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Spatial Computing: Die nächste Ära der Mensch-Computer-Interaktion

Spatial Computing: Die nächste Ära der Mensch-Computer-Interaktion
⏱ 15 min

Spatial Computing: Die nächste Ära der Mensch-Computer-Interaktion

Die globale Marktdurchdringung von Augmented-Reality- und Virtual-Reality-Hardware wird voraussichtlich von rund 15 Millionen Einheiten im Jahr 2023 auf über 60 Millionen Einheiten bis 2028 anwachsen, ein klares Signal für den beginnenden Wandel.

Spatial Computing: Die nächste Ära der Mensch-Computer-Interaktion

Wir stehen an der Schwelle zu einer revolutionären Veränderung, wie wir mit Technologie interagieren. Spatial Computing, ein Begriff, der die Konvergenz von physischer und digitaler Welt beschreibt, verspricht, unsere Computererlebnisse von flachen Bildschirmen in dreidimensionale, interaktive Räume zu verlagern. Es geht nicht nur um immersive Spiele oder virtuelle Meetings, sondern um eine grundlegende Neudefinition von Arbeit, Kommunikation und alltäglichem Leben. Dieser Paradigmenwechsel verspricht, die Art und Weise, wie wir Informationen wahrnehmen, verarbeiten und mit ihnen interagieren, grundlegend zu verändern.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten mit digitalen Objekten so interagieren, als wären sie physisch vorhanden. Sie könnten 3D-Modelle von komplexen Maschinen direkt in Ihrem Büro betrachten und manipulieren, während Ihr Chirurg Ihnen virtuell eine bevorstehende Operation erklärt, indem er dreidimensionale anatomische Modelle einblendet. Architekten könnten ihre Entwürfe direkt am Bauplatz begehen, bevor der erste Stein gelegt ist. Spatial Computing macht diese Visionen zur Realität, indem es die Grenzen zwischen dem Digitalen und dem Physischen aufhebt.

Was ist Spatial Computing?

Spatial Computing (deutsch: räumliches Rechnen) ist ein Überbegriff für Technologien, die es Computern ermöglichen, die physische Welt zu verstehen, zu interpretieren und mit ihr zu interagieren. Dies geschieht durch die Verschmelzung von Realität und Virtualität, oft durch Geräte wie Augmented-Reality-Brillen (AR), Virtual-Reality-Headsets (VR) oder Mixed-Reality-Geräte (MR). Im Gegensatz zur traditionellen Computerinteraktion, die auf Bildschirme und Eingabegeräte wie Tastatur und Maus beschränkt ist, erweitert Spatial Computing die Benutzeroberfläche in den dreidimensionalen Raum um uns herum. Sensoren, Kameras und fortschrittliche Algorithmen erfassen und analysieren die Umgebung, sodass digitale Inhalte nahtlos in die reale Welt integriert werden können.

Im Kern geht es darum, dass Computer "räumliches Bewusstsein" entwickeln. Sie müssen nicht nur wissen, wo sie sind, sondern auch die Geometrie, die Objekte und die Dynamik ihrer Umgebung verstehen. Dieses Verständnis ermöglicht es, digitale Informationen kontextbezogen und intuitiv zu platzieren und zu manipulieren. Es ist, als würde man dem Computer beibringen, die Welt durch unsere Augen zu sehen und mit unseren Händen zu greifen.

Die Evolution der Benutzeroberfläche

Die Geschichte der Mensch-Computer-Interaktion ist eine Geschichte der ständigen Evolution. Von den ersten Lochkarten über die grafische Benutzeroberfläche (GUI) bis hin zu Touchscreens und Sprachassistenten hat sich die Art und Weise, wie wir mit Maschinen kommunizieren, immer weiter vereinfacht und natürlicher gestaltet. Spatial Computing markiert den nächsten logischen Schritt in dieser Entwicklung – weg von zweidimensionalen Displays hin zu einer dreidimensionalen, intuitiven Interaktion.

