUs), kann die Energiebilanz verbessern. Die Entwicklung von Algorithmen, die mit weniger Daten trainiert werden können ("few-shot learning"), ist ebenfalls ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltige KI.
Nachhaltige Hardware: Langlebigkeit und Kreislaufwirtschaft
Die Produktion von elektronischen Geräten ist mit einem enormen Ressourcenverbrauch und erheblichen Umweltauswirkungen verbunden. Seltene Erden, Metalle und Kunststoffe werden in großen Mengen abgebaut und verarbeitet, oft unter fragwürdigen ökologischen und sozialen Bedingungen. Bis 2030 muss die Tech-Industrie hier einen fundamentalen Wandel vollziehen und auf Langlebigkeit, Reparierbarkeit und eine echte Kreislaufwirtschaft setzen.
Das Konzept der "Circular Economy" (Kreislaufwirtschaft) ersetzt das traditionelle lineare Modell von "Nehmen-Herstellen-Wegwerfen" durch ein System, in dem Produkte und Materialien so lange wie möglich im Umlauf gehalten werden. Dies beinhaltet die Verlängerung der Lebensdauer von Geräten durch Reparierbarkeit, die Wiederverwendung von Komponenten und die effiziente Rückgewinnung wertvoller Materialien aus Altgeräten.
Die Forderung nach einem "Recht auf Reparatur" gewinnt weltweit an Fahrt. Verbraucher und Gesetzgeber fordern, dass Hersteller ihre Produkte so gestalten, dass sie leicht repariert werden können, und dass Ersatzteile und Reparaturanleitungen verfügbar sind. Dies steht im Gegensatz zu vielen heutigen Geräten, die so konzipiert sind, dass sie schnell veralten oder schwer zu reparieren sind, was den schnellen Austausch fördert.
Modulares Design und Langlebigkeit
Ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltiger Hardware ist das modulare Design. Geräte, die aus leicht austauschbaren Modulen bestehen, ermöglichen es, defekte Komponenten zu ersetzen, anstatt das gesamte Gerät wegzuwerfen. Beispiele hierfür sind Smartphones mit austauschbaren Akkus oder Laptops, bei denen Arbeitsspeicher und Festplatte einfach aufgerüstet werden können. Unternehmen wie Fairphone machen dies bereits vor und setzen auf Langlebigkeit und faire Produktionsbedingungen.
Neben der Reparierbarkeit ist auch die Langlebigkeit der Komponenten entscheidend. Die Verwendung von hochwertigeren und widerstandsfähigeren Materialien kann die Lebensdauer von Geräten verlängern. Dies gilt sowohl für die physische Widerstandsfähigkeit als auch für die Softwareunterstützung. Langfristige Software-Updates und Kompatibilität mit neueren Standards sind ebenfalls wichtige Faktoren, um Geräte länger nutzbar zu halten.
Recycling und Rohstoffgewinnung
Das Recycling von Elektroschrott ist ein komplexer, aber essenzieller Prozess. Moderne Recyclinganlagen setzen auf fortschrittliche Technologien, um wertvolle Materialien wie Gold, Silber, Kupfer und seltene Erden aus Altgeräten zurückzugewinnen. Diese Materialien können dann wieder in die Produktion neuer Produkte einfließen, was den Bedarf an neuem Rohstoffabbau reduziert.
Die Entwicklung von "urbanen Minen" – also der Rückgewinnung von Rohstoffen aus städtischen Abfallströmen, insbesondere Elektroschrott – ist eine wichtige Strategie. Die Herausforderung besteht darin, diese Prozesse wirtschaftlich und ökologisch effizient zu gestalten. Eine stärkere Regulierung und die Förderung von Design-for-Recycling-Prinzipien bei der Produktentwicklung sind hierfür unerlässlich.
KI und Machine Learning als Katalysatoren für Nachhaltigkeit
Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning (ML) sind nicht nur Treiber digitaler Innovationen, sondern auch mächtige Werkzeuge zur Förderung von Nachhaltigkeit in verschiedenen Sektoren. Von der Optimierung von Energieverbrauch und Produktionsprozessen bis hin zur Überwachung von Umweltveränderungen und der Entwicklung neuer, nachhaltiger Materialien – die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und vielversprechend.
Ein Hauptanwendungsbereich ist die Energieoptimierung. KI kann Wetterdaten analysieren, um die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wie Solar- und Windkraft besser vorherzusagen und die Netzauslastung zu optimieren. Dies hilft, Schwankungen auszugleichen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. In industriellen Prozessen kann KI helfen, Energieverluste zu identifizieren und die Effizienz von Maschinen zu steigern.
Auch im Bereich des Umweltmonitorings leisten KI und ML wertvolle Dienste. Sie können Satellitenbilder auswerten, um Entwaldung, illegale Fischerei oder Umweltverschmutzung zu erkennen. Algorithmen können riesige Mengen an Umweltdaten analysieren, um Muster zu erkennen, die für menschliche Analysten nicht offensichtlich wären, und so zu besseren Vorhersagen und präventiven Maßnahmen beitragen.
