Innerhalb der nächsten zehn Jahre könnten rund 10 Milliarden Dollar an weltweiten Kryptowährungen durch den Aufstieg von Quantencomputern gefährdet sein, da diese in der Lage sind, heutige Verschlüsselungsmethoden zu brechen.
Quantenverschlüsselung: Die digitale Identität für das nächste Jahrzehnt sichern
Unsere digitale Welt basiert auf Vertrauen und Sicherheit. Jede Online-Transaktion, jede sensible Kommunikation, jeder Zugriff auf persönliche Daten – all dies wird durch komplexe Verschlüsselungsalgorithmen geschützt. Doch diese digitalen Schutzmauern, die wir seit Jahrzehnten nutzen, stehen vor einer existenziellen Bedrohung: dem Aufkommen von Quantencomputern. Diese neuen Rechnerarchitekturen versprechen eine exponentielle Steigerung der Rechenleistung und sind in der Lage, die mathematischen Probleme zu lösen, auf denen die heutige Kryptographie beruht. Für unsere digitale Identität, unsere Privatsphäre und die Sicherheit kritischer Infrastrukturen bedeutet dies eine dringende Notwendigkeit, neue Schutzmechanismen zu entwickeln. Hier kommt die Quantenverschlüsselung ins Spiel – eine revolutionäre Technologie, die das Potenzial hat, unsere digitale Sicherheit für das nächste Jahrzehnt und darüber hinaus zu gewährleisten.
Die Notwendigkeit, unsere digitale Identität zu schützen, war noch nie so groß. Mit der zunehmenden Vernetzung und der wachsenden Menge an sensiblen Daten, die online ausgetauscht werden, wird die Sicherheit unserer digitalen Fußabdrücke zu einer zentralen Herausforderung. Von Bankdaten über persönliche Gesundheitsinformationen bis hin zu Staatsgeheimnissen – all diese Informationen sind potenziellen Bedrohungen ausgesetzt. Die traditionellen Verschlüsselungsmethoden, die auf mathematischen Problemen wie der Faktorisierung großer Zahlen basieren, sind zwar seit langem erprobt und sicher, doch ihre Widerstandsfähigkeit gegen die rohe Rechenkraft zukünftiger Quantencomputer ist fraglich.
Die Bedrohung durch Quantencomputer: Ein Paradigmenwechsel
Quantencomputer stellen einen fundamentalen Unterschied zu klassischen Computern dar. Anstatt Bits zu verwenden, die entweder 0 oder 1 sind, nutzen Quantencomputer Qubits (Quantenbits). Qubits können dank des Prinzips der Superposition gleichzeitig mehrere Zustände annehmen. Dies ermöglicht es Quantencomputern, bestimmte Arten von Berechnungen exponentiell schneller durchzuführen als ihre klassischen Pendants. Ein bekanntes Beispiel ist Shors Algorithmus, der in der Lage ist, die Faktorisierung großer Zahlen in polynomialer Zeit zu lösen. Dies ist die Grundlage für viele asymmetrische Verschlüsselungsalgorithmen wie RSA, die heute weit verbreitet sind.
Die Auswirkungen dieser Bedrohung sind immens. Angreifer, die über ausreichend leistungsfähige Quantencomputer verfügen, könnten theoretisch die Verschlüsselung von E-Mails, verschlüsselten Verbindungen (wie TLS/SSL, das für HTTPS verwendet wird) und digitalen Signaturen brechen. Dies würde nicht nur die Vertraulichkeit von Daten gefährden, sondern auch die Integrität und Authentizität von digitalen Identitäten und Transaktionen untergraben. Die Bedrohung ist nicht rein theoretisch; Forscher arbeiten weltweit an der Entwicklung größerer und stabilerer Quantencomputer. Es ist eine Frage der Zeit, bis diese leistungsfähig genug sind, um die aktuelle Kryptographie zu gefährden.
Ein weiterer kritischer Aspekt ist das sogenannte "Harvest Now, Decrypt Later"-Szenario. Angreifer könnten heute bereits verschlüsselte Daten abfangen und speichern. Sobald leistungsfähige Quantencomputer verfügbar sind, könnten sie diese gespeicherten Daten entschlüsseln. Dies bedeutet, dass Daten, die heute als sicher gelten, in Zukunft kompromittiert werden könnten. Dies ist besonders besorgniserregend für langfristig sensible Daten, wie z.B. Regierungsgeheimnisse oder medizinische Aufzeichnungen.