Die erste Generation der Computerinteraktion war rein textbasiert. Befehle mussten exakt eingegeben werden, und die Ausgabe erfolgte ebenfalls in Textform. Die Erfindung der grafischen Benutzeroberfläche revolutionierte die Bedienung durch die Einführung von Fenstern, Icons, Menüs und Zeigegeräten. Dies machte Computer für eine breitere Masse zugänglich. Spätere Entwicklungen wie Touchscreens auf Smartphones und Tablets ermöglichten eine noch direktere und intuitivere Bedienung durch Berührung. Sprachassistenten wie Siri oder Alexa brachten die Interaktion auf eine neue Ebene, indem sie natürliche Sprache als Eingabemethode etablierten.

Spatial Computing baut auf diesen Fortschritten auf und fügt eine entscheidende Dimension hinzu: den Raum. Anstatt mit einem 2D-Bildschirm zu interagieren, interagieren Nutzer mit digitalen Inhalten, die in ihrer realen Umgebung verankert sind. Dies geschieht oft durch Gesten, Blickverfolgung oder Sprachbefehle, was die Interaktion mit Technologie so natürlich wie nie zuvor macht. Es ist, als würden wir mit der Welt und ihren digitalen Erweiterungen auf einer viel tieferen, instinktiveren Ebene interagieren.

Von GUI zu Spatial UI

Die Graphical User Interface (GUI) war ein Meilenstein, aber sie blieb auf die flache Ebene des Bildschirms beschränkt. Spatial Computing führt eine Spatial User Interface (SUI) ein, die den dreidimensionalen Raum als Leinwand nutzt. Digitale Informationen werden nicht mehr nur "auf" einem Bildschirm angezeigt, sondern können "in" der realen Welt platziert werden. Ein virtuelles Whiteboard kann beispielsweise im Wohnzimmer erscheinen, oder digitale Anleitungen für eine Reparatur können direkt auf dem defekten Gerät schweben.

Die Interaktion in einer SUI ist oft nicht-linear und kontextabhängig. Anstatt durch Menüs zu klicken, navigieren Nutzer durch die räumliche Anordnung digitaler Objekte. Sie können physische Gesten verwenden, um virtuelle Objekte zu greifen, zu verschieben, zu drehen oder zu vergrößern. Die Umgebung selbst wird zu einem Teil der Benutzeroberfläche. Beispielsweise könnte ein virtuelles Objekt so platziert werden, dass es von einer realen Wand gestützt wird, oder die Beleuchtung des Raumes könnte die Darstellung virtueller Elemente beeinflussen.

Die Rolle von Immersion und Präsenz

Ein zentraler Aspekt von Spatial Computing ist die Schaffung von Immersion und Präsenz. Immersion beschreibt das Gefühl, vollständig in eine digitale Umgebung eingetaucht zu sein. Präsenz geht noch weiter und bezieht sich auf das Gefühl, tatsächlich "dort" zu sein, auch wenn man sich physisch woanders befindet. Technologien wie VR-Headsets können ein hohes Maß an Immersion erreichen, indem sie die gesamte Sicht und oft auch das Gehör des Nutzers erfassen.

AR und MR integrieren digitale Elemente in die reale Welt und erzeugen so eine erweiterte Realität. Dies ermöglicht ein Gefühl der Präsenz, das durch die nahtlose Mischung von Realität und Digitalem entsteht. Wenn ein virtueller Avatar in Ihrem Büro sitzt und mit Ihnen interagiert, als wäre er real anwesend, dann ist das ein Beispiel für starke Präsenz. Diese Immersion und Präsenz sind entscheidend für Anwendungen, die Empathie, tieferes Verständnis oder einfach nur ein realistischeres Erlebnis erfordern.

Kernkomponenten und Technologien

Die Verwirklichung von Spatial Computing ist das Ergebnis des Zusammenspiels mehrerer fortschrittlicher Technologien. Ohne diese Schlüsselkomponenten wäre die nahtlose Integration von digitalen Inhalten in unsere physische Welt nicht möglich.

Hardware: Sensoren und Displays

Die Hardware ist das Fundament von Spatial Computing. Moderne AR/VR-Geräte sind mit einer Vielzahl von Sensoren ausgestattet, darunter Kameras (sowohl RGB als auch Tiefenkameras), Inertialsensoren (Beschleunigungsmesser, Gyroskope), Mikrofone und oft auch LiDAR-Scanner. Diese Sensoren erfassen kontinuierlich Daten über die Umgebung und die Bewegungen des Nutzers. Kameras kartieren die physische Umgebung, Tiefensensoren messen Entfernungen und LiDAR-Scanner erstellen präzise 3D-Modelle des Raumes. Aktoren, wie haptische Feedback-Systeme, ermöglichen es, dass sich virtuelle Objekte "anfühlen", als wären sie real.