KI in der Energieoptimierung
Die intelligente Steuerung von Stromnetzen, auch "Smart Grids" genannt, ist ein Bereich, in dem KI eine transformative Rolle spielt. KI-gestützte Systeme können die Stromerzeugung und den Stromverbrauch in Echtzeit analysieren und optimieren. Dies ermöglicht eine bessere Integration volatiler erneuerbarer Energiequellen und reduziert die Notwendigkeit von fossilen Reservekraftwerken. KI hilft auch dabei, Energieverluste in den Stromnetzen zu minimieren.
Auch auf Haushaltsebene kann KI zur Energieeinsparung beitragen. Intelligente Thermostate, die das Heiz- und Kühlsystem basierend auf Anwesenheit und Wettervorhersagen optimieren, oder intelligente Haushaltsgeräte, die ihren Energieverbrauch an Zeiten mit niedrigeren Strompreisen oder höherer Verfügbarkeit erneuerbarer Energien anpassen, sind Beispiele dafür. Die Automatisierung und Optimierung von industriellen Prozessen durch KI führt ebenfalls zu erheblichen Energieeinsparungen.
Materialwissenschaft und KI
Die Entwicklung neuer, nachhaltiger Materialien ist eine weitere Domäne, in der KI ihr Potenzial entfaltet. KI-Algorithmen können riesige Mengen an chemischen und physikalischen Daten analysieren, um neue Materialien mit gewünschten Eigenschaften zu identifizieren oder zu entwerfen. Dies kann von biologisch abbaubaren Kunststoffen über effizientere Katalysatoren für chemische Reaktionen bis hin zu neuen Batteriematerialien reichen.
Durch die Simulation und Vorhersage der Eigenschaften von Materialien kann KI den Prozess der Materialentwicklung erheblich beschleunigen und die Notwendigkeit von zeitaufwändigen und ressourcenintensiven Laborexperimenten reduzieren. Dies ist entscheidend für die Entwicklung von Technologien, die für eine nachhaltige Zukunft benötigt werden, wie z.B. fortschrittliche Batterien für Elektrofahrzeuge oder Materialien für energieeffiziente Gebäude.
Die Rolle von Blockchain und dezentralen Technologien
Während Blockchain-Technologien oft mit Kryptowährungen assoziiert werden, bieten sie auch ein erhebliches Potenzial zur Förderung der Nachhaltigkeit. Ihre dezentrale Natur, Transparenz und Manipulationssicherheit können in verschiedenen Anwendungsbereichen zur Verbesserung von Umweltpraktiken beitragen.
Ein wichtiger Anwendungsbereich ist die Nachverfolgung von Lieferketten. Durch die Aufzeichnung jeder Transaktion auf der Blockchain können Unternehmen die Herkunft von Rohstoffen transparent machen und sicherstellen, dass diese aus nachhaltigen Quellen stammen. Dies kann dazu beitragen, Probleme wie illegale Abholzung, Kinderarbeit oder die Ausbeutung von Ressourcen aufzudecken und zu bekämpfen. Konsumenten könnten so beispielsweise genau nachvollziehen, woher ihre Kleidung oder ihr Kaffee stammt.
Blockchain kann auch zur Optimierung des Energiemanagements beitragen. Dezentrale Energiehandelsplattformen, die auf Blockchain basieren, ermöglichen es Haushalten mit Solaranlagen, überschüssigen Strom direkt an Nachbarn zu verkaufen, ohne auf zentrale Energieversorger angewiesen zu sein. Dies fördert die Nutzung erneuerbarer Energien und kann zu einer effizienteren Verteilung und Nutzung von Energie führen.
Nachhaltige Lieferketten mit Blockchain
Die Transparenz, die Blockchain bietet, ist besonders wertvoll in globalen Lieferketten, die oft intransparent und anfällig für Missbrauch sind. Durch die Erstellung eines unveränderlichen digitalen Ledgers für jeden Schritt der Produktions- und Lieferkette können Unternehmen und Verbraucher sicherstellen, dass Produkte umweltfreundlich und ethisch vertretbar hergestellt wurden. Dies kann von der Zertifizierung von fair gehandeltem Kaffee bis zur Verfolgung der Herkunft von Mineralien in Elektronikgeräten reichen.
Unternehmen, die auf Blockchain setzen, können so ihre Nachhaltigkeitsbemühungen nachweisen und sich von Wettbewerbern abheben. Dies kann auch dazu beitragen, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und das Vertrauen der Stakeholder zu stärken. Die Herausforderung besteht darin, die Technologie breitflächig zu implementieren und sicherzustellen, dass die auf der Blockchain erfassten Daten auch korrekt sind.