Die Zeitachse der Bedrohung
Experten sind sich uneinig über den genauen Zeitpunkt, an dem leistungsfähige, fehlertolerante Quantencomputer die heutige Kryptographie bedrohen werden. Schätzungen reichen von einigen Jahren bis zu einem Jahrzehnt oder länger. Unabhängig von der genauen Zeitachse ist klar, dass die Vorbereitung auf diese Bedrohung jetzt beginnen muss. Der Übergang zu neuen, quantenresistenten Kryptographiestandards ist ein komplexer und langwieriger Prozess, der erhebliche Investitionen in Forschung, Entwicklung und Infrastruktur erfordert.
Ressourcen im Quanten-Zeitalter
Die Bedrohung durch Quantencomputer betrifft nicht nur die Verschlüsselung von Daten, sondern auch die digitale Signatur und die Integrität von digitalen Identitäten. Wenn ein Angreifer einen privaten Schlüssel mit einem Quantencomputer brechen kann, kann er sich als jemand anderes ausgeben, Transaktionen fälschen oder digitale Zertifikate ungültig machen. Dies hat weitreichende Konsequenzen für das Vertrauen in digitale Systeme.
Die Kosten für die Umstellung sind ebenfalls beträchtlich. Unternehmen und Regierungen müssen ihre gesamte IT-Infrastruktur überdenken und neue, quantenresistente Algorithmen implementieren. Dies erfordert nicht nur technologische Anpassungen, sondern auch Schulungen für IT-Personal und die Entwicklung neuer Sicherheitsrichtlinien. Die Investition in die Quantensicherheit ist daher eine strategische Notwendigkeit, um die digitale Souveränität und die wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten.
Grundlagen der Quantenkryptographie
Die Quantenkryptographie nutzt die Prinzipien der Quantenmechanik, um kryptographische Sicherheit zu gewährleisten. Im Gegensatz zur klassischen Kryptographie, die auf mathematischen Schwierigkeiten beruht, basiert die Quantenkryptographie auf physikalischen Gesetzen. Dies verspricht ein höheres Maß an Sicherheit, das theoretisch durch keine Rechenleistung der Welt gebrochen werden kann.
Zwei Hauptzweige der Quantenkryptographie sind von besonderem Interesse: Quantenschlüsselverteilung (QKD) und Post-Quanten-Kryptographie (PQC). Während QKD eine absolute Sicherheit für den Schlüsselaustausch verspricht, konzentriert sich PQC auf die Entwicklung klassischer Algorithmen, die resistent gegen Angriffe durch Quantencomputer sind.
Das Prinzip der Messung in der Quantenmechanik
Ein zentrales Konzept der Quantenkryptographie ist, dass die Messung eines Quantensystems dieses verändert. Wenn ein Angreifer versucht, einen Quantenzustand zu messen, um Informationen zu stehlen, wird dieser Zustand unweigerlich gestört. Diese Störung kann von den legitimen Nutzern erkannt werden, was den Versuch des Abfangens aufdeckt. Dieses Prinzip ist die Grundlage für die Sicherheit von QKD.
Ein weiteres wichtiges Quantenprinzip ist die Verschränkung (Entanglement). Zwei oder mehr Teilchen können so miteinander verbunden werden, dass sie einen gemeinsamen Zustand teilen, unabhängig von ihrer räumlichen Trennung. Messungen an einem Teilchen beeinflussen augenblicklich den Zustand des anderen. Dieses Phänomen wird ebenfalls in einigen fortgeschrittenen kryptographischen Protokollen erforscht.
Die Entwicklung der Quantenkryptographie ist noch im Gange, aber die Fortschritte sind rasant. Forschungseinrichtungen und Technologieunternehmen investieren massiv in die Erforschung und Entwicklung dieser vielversprechenden Technologien. Die breite Anwendung von quantensicheren Lösungen wird die Art und Weise, wie wir digitale Identitäten schützen, grundlegend verändern.
Quantenschlüsselverteilung (QKD): Die absolute Sicherheit
Quantenschlüsselverteilung (QKD) ist ein Verfahren, das die Gesetze der Quantenmechanik nutzt, um geheime kryptographische Schlüssel zwischen zwei Parteien über potenziell unsichere Kanäle zu verteilen. Der Clou dabei ist, dass jeder Versuch eines Angreifers, den während der Übertragung abgefangenen Schlüssel zu lesen, die Quantenzustände unweigerlich stört. Diese Störung wird von den legitimen Nutzern erkannt, wodurch ein Abhörversuch sofort aufgedeckt wird. Dies ermöglicht eine theoretisch unbrechbare Sicherheit für den Schlüsselaustausch.
