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Allein im Jahr 2023 gab es weltweit schätzungsweise 57,5 Millionen Todesfälle, wovon der Großteil auf altersbedingte Krankheiten zurückzuführen ist, was die dringende Notwendigkeit unterstreicht, den menschlichen Healthspan – die gesunde Lebensspanne – zu verlängern, anstatt nur die reine Lebenszeit zu maximieren.
Das ewige Streben nach Langlebigkeit: Ein Blick auf die Wissenschaft
Seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte träumen wir von einem Leben ohne Ende, von der Überwindung von Krankheit und Verfall. Was einst der Stoff für Mythen und Legenden war, rückt heute durch bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse immer mehr in den Bereich des Möglichen. Es geht dabei nicht primär um die Unsterblichkeit im mystischen Sinne, sondern um die drastische Verlängerung der gesunden Lebensspanne, des sogenannten Healthspans. Dieses Konzept unterscheidet sich fundamental von der reinen Lifespan, der durchschnittlichen Lebenserwartung. Ziel ist es, dass Menschen nicht nur länger leben, sondern auch bis ins hohe Alter fit, aktiv und frei von chronischen Krankheiten bleiben. Forscher auf der ganzen Welt arbeiten fieberhaft daran, die molekularen und zellulären Mechanismen des Alterns zu entschlüsseln und gezielte Interventionen zu entwickeln, die diesen Prozess verlangsamen oder sogar umkehren können. Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Von der Genetik bis zur Molekularbiologie, von der Nanotechnologie bis zur künstlichen Intelligenz – diverse Disziplinen bündeln ihre Kräfte, um das Rätsel des Alterns zu lösen. Die Vorstellung, dass das Altern nicht einfach ein unvermeidlicher biologischer Prozess ist, sondern ein programmierbarer Zustand, der beeinflusst werden kann, gewinnt immer mehr an Boden. Dies eröffnet faszinierende Perspektiven für die Zukunft der menschlichen Gesundheit und des menschlichen Lebens.Der Paradigmenwechsel: Vom Altern als Krankheit zur behandelbaren Bedingung
Lange Zeit galt das Altern als ein natürlicher und unvermeidlicher Prozess, der lediglich mit zunehmendem Alter zu verschiedenen Krankheiten führt. Heute sehen viele Wissenschaftler das Altern selbst als eine Art Krankheit an, die durch spezifische biologische Signaturen charakterisiert wird. Wenn das Altern als Krankheit betrachtet wird, eröffnet dies die Möglichkeit, es mit therapeutischen Mitteln zu behandeln. Dies ist ein fundamentaler Wandel in unserem Verständnis und unserer Herangehensweise an die Alterung.Historische Perspektiven und moderne Träume
Schon in der Antike suchten Menschen nach dem Jungbrunnen oder dem Stein der Weisen. Alchemisten versuchten, Elixiere der Unsterblichkeit zu brauen, während Philosophen über die Vergänglichkeit des Lebens sinnierten. Diese alten Bestrebungen haben sich in modernen wissenschaftlichen Projekten fortgesetzt, die auf rigorosen Methoden und experimentellen Daten basieren. Die Vision ist nicht, dem Tod zu entgehen, sondern die Lebensqualität im Alter exponentiell zu verbessern.Die Biologie des Alterns: Ein komplexes Zusammenspiel
Das Altern ist kein monolithischer Prozess, sondern ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren auf molekularer und zellulärer Ebene. Wissenschaftler haben mehrere Schlüsselmechanismen identifiziert, die zum fortschreitenden Verfall des Organismus beitragen. Das Verständnis dieser Mechanismen ist entscheidend, um effektive Strategien zur Verlangsamung des Alterns zu entwickeln. Einer der zentralen Aspekte ist die Anhäufung von Schäden auf DNA-Ebene. Durch Faktoren wie UV-Strahlung, chemische Toxine und sogar normale Stoffwechselprozesse entstehen Mutationen und DNA-Brüche. Während unser Körper über Reparaturmechanismen verfügt, werden diese mit der Zeit ineffizienter, was zu einer Akkumulation von genetischem Schaden führt. Dieser Schaden kann die Funktion von Zellen beeinträchtigen und zur Entstehung von Krankheiten wie Krebs beitragen. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Telomere, die schützenden Kappen an den Enden unserer Chromosomen. Bei jeder Zellteilung verkürzen sich die Telomere. Wenn sie eine kritische Länge erreichen, tritt die Zelle in Seneszenz ein – sie hört auf, sich zu teilen, und kann dennoch schädliche Entzündungsstoffe absondern. Dies trägt zur Gewebedysfunktion und zum Altern bei.Zelluläre Seneszenz: Der Zombie-Zustand der Zellen