Die Displays sind ebenfalls entscheidend. Während VR-Headsets vollständig geschlossene Displays verwenden, um eine vollständige visuelle Immersion zu schaffen, nutzen AR-Geräte durchsichtige Displays (wie Wellenleiter oder transparente OLEDs), die digitale Bilder über die reale Welt legen. Die Auflösung, das Sichtfeld und die Bildwiederholrate dieser Displays sind entscheidend für die Qualität des Erlebnisses und die Reduzierung von Motion Sickness.

Software und Algorithmen

Die gesammelten Sensordaten werden von komplexen Software-Algorithmen verarbeitet. Dazu gehören:

  • Simultaneous Localization and Mapping (SLAM): Dieser Algorithmus ermöglicht es Geräten, ihre eigene Position in einer unbekannten Umgebung zu bestimmen und gleichzeitig eine Karte dieser Umgebung zu erstellen. Dies ist unerlässlich, damit digitale Objekte stabil an ihrem Platz bleiben, wenn sich der Nutzer bewegt.
  • Scene Understanding: Algorithmen zur Szenenanalyse identifizieren und klassifizieren Objekte in der Umgebung (z.B. Wände, Tische, Personen). Dies ermöglicht es, digitale Inhalte kontextbezogen zu platzieren – eine virtuelle Vase sollte beispielsweise nicht durch einen realen Tisch fallen.
  • 3D-Rendering und -Modellierung: Die Erstellung und Darstellung realistischer 3D-Modelle, die nahtlos in die reale Welt integriert werden.
  • Interaktionsdesign: Entwicklung intuitiver Benutzerschnittstellen, die Gesten-, Blick- und Sprachsteuerung nutzen.

Diese Software-Komponenten wandeln rohe Sensordaten in ein kohärentes, interaktives räumliches Erlebnis um.

Konnektivität und Cloud-Computing

Für viele Anwendungen von Spatial Computing ist eine schnelle und zuverlässige Konnektivität unerlässlich. 5G-Netzwerke spielen hier eine Schlüsselrolle, da sie die geringe Latenz und hohe Bandbreite bieten, die für Echtzeit-Interaktionen und das Streamen großer Datenmengen (z.B. hochauflösende 3D-Modelle oder Videos) benötigt werden. Cloud-Computing ermöglicht es, rechenintensive Aufgaben auf leistungsstarken Servern auszulagern, was die Geräte leichter und energieeffizienter macht und den Zugang zu komplexen Anwendungen von praktisch jedem Gerät aus ermöglicht.

Die Verarbeitung von SLAM-Daten, komplexen Renderings oder KI-gestützten Analysen kann enorme Rechenleistung erfordern. Durch die Verlagerung dieser Aufgaben in die Cloud können AR/VR-Geräte kompakter, leichter und kostengünstiger gestaltet werden. Dies ist besonders wichtig für mobile oder tragbare Geräte, die nicht über die eigene Rechenleistung für anspruchsvolle Aufgaben verfügen.

Anwendungsfälle und Branchenpotenziale

Die Anwendungsbereiche für Spatial Computing sind nahezu grenzenlos und reichen von der Unterhaltung bis hin zu hochprofessionellen Anwendungen, die das Potenzial haben, ganze Branchen zu transformieren.

Industrie und Fertigung

In der Industrie kann Spatial Computing die Effizienz und Sicherheit erheblich steigern. Techniker können mit AR-Anleitungen durch komplexe Wartungsarbeiten geführt werden, wobei virtuelle Schritte und Informationen direkt über den physischen Maschinen angezeigt werden. Schulungen können durch realitätsnahe Simulationen in VR revolutioniert werden, wodurch Mitarbeiter gefährliche Situationen sicher üben können. Design- und Prototypenentwicklung wird durch die Möglichkeit, 3D-Modelle in Lebensgröße zu visualisieren und zu manipulieren, beschleunigt.