Das bekannteste QKD-Protokoll ist BB84, entwickelt von Charles Bennett und Gilles Brassard im Jahr 1984. Es basiert auf der Übertragung von Photonen, die in verschiedenen Polarisationen kodiert sind. Alice sendet eine Sequenz von Photonen an Bob, wobei jede Polarisation einen Teil des Schlüssels repräsentiert. Bob misst die Polarisationen, aber er weiß nicht, ob Alice die richtige Basis für die Messung verwendet hat. Nach der Übertragung vergleichen Alice und Bob (öffentlich) die Basen, die sie verwendet haben. Nur die Messungen, bei denen die Basen übereinstimmen, werden für den endgültigen Schlüssel verwendet. Jeder Versuch, die Photonen auf dem Weg abzufangen und zu messen, würde die Polarisationen verändern und somit die Korrelation zwischen Alices und Bobs Ergebnissen reduzieren. Diese Reduktion der Korrelation weist auf eine mögliche Abhörung hin.
Wie QKD funktioniert: Ein vereinfachtes Beispiel
Stellen Sie sich vor, Alice möchte Bob einen geheimen Schlüssel senden. Sie verwendet Photonen, die sie in einer von zwei Basen polarisiert: eine rechteckige Basis (horizontal/vertikal) oder eine diagonale Basis (+45°/-45°). Für jeden Bitwert (0 oder 1) wählt Alice zufällig eine Basis und eine Polarisation.
Alice sendet diese polarisierten Photonen über einen Glasfaserkanal an Bob. Bob empfängt die Photonen, aber er weiß nicht, welche Basis Alice für jedes Photon gewählt hat. Er wählt daher für jedes Photon zufällig eine der beiden Basen, um es zu messen. Nachdem Bob alle Photonen empfangen hat, vergleichen Alice und Bob über einen öffentlichen Kanal, welche Basis sie für jedes Photon gewählt hatten. Sie verwerfen alle Messungen, bei denen ihre Basen nicht übereinstimmen. Die verbleibenden Messungen bilden den gemeinsamen, geheimen Schlüssel. Wenn ein Angreifer versucht, die Photonen auf dem Weg abzufangen und zu messen, muss er sich für eine Basis entscheiden. Dies führt unweigerlich zu Messfehlern, die von Alice und Bob erkannt werden können.
| Schritt | Aktion | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1 | Alice kodiert zufällig Bits in Photonenpolarisationen (z.B. 0 = horizontal, 1 = vertikal). | Photonen mit kodierter Information. |
| 2 | Alice wählt zufällig für jedes Photon eine Basis (rechteckig oder diagonal). | Polarisierte Photonen, die über den Kanal gesendet werden. |
| 3 | Bob empfängt die Photonen und misst deren Polarisationen, wobei er ebenfalls zufällig eine Basis wählt. | Gemessene Polarisationen. |
| 4 | Alice und Bob vergleichen öffentlich die von ihnen gewählten Basen. | Identifizierung von Übereinstimmungen und Nicht-Übereinstimmungen. |
| 5 | Nur die Messungen mit übereinstimmenden Basen werden für den geheimen Schlüssel verwendet. | Gemeinsamer, geheimer Schlüssel. |
| 6 | Alice und Bob prüfen auf Fehler, die auf eine Abhörung hindeuten könnten. | Bestätigung der Sicherheit oder Erkennung eines Angriffs. |
Praktische Herausforderungen und Anwendungsbereiche
Obwohl QKD theoretisch absolute Sicherheit bietet, gibt es in der Praxis Herausforderungen. Die Reichweite von QKD-Systemen ist derzeit begrenzt, da Quantensignale über lange Strecken stark gedämpft werden. Dies erfordert den Einsatz von Quantenrepeatern, deren Entwicklung noch in den Kinderschuhen steckt. Zudem sind QKD-Systeme anfälliger für physikalische Angriffe auf die Hardware als für kryptographische Angriffe.