Zellen durchlaufen verschiedene Stadien im Laufe ihres Lebenszyklus. Wenn eine Zelle nicht mehr in der Lage ist, sich zu teilen, tritt sie in eine Phase ein, die als Seneszenz bezeichnet wird. Diese seneszenten Zellen sind nicht einfach tot; sie bleiben metabolisch aktiv und sondern eine Vielzahl von Molekülen ab, die als Senescence-Associated Secretory Phenotype (SASP) bekannt sind. SASP-Faktoren können Entzündungen fördern, umliegendes Gewebe schädigen und sogar gesunde Zellen dazu anregen, ebenfalls zu altern. Die Entfernung dieser seneszenten Zellen, ein Prozess, der als Senolyse bezeichnet wird, hat sich in präklinischen Studien als vielversprechend erwiesen, um altersbedingte Krankheiten zu lindern und die Lebensspanne zu verlängern.Epigenetische Veränderungen und der epigenetic clock
Neben direkten DNA-Schäden spielen auch epigenetische Veränderungen eine entscheidende Rolle beim Altern. Die Epigenetik befasst sich mit Veränderungen in der Genexpression, die nicht auf Veränderungen in der DNA-Sequenz selbst beruhen. Mit der Zeit können sich epigenetische Muster verändern, was zu einer Fehlregulation von Genen führt, die für die Zellfunktion wichtig sind. Wissenschaftler haben sogenannte "epigenetische Uhren" entwickelt, die anhand von Mustern der DNA-Methylierung das biologische Alter einer Zelle oder eines Gewebes schätzen können. Die Umkehrung dieser epigenetischen Veränderungen ist ein aktives Forschungsfeld.Mitochondriale Dysfunktion: Die Kraftwerke der Zelle altern mit
Mitochondrien sind die Kraftwerke unserer Zellen und produzieren die Energie, die für alle zellulären Prozesse benötigt wird. Mit zunehmendem Alter nimmt die Effizienz der Mitochondrien ab, und es können sich schädliche reaktive Sauerstoffspezies (ROS) ansammeln. Diese ROS können weitere Zellschäden verursachen und zur mitochondrialen Dysfunktion beitragen, was einen Teufelskreis in Gang setzt. Die Verbesserung der mitochondrialen Gesundheit und Funktion ist daher ein wichtiges Ziel in der Altersforschung.9
Signatur-Alterungsprozesse
10.000+
Milliarden Alterungsprozesse pro Sekunde
100+
Studien zu Senolytika
80+
Jahre durchschnittliche Lebenserwartung (entwickelte Länder)
Schlüsselstrategien zur Verlangsamung des Alterns
Basierend auf dem Verständnis der molekularen Grundlagen des Alterns entwickeln Forscher verschiedene Strategien, um diesen Prozess zu verlangsamen und die gesunde Lebensspanne zu verlängern. Diese Strategien reichen von pharmakologischen Ansätzen bis hin zu Änderungen des Lebensstils und reichen von der gezielten Entfernung schädlicher Zellen bis hin zur Optimierung zellulärer Prozesse. Ein vielversprechender Ansatz ist die Senolyse, die bereits erwähnte Entfernung seneszenter Zellen. Medikamente, die senolytisch wirken, wie z.B. Quercetin und Fisetin, werden derzeit in klinischen Studien untersucht. Ziel ist es, diese Zellen selektiv abzutöten, ohne gesunde Zellen zu schädigen, und so Entzündungen zu reduzieren und die Gewebefunktion zu verbessern. Eine weitere Strategie ist die Aktivierung von Sirtuinen. Sirtuine sind eine Familie von Proteinen, die eine wichtige Rolle bei der Regulation von Stoffwechselprozessen, DNA-Reparatur und Stressresistenz spielen. Die Aktivierung von Sirtuinen, beispielsweise durch Verbindungen wie Resveratrol, das in Rotwein vorkommt, oder durch Kalorienrestriktion, kann die Langlebigkeit und Gesundheit fördern. Die Optimierung der mitochondrialen Funktion ist ebenfalls ein wichtiger Fokus. Ansätze umfassen die Verbesserung der mitochondrialen Biogenese (Neubildung von Mitochondrien) und die Reduzierung oxidativer Schäden. Nahrungsergänzungsmittel wie Coenzym Q10 oder PQQ (Pyrrolochinolin-Chinon) werden in diesem Zusammenhang erforscht.Reprogrammierung von Zellen: Ein Blick in die Zukunft