40%
Reduzierung der Fehlerquote bei Wartungsarbeiten (Schätzung)
30%
Beschleunigung von Schulungsprozessen (Schätzung)
25%
Verbesserung der Produktivitätssteigerung (Schätzung)

Gesundheitswesen

Im medizinischen Bereich eröffnet Spatial Computing revolutionäre Möglichkeiten. Chirurgen können sich mithilfe von VR-Modellen auf komplexe Eingriffe vorbereiten und während der Operation AR-Überlagerungen von Patienten-Scans (wie CT oder MRT) erhalten, um ihre Präzision zu erhöhen. Medizinstudenten können Anatomie in immersiven 3D-Umgebungen studieren, was das Verständnis vertieft. Patienten können Schmerzmanagement oder Rehabilitation durch interaktive VR-Therapien erfahren.

"Die Möglichkeit, präzise 3D-Modelle von Organen direkt während einer Operation zu sehen, ist ein Game-Changer. Es steigert die Sicherheit und kann zu deutlich besseren Patientenergebnissen führen."
— Dr. Anya Sharma, Leitende Chirurgin am Universitätsklinikum Berlin

Bildung und Training

Bildung wird durch Spatial Computing greifbarer und engagierender. Schüler können historische Stätten virtuell besuchen, komplexe wissenschaftliche Konzepte in 3D erforschen oder virtuelle Experimente durchführen. Berufstätige können in realistischen Simulationen trainieren, sei es im Flugverkehr, im Kundenservice oder in handwerklichen Berufen. Dies ermöglicht effektiveres Lernen, das über traditionelle Lehrmethoden hinausgeht.

Stellen Sie sich vor, Geschichtsunterricht, bei dem Schüler durch das antike Rom wandeln, oder Biologieunterricht, bei dem sie das menschliche Herz von innen erkunden können. Spatial Computing verwandelt passives Lernen in aktives Erleben, was zu einem tieferen Verständnis und einer besseren Behaltensrate führt. Wikipedia beschreibt die Prinzipien der immersiven Lernerfahrung treffend in seinem Artikel über Virtual Reality und Bildung.

Wikipedia: VR in der Bildung

Architektur und Immobilien

Architekten und Stadtplaner können Entwürfe in Echtzeit visualisieren und mit Kunden begehen, noch bevor die physische Konstruktion beginnt. Potenzielle Käufer von Immobilien können virtuelle Touren durch unverbaute Grundstücke oder noch nicht gebaute Wohnungen unternehmen, was die Kaufentscheidung erleichtert und das Kundenerlebnis verbessert.

Unterhaltung und Gaming

Der Unterhaltungssektor ist oft Vorreiter bei der Einführung neuer Technologien. Spatial Computing verspricht revolutionäre Spielerlebnisse, die weit über traditionelle Konsolen hinausgehen. Immersive Filme und interaktive Erlebnisse, bei denen Zuschauer Teil der Geschichte werden, werden ebenfalls möglich. Konzerte und Sportveranstaltungen könnten durch virtuelle Erweiterungen oder die Möglichkeit, sie von überall auf der Welt in einer immersiven Umgebung zu erleben, neu definiert werden.

Die Spieleindustrie hat bereits durch VR-Titel wie "Half-Life: Alyx" gezeigt, welch enormes Potenzial in räumlichen Interaktionen steckt. Diese Spiele nutzen die volle Bandbreite von Handbewegungen, Kopfbewegungen und der Interaktion mit der Umgebung, um ein beispielloses Maß an Immersion zu schaffen.

Herausforderungen und ethische Überlegungen

Trotz des immensen Potenzials steht Spatial Computing vor erheblichen Herausforderungen und wirft wichtige ethische Fragen auf, die sorgfältig bedacht werden müssen.

Technische und wirtschaftliche Hürden

Die breite Akzeptanz von Spatial Computing wird durch mehrere Faktoren behindert. Die Kosten für hochwertige AR/VR-Hardware sind immer noch hoch, was die Zugänglichkeit für den Massenmarkt einschränkt. Die Akkulaufzeit tragbarer Geräte muss verbessert werden, um längere Nutzungszeiten zu ermöglichen. Darüber hinaus erfordert die Entwicklung überzeugender Inhalte und Anwendungen erhebliche Investitionen und Fachwissen. Die nahtlose Integration verschiedener Geräte und Plattformen stellt ebenfalls eine technische Herausforderung dar.