Energiehandel und dezentrale Netze
Die Idee von dezentralen Energienetzen, die auf Blockchain basieren, ist ein weiterer vielversprechender Anwendungsfall. Kleine Energieerzeuger, wie zum Beispiel Haushalte mit Solaranlagen, können ihren überschüssigen Strom über eine Blockchain-basierte Plattform direkt an andere Verbraucher im selben Netzwerk verkaufen. Dies reduziert die Abhängigkeit von großen Energieunternehmen und fördert die lokale Nutzung erneuerbarer Energien.
Diese dezentralen Modelle können auch zu einer stabileren und effizienteren Stromversorgung beitragen, da sie lokale Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abstimmen. Die Technologie kann auch dazu genutzt werden, den Handel mit CO2-Zertifikaten zu optimieren und Anreize für umweltfreundliches Verhalten zu schaffen. Die Entwicklung von skalierbaren und energieeffizienten Blockchain-Protokollen ist hierfür entscheidend, da einige Blockchains selbst einen hohen Energieverbrauch aufweisen können.
Herausforderungen und Chancen auf dem Weg zur grünen Digitalisierung
Der Weg zu einer vollständig nachhaltigen digitalen Zukunft bis 2030 ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden, birgt aber auch immense Chancen für Innovation und Wachstum. Die schiere Größe und Komplexität der globalen Tech-Industrie bedeutet, dass tiefgreifende Veränderungen Zeit und erhebliche Investitionen erfordern.
Eine der größten Herausforderungen ist die Notwendigkeit, die etablierten Geschäftsmodelle zu überdenken. Viele Unternehmen sind noch immer auf ein lineares Wirtschaftsmodell ausgerichtet, das auf ständigem Konsum und schnellem Austausch basiert. Die Umstellung auf eine Kreislaufwirtschaft, die auf Langlebigkeit, Reparatur und Wiederverwendung setzt, erfordert ein Umdenken auf allen Ebenen – von der Produktentwicklung über das Marketing bis hin zum Kundenservice.
Die Abhängigkeit von seltenen und kritischen Rohstoffen für die Herstellung von Elektronik ist ein weiteres drängendes Problem. Die Gewinnung dieser Materialien ist oft mit erheblichen Umweltschäden und sozialen Problemen verbunden. Die Entwicklung alternativer Materialien, die Verbesserung des Recyclings und die Förderung von Designs, die den Bedarf an kritischen Rohstoffen reduzieren, sind daher unerlässlich.
Regulierung und Standardisierung
Die Politik spielt eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung einer grüneren digitalen Zukunft. Klare gesetzliche Rahmenbedingungen, die Anreize für nachhaltige Praktiken schaffen und umweltschädliches Verhalten sanktionieren, sind notwendig. Dies kann die Einführung von CO2-Steuern für Unternehmen, verbindliche Recyclingquoten oder Standards für die Energieeffizienz von Geräten umfassen.
Die internationale Standardisierung von Nachhaltigkeitskriterien und Messmethoden ist ebenfalls von großer Bedeutung. Nur so können Unternehmen ihre Fortschritte transparent machen und Verbraucher fundierte Entscheidungen treffen. Initiativen wie das ISO 14001, das ein Umweltmanagementsystem beschreibt, bieten einen Rahmen, der jedoch für den digitalen Sektor weiter spezifiziert werden muss.
Verbraucherbewusstsein und Akzeptanz
Letztendlich ist die Nachfrage der Verbraucher ein wichtiger Treiber für Veränderungen. Ein wachsendes Bewusstsein für die Umweltauswirkungen digitaler Technologien und die Bereitschaft, nachhaltigere Produkte und Dienstleistungen zu wählen, kann Unternehmen dazu bewegen, ihre Praktiken zu ändern. Dies erfordert Aufklärung und transparente Informationen über die Umweltauswirkungen von Produkten.
Die Akzeptanz neuer Technologien und Geschäftsmodelle, wie z.B. die Nutzung von refurbished Geräten oder die Teilnahme an dezentralen Energieplattformen, ist ebenfalls entscheidend. Dies erfordert Vertrauen in die Technologie und die Anbieter sowie die Gewährleistung von Benutzerfreundlichkeit und Zuverlässigkeit. Die Herausforderung besteht darin, Nachhaltigkeit nicht als Einschränkung, sondern als Mehrwert zu positionieren.
Die Tech-Industrie steht an einem Scheideweg. Die nächsten Jahre werden entscheidend dafür sein, ob sie ihren ökologischen Fußabdruck signifikant reduzieren und eine wirklich grüne digitale Zukunft gestalten kann. Die Innovationskraft und das Engagement aller Akteure – von Entwicklern und Herstellern bis hin zu Gesetzgebern und Verbrauchern – sind gefragt, um dieses ehrgeizige Ziel bis 2030 zu erreichen.