Ein revolutionärer Ansatz ist die zelluläre Reprogrammierung. Forscher wie Dr. Shinya Yamanaka haben gezeigt, dass erwachsene Zellen durch die Expression bestimmter Gene (Yamanaka-Faktoren) in einen pluripotenten Stammzellzustand zurückversetzt werden können. Dies hat das Potenzial, geschädigtes Gewebe zu regenerieren und altersbedingte Funktionsverluste zu beheben. Zukünftige Therapien könnten darauf abzielen, Zellen partiell zu reprogrammieren, um sie zu verjüngen, ohne ihre Identität zu verlieren.Stammzelltherapie und Geweberegeneration
Die Stammzelltherapie bietet ein weiteres vielversprechendes Feld. Stammzellen haben die Fähigkeit, sich in verschiedene Zelltypen zu differenzieren, und können so zur Reparatur von geschädigtem oder gealtertem Gewebe eingesetzt werden. Klinische Studien erforschen bereits den Einsatz von Stammzellen zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen und Verletzungen. Die Herausforderung besteht darin, die richtigen Stammzelltypen zu identifizieren und ihre Integration und Funktion im Zielgewebe zu gewährleisten.| Therapeutischer Ansatz | Zielmechanismus | Beispiele für Interventionen | Potenzielle Vorteile |
|---|---|---|---|
| Senolyse | Entfernung seneszenter Zellen | Quercetin, Fisetin, Dasatinib | Reduzierung von Entzündungen, Verbesserung der Gewebefunktion, Linderung altersbedingter Krankheiten |
| Sirtuin-Aktivierung | Stimulation von Langlebigkeitsgenen | Resveratrol, NAD+-Booster (z.B. NMN, NR) | Verbesserung des Stoffwechsels, DNA-Reparatur, Stressresistenz |
| Mitochondrien-Optimierung | Verbesserung der Energieproduktion und Reduzierung von oxidativem Stress | Coenzym Q10, PQQ, Exercise | Erhöhung der Energielevel, Schutz vor zellulärem Schaden |
| Epigenetische Umprogrammierung | Zurücksetzen altersbedingter epigenetischer Veränderungen | Partielle Reprogrammierung (experimentell) | Potenzielle Verjüngung von Zellen und Geweben |
Revolutionäre Therapien: Genom-Editierung und Zelluläre Reparatur
Fortschritte in der Genom-Editierungstechnologie, insbesondere CRISPR-Cas9, eröffnen neue Möglichkeiten, genetische Ursachen von Alterung und altersbedingten Krankheiten direkt anzugehen. Diese Technologie erlaubt es Wissenschaftlern, DNA-Sequenzen präzise zu schneiden und zu modifizieren. Die Idee ist, defekte Gene, die für altersbedingte Krankheiten verantwortlich sind, zu korrigieren oder Gene zu aktivieren, die die Langlebigkeit fördern. Zum Beispiel könnten Gene, die für die Reparatur von DNA-Schäden zuständig sind, überexprimiert werden, um die Zellintegrität über die Lebenszeit zu erhalten. Auch die Verlängerung von Telomeren, die bei jeder Zellteilung kürzer werden, könnte durch gezielte Genom-Editierung erreicht werden, um die Lebensdauer von Zellen zu verlängern. Die zelluläre Reparatur umfasst breiter gefasste Ansätze, die darauf abzielen, den durch das Altern verursachten Schaden auf zellulärer Ebene zu beheben. Dies kann die Reparatur von Proteinen, Lipiden und anderen zellulären Komponenten beinhalten, die mit der Zeit beschädigt werden oder ihre Funktion verlieren. Nanotechnologie spielt hier eine wachsende Rolle, indem sie winzige Maschinen entwickelt, die in die Zellen eindringen und gezielte Reparaturen durchführen können.CRISPR-Cas9: Präzision im Genom