Die Leistungsfähigkeit mobiler Prozessoren ist ein ständiges Thema. Während einige Anwendungen von Cloud-Processing profitieren, erfordern andere eine hohe lokale Rechenleistung, um eine flüssige und reaktionsschnelle Erfahrung zu gewährleisten. Die Bandbreite und Latenz von Netzwerken, selbst mit 5G, kann für bestimmte echtzeitintensive Anwendungen, wie z.B. ferngesteuerte Robotik, immer noch eine Einschränkung darstellen.

Datenschutz und Sicherheit

Spatial Computing-Geräte sammeln eine immense Menge an persönlichen Daten über ihre Nutzer und ihre Umgebung. Kameras erfassen detaillierte Bilder von Wohnungen und Büros, Mikrofone zeichnen Gespräche auf, und Sensoren registrieren Bewegungsmuster. Dies wirft erhebliche Datenschutzbedenken auf. Wer hat Zugriff auf diese Daten? Wie werden sie gespeichert und geschützt? Die Gefahr von Überwachung und der Missbrauch persönlicher Informationen ist real.

Die Gesichtserkennung und die Erstellung von digitalen Zwillingen von Personen und Orten sind mächtige Werkzeuge, bergen aber auch das Risiko des Missbrauchs. Sorgfältige Regulierung und transparente Datenschutzrichtlinien sind unerlässlich, um das Vertrauen der Nutzer zu gewinnen und zu erhalten. Reuters hat wiederholt über die Herausforderungen im Bereich des Datenschutzes bei neuen Technologien berichtet.

Reuters: Datenschutzbedenken im Metaverse

Soziale Auswirkungen und digitale Kluft

Die Verbreitung von Spatial Computing könnte die bestehende digitale Kluft weiter vertiefen. Wenn Zugang zu den Werkzeugen für eine immersive und produktive Zukunft nur denjenigen vorbehalten ist, die sich die teure Hardware leisten können, entstehen neue Formen der Ungleichheit. Es ist wichtig sicherzustellen, dass die Vorteile von Spatial Computing breit zugänglich sind und nicht nur einer privilegierten Elite vorbehalten bleiben.

Darüber hinaus gibt es Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die soziale Interaktion in der physischen Welt. Wenn Menschen zunehmend Zeit in virtuellen oder erweiterten Realitäten verbringen, könnte dies zu sozialer Isolation oder einem Verlust der Fähigkeit führen, in der physischen Welt zu interagieren. Die Balance zwischen der digitalen und der physischen Welt muss sorgfältig abgewogen werden.

Gesundheitliche Bedenken

Langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit, wie z.B. Augenbelastung, Motion Sickness (Reisekrankheit) oder kognitive Ermüdung, sind ebenfalls Gegenstand der Forschung. Die intensive Nutzung von VR-Headsets kann bei manchen Nutzern unangenehme Symptome hervorrufen. Es ist wichtig, dass die Entwicklung von Hardware und Software diese Bedenken berücksichtigt und ergonomische Standards eingehalten werden.

Die Zukunft von Spatial Computing

Die Entwicklung von Spatial Computing ist noch in den Anfängen, aber die technologischen Fortschritte deuten auf eine glänzende Zukunft hin. Analysten prognostizieren, dass Spatial Computing nicht nur eine Ergänzung zu bestehenden Technologien sein wird, sondern diese potenziell ersetzen könnte, ähnlich wie Smartphones PCs für viele Aufgaben abgelöst haben.

Verschmelzung von AR und VR

Die Grenzen zwischen Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) werden zunehmend verschwimmen. Zukünftige Geräte werden wahrscheinlich in der Lage sein, nahtlos zwischen AR und VR umzuschalten oder beides gleichzeitig zu ermöglichen (Mixed Reality). Dies wird zu einer flexibleren und vielseitigeren Nutzererfahrung führen, die an verschiedene Szenarien angepasst werden kann.

Geräte wie das Apple Vision Pro zeigen bereits den Weg dorthin auf, indem sie eine Kombination aus Durchsicht und vollem Eintauchen in digitale Umgebungen ermöglichen. Diese "passthrough"-Technologie erlaubt es, die reale Welt durch die Kameras des Geräts zu sehen und dann digitale Elemente darüber zu legen, was eine Form von AR/MR darstellt, die mit voller Immersion kombiniert werden kann.