CRISPR-Cas9 ist ein mächtiges Werkzeug, das die Gentechnik revolutioniert hat. Es ermöglicht Forschern, spezifische DNA-Abschnitte zu identifizieren und zu verändern. In der Altersforschung wird CRISPR-Cas9 erforscht, um Gene zu korrigieren, die mit altersbedingten Krankheiten assoziiert sind, oder um Gene zu aktivieren, die die zelluläre Gesundheit und Langlebigkeit fördern. Die Herausforderung liegt in der präzisen und sicheren Verabreichung der CRISPR-Systeme an die Zielzellen im menschlichen Körper.Nanobots für die Zellreparatur
Die Vorstellung von Nanobots, die im Körper zirkulieren und Schäden auf zellulärer Ebene reparieren, ist nicht mehr reine Science-Fiction. Forscher arbeiten an winzigen, maschinenähnlichen Strukturen, die in der Lage sind, Krankheitserreger zu bekämpfen, Medikamente gezielt an Tumore zu liefern oder beschädigte Zellkomponenten zu reparieren. Diese Nanotechnologie könnte eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung der jugendlichen Funktion von Zellen und Geweben spielen.Prozentuale Reduktion altersbedingter Biomarker durch CRISPR-basierte Interventionen (Präklinische Studien)
Ernährung und Lebensstil: Fundamentale Säulen
Während technologische Durchbrüche und pharmakologische Interventionen die Schlagzeilen dominieren, dürfen die fundamentalen Säulen eines gesunden Lebensstils – Ernährung und Bewegung – nicht unterschätzt werden. Studien zeigen immer wieder, dass diese Faktoren einen erheblichen Einfluss auf die Langlebigkeit und die Gesundheit im Alter haben. Kalorienrestriktion, also die Reduzierung der Kalorienaufnahme ohne Mangelernährung, ist eine der am besten untersuchten Methoden zur Lebensverlängerung in verschiedenen Spezies, von Hefen bis zu Primaten. Sie aktiviert Stoffwechselwege, die mit Langlebigkeit assoziiert sind, wie z.B. die Aktivierung von Sirtuinen und die Verbesserung der mitochondrialen Funktion. Mittlerweile gibt es auch Ansätze wie intermittierendes Fasten, die ähnliche Vorteile bieten könnten. Regelmäßige körperliche Aktivität ist ebenso entscheidend. Sie verbessert die Herz-Kreislauf-Gesundheit, stärkt Muskeln und Knochen, fördert die Gehirnfunktion und reduziert Entzündungen. Verschiedene Bewegungsformen, von Ausdauertraining bis hin zu Krafttraining und Yoga, können synergistisch wirken, um den Alterungsprozess zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten.Die Macht der Ernährung: Mikrobiom und Entzündungen
Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle für die Darmgesundheit und das Immunsystem. Eine pflanzenbasierte Ernährung, reich an Ballaststoffen, Antioxidantien und sekundären Pflanzenstoffen, kann helfen, chronische Entzündungen zu reduzieren, die als treibende Kraft hinter vielen altersbedingten Krankheiten gelten. Das menschliche Mikrobiom, die Gemeinschaft von Mikroorganismen in unserem Darm, beeinflusst nicht nur die Verdauung, sondern auch das Immunsystem und sogar die Stimmung. Eine diversifizierte und gesunde Darmflora kann durch eine ausgewogene Ernährung gefördert werden.Schlaf und Stressmanagement: Unterschätzte Faktoren
Ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf ist essenziell für die zelluläre Reparatur und die hormonelle Balance. Chronischer Schlafmangel hingegen kann zu einer Beschleunigung des Alterns und einem erhöhten Risiko für Krankheiten führen. Ebenso spielt chronischer Stress eine schädliche Rolle. Er führt zur Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol, die auf lange Sicht Zellschäden verursachen und das Immunsystem schwächen können. Techniken wie Meditation, Achtsamkeit und Yoga können helfen, Stress effektiv zu bewältigen."Die größten Durchbrüche zur Verlängerung des gesunden Lebens werden nicht nur aus dem Labor kommen, sondern aus der Integration von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit einem bewussten, gesunden Lebensstil. Es geht darum, den Körper als ein Ökosystem zu verstehen, das Pflege und Respekt verdient."
— Dr. Anya Sharma, Gerontologin und Autorin
Die Rolle von Technologie und Datenwissenschaft
Die moderne Technologie und die Datenwissenschaft sind unverzichtbare Werkzeuge im Kampf gegen das Altern. Big Data, künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML) ermöglichen es Forschern, riesige Mengen an biologischen Daten zu analysieren und Muster zu erkennen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben würden. KI-Algorithmen können beispielsweise dabei helfen, neue potenzielle Medikamente zur Verlangsamung des Alterns zu identifizieren, indem sie die Wechselwirkungen von Molekülen vorhersagen. Sie können auch dazu beitragen, personalisierte Gesundheitspläne zu entwickeln, die auf den individuellen genetischen und biologischen Merkmalen einer Person basieren. Wearable-Technologien und Sensoren sammeln kontinuierlich Daten über unsere physiologischen Zustände – von der Herzfrequenz über den Schlaf bis hin zur Aktivität. Diese Daten können genutzt werden, um den individuellen Alterungsprozess zu überwachen und frühzeitig auf potenzielle Probleme hinzuweisen.KI-gestützte Medikamentenentwicklung
Die Entdeckung und Entwicklung neuer Medikamente ist ein langwieriger und kostspieliger Prozess. KI kann diesen Prozess beschleunigen, indem sie potenzielle Wirkstoffe identifiziert und deren Wirksamkeit und Sicherheit vorhersagt. Dies gilt insbesondere für Medikamente, die auf komplexe biologische Signalwege abzielen, die beim Altern eine Rolle spielen.Personalisierte Medizin und digitale Gesundheit
Durch die Analyse individueller genomischer, proteomischer und metabolomischer Daten können maßgeschneiderte Präventions- und Therapieansätze entwickelt werden. Die digitale Gesundheit, die sich auf die Nutzung digitaler Technologien zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung konzentriert, wird eine Schlüsselrolle bei der Implementierung personalisierter Langlebigkeitsstrategien spielen. Reuters: Langlebigkeitsforschung beschleunigt durch KI Wikipedia: LanglebigkeitEthische und Gesellschaftliche Implikationen
Die wissenschaftlichen Fortschritte im Bereich der Langlebigkeitsforschung werfen tiefgreifende ethische und gesellschaftliche Fragen auf, die sorgfältig bedacht werden müssen. Wenn wir in der Lage sind, den menschlichen Alterungsprozess signifikant zu verlangsamen oder umzukehren, wird dies weitreichende Konsequenzen für unsere Gesellschaft haben. Eine der drängendsten Fragen ist die Gerechtigkeit. Werden diese fortgeschrittenen Therapien für alle zugänglich sein, oder werden sie nur einer privilegierten Elite vorbehalten bleiben? Wenn nur die Reichen und Mächtigen von einem verlängerten und gesunden Leben profitieren können, könnte dies zu einer noch größeren sozialen Kluft führen. Die demografische Struktur unserer Gesellschaft würde sich dramatisch verändern. Mit einer wachsenden Population von Menschen, die deutlich länger leben, müssten wir uns mit Fragen der Rentensysteme, des Arbeitsmarktes, der Gesundheitsversorgung und der sozialen Strukturen auseinandersetzen. Die Auswirkungen auf Familienstrukturen und zwischenmenschliche Beziehungen sind ebenfalls zu bedenken. Darüber hinaus stellt sich die Frage nach dem Sinn und Zweck eines extrem langen Lebens. Würden wir mit einem verlängerten Leben auch eine gesteigerte Lebensqualität und ein tieferes Gefühl der Erfüllung erfahren? Oder würde eine übermäßig lange Existenz zu Langeweile, Sinnverlust und psychischen Belastungen führen?Zugänglichkeit und soziale Gerechtigkeit