Verbesserte Interaktionsmethoden

Die Interaktionsmethoden werden natürlicher und intuitiver werden. Fortschritte in der KI werden eine noch präzisere und kontextbezogenere Sprach- und Gestensteuerung ermöglichen. Blickverfolgung wird zu einem wichtigen Eingabemittel, um die Aufmerksamkeit des Nutzers zu erkennen und digitale Elemente entsprechend zu steuern. Haptisches Feedback wird verfeinert, um das Gefühl von Berührung und Textur virtueller Objekte realistischer zu simulieren.

Die Entwicklung von "Body Tracking" wird es Computern ermöglichen, nicht nur die Handbewegungen, sondern auch die gesamte Körperhaltung und Mimik des Nutzers zu verstehen. Dies könnte zu einer noch stärkeren Form der Immersion und sozialen Interaktion in virtuellen Umgebungen führen, da digitale Avatare die Bewegungen und Emotionen ihrer realen Gegenstücke präziser widerspiegeln können.

Das Metaverse als ultimatives Ziel?

Viele sehen in Spatial Computing die technologische Grundlage für das "Metaverse" – ein persistentes, vernetztes Netzwerk von 3D-virtuellen Welten, in denen Nutzer interagieren, arbeiten und spielen können. Obwohl die genaue Form und der Umfang des Metaverses noch unklar sind, wird Spatial Computing wahrscheinlich die Schnittstelle sein, über die wir auf diese digitalen Welten zugreifen und in ihnen agieren.

Prognostizierte Entwicklung des globalen Spatial Computing Marktes (in Milliarden USD)
202315.3
202532.1
202875.5

Marktentwicklung und Investitionen

Die Investitionen in Spatial Computing haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Technologieriesen wie Meta, Apple, Microsoft und Google investieren Milliarden in Forschung und Entwicklung von AR/VR-Hardware, Software und Plattformen. Auch zahlreiche Start-ups drängen mit innovativen Lösungen auf den Markt, was auf ein enormes wirtschaftliches Potenzial hindeutet.

Der Markt für Spatial Computing wächst exponentiell. Laut aktuellen Marktprognosen wird der globale Markt für räumliche Technologien, einschließlich AR und VR, bis Ende des Jahrzehnts voraussichtlich mehrere hundert Milliarden US-Dollar erreichen. Diese Entwicklung wird durch verbesserte Hardware, wachsende Anwendungsfälle in verschiedenen Branchen und steigende Verbraucherakzeptanz angetrieben.

$15.3
Mrd. USD (Marktvolumen 2023)
$75.5
Mrd. USD (Prognose 2028)
40%
CAGR (2023-2028)

Die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in den Bereichen 3D-Design, KI, Softwareentwicklung für AR/VR und User Experience Design steigt ebenfalls rasant. Dies signalisiert, dass Spatial Computing nicht nur ein technologischer Trend ist, sondern eine grundlegende Verschiebung in der Technologielandschaft darstellt, die nachhaltige wirtschaftliche und soziale Auswirkungen haben wird.

Was ist der Hauptunterschied zwischen VR und AR?
Virtual Reality (VR) taucht den Nutzer vollständig in eine digitale Umgebung ein und blockiert die reale Welt. Augmented Reality (AR) überlagert digitale Informationen über die reale Welt, sodass Nutzer die physische Umgebung weiterhin sehen können.
Wann wird Spatial Computing im Alltag alltäglich sein?
Es ist schwierig, ein genaues Datum zu nennen. Während VR und AR bereits in Nischenmärkten und für spezifische Anwendungen etabliert sind, wird die breite Alltagsintegration wahrscheinlich noch 5-10 Jahre dauern, abhängig von der Weiterentwicklung der Hardware, Software und der Schaffung überzeugender Inhalte.
Welche Geräte sind aktuell führend im Bereich Spatial Computing?
Zu den führenden Geräten gehören das Apple Vision Pro, Meta Quest 3, Microsoft HoloLens 2 und verschiedene AR-Brillen von Unternehmen wie Google (ARCore) und Snap (Spectacles). Die Entwicklung ist jedoch sehr dynamisch.