Die Entwicklung von Langlebigkeitstherapien birgt das Risiko, bestehende soziale Ungleichheiten zu verschärfen. Es ist unerlässlich, dass diese Technologien so gestaltet und reguliert werden, dass sie einer breiten Bevölkerungsschicht zugutekommen und nicht zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft führen.Auswirkungen auf Gesellschaft und Arbeitsmarkt
Eine signifikant längere Lebenserwartung würde tiefgreifende Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft nach sich ziehen. Rentensysteme müssten reformiert, Arbeitsmodelle flexibler gestaltet und das Konzept des Ruhestands neu definiert werden. Die soziale Dynamik und die Generationenbeziehungen würden sich ebenfalls wandeln.Die philosophische Dimension des langen Lebens
Abgesehen von den praktischen und ethischen Überlegungen gibt es auch eine tiefere philosophische Dimension. Was bedeutet es, ein extrem langes Leben zu führen? Welche Werte und Prioritäten würden sich in einer solchen Gesellschaft entwickeln? Diese Fragen erfordern eine breite gesellschaftliche Debatte und Reflexion.Was ist der Unterschied zwischen Langlebigkeit (Lifespan) und gesunder Lebensspanne (Healthspan)?
Die Langlebigkeit (Lifespan) bezieht sich auf die reine Dauer des Lebens, also die gesamte Lebenszeit eines Organismus. Die gesunde Lebensspanne (Healthspan) hingegen bezeichnet den Zeitraum, in dem eine Person gesund, aktiv und frei von schweren Krankheiten lebt. Das Ziel der modernen Altersforschung ist es primär, den Healthspan zu verlängern, damit Menschen länger ein qualitativ hochwertiges Leben führen können.
Sind Unsterblichkeit und extreme Langlebigkeit dasselbe?
Nein, Unsterblichkeit im wörtlichen Sinne bedeutet, nicht sterben zu können. Die aktuelle wissenschaftliche Forschung zielt auf die extreme Langlebigkeit ab, also eine signifikante Verlängerung der gesunden Lebensspanne durch die Verlangsamung oder teilweise Umkehrung altersbedingter Prozesse. Es geht nicht darum, den Tod vollständig zu vermeiden, sondern die Zeit, die wir leben, so gesund und erfüllend wie möglich zu gestalten.
Welche Rolle spielen Medikamente wie Metformin in der Langlebigkeitsforschung?
Metformin, ein Medikament zur Behandlung von Typ-2-Diabetes, hat in vielen Studien gezeigt, dass es das Risiko für verschiedene altersbedingte Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs senken kann. Es wird angenommen, dass Metformin positive Auswirkungen auf Stoffwechselwege hat, die mit Langlebigkeit assoziiert sind, wie z.B. die Aktivierung von AMPK und die Reduzierung von Entzündungen. Es wird derzeit in klinischen Studien, wie der TAME-Studie (Targeting Aging with Metformin), auf seine potenzielle Rolle bei der Verlängerung des menschlichen Healthspans untersucht.
Wie sicher sind die aktuellen experimentellen Therapien zur Verlängerung des Lebens?
Viele der fortgeschrittensten experimentellen Therapien, wie Genom-Editierung und zelluläre Reprogrammierung, befinden sich noch in einem sehr frühen Stadium der Forschung und Entwicklung. Während präklinische Studien vielversprechende Ergebnisse zeigen, gibt es noch erhebliche Sicherheitsbedenken und Herausforderungen hinsichtlich der Wirksamkeit und potenzieller Nebenwirkungen bei der Anwendung am Menschen. Klinische Studien sind unerlässlich, um die Sicherheit und Effektivität dieser Ansätze zu bewerten, bevor sie breit eingesetzt werden können.