Dennoch findet QKD bereits Anwendung in sicherheitskritischen Bereichen wie Regierungsnetzwerken, Finanzinstituten und militärischen Kommunikationssystemen. Die Europäische Union und andere Länder investieren stark in den Ausbau von QKD-Netzwerken, um die langfristige Sicherheit ihrer digitalen Infrastrukturen zu gewährleisten.
Post-Quanten-Kryptographie (PQC): Ein pragmatischer Ansatz
Während QKD eine absolute Sicherheit für den Schlüsselaustausch bietet, konzentriert sich die Post-Quanten-Kryptographie (PQC) auf die Entwicklung und Standardisierung von Algorithmen, die auch auf klassischen Computern laufen, aber quantenresistent sind. Das Ziel ist es, die bestehende digitale Infrastruktur mit einer neuen Generation von Verschlüsselungsalgorithmen zu schützen, die nicht von Quantencomputern gebrochen werden können.
PQC-Algorithmen basieren auf einer Vielzahl von mathematischen Problemen, die als schwierig für Quantencomputer gelten. Dazu gehören Probleme wie das Gitterproblem (Lattice-based cryptography), das Problem der multivariate Polynomgleichungen (Multivariate cryptography), das Hash-basierte kryptographische Verfahren (Hash-based cryptography) und das isogeniebasierte kryptographische Verfahren (Isogeny-based cryptography). Diese Ansätze bieten eine praktische Lösung, da sie keine spezielle Quantenhardware erfordern und in bestehende Systeme integriert werden können.
Die Standardisierung durch NIST und ihre Bedeutung
Das National Institute of Standards and Technology (NIST) in den USA spielt eine zentrale Rolle bei der Standardisierung von PQC-Algorithmen. Seit 2016 führt NIST einen Prozess zur Auswahl und Standardisierung von quantenresistenten kryptographischen Algorithmen durch. Im Juli 2022 kündigte NIST die ersten vier Algorithmen an, die standardisiert werden sollen: CRYSTALS-Kyber (für Schlüsselaustausch) und CRYSTALS-Dilithium, Falcon sowie SPHINCS+ (für digitale Signaturen).
Diese Standardisierung ist ein entscheidender Schritt für die breite Akzeptanz und Implementierung von PQC. Sie gibt Entwicklern und Unternehmen klare Richtlinien und Algorithmen an die Hand, auf die sie ihre Systeme umstellen können. Der Übergang zu PQC wird jedoch ein schrittweiser Prozess sein, der mehrere Jahre dauern wird, da bestehende Systeme und Protokolle angepasst und getestet werden müssen.
| Algorithmus-Familie | Basis-Problem | Anwendungsbereich | Status bei NIST |
|---|---|---|---|
| KEMs (Key Encapsulation Mechanisms) | Gitter (Lattices) | Sicherer Schlüsselaustausch | CRYSTALS-Kyber (Standardisierung) |
| Signaturen | Gitter (Lattices) | Digitale Signaturen | CRYSTALS-Dilithium, Falcon (Standardisierung) |
| Signaturen | Hash-basiert | Digitale Signaturen | SPHINCS+ (Standardisierung) |
| KEMs/Signaturen | Isogenien (Isogenies) | Schlüsselaustausch, Signaturen (alternativ) | In weiterer Prüfung |
| KEMs/Signaturen | Multivariate Polynome | Schlüsselaustausch, Signaturen (alternativ) | In weiterer Prüfung |
Vorteile und Nachteile von PQC
Der Hauptvorteil von PQC liegt in seiner Kompatibilität mit bestehender Hardware und Software. PQC-Algorithmen können auf herkömmlichen Computern ausgeführt werden, was die Implementierung im Vergleich zu QKD erheblich erleichtert. Sie sind zudem oft effizienter in Bezug auf die Leistung und die Größe der kryptographischen Schlüssel im Vergleich zu einigen QKD-Protokollen.
Ein Nachteil ist, dass die mathematischen Probleme, auf denen PQC basiert, neuartig sind. Ihre Sicherheit gegen zukünftige, noch unbekannte Angriffe (möglicherweise auch von fortgeschrittenen Quantenalgorithmen) ist noch nicht so umfassend erforscht wie die der klassischen Kryptographie. Zudem können einige PQC-Algorithmen größere Schlüssel und Signaturen erzeugen, was zu höheren Bandbreitenanforderungen führen kann.
Hybride Ansätze: Das Beste aus beiden Welten?
Ein vielversprechender Weg ist die Verwendung von hybriden Ansätzen. Dabei werden sowohl klassische als auch post-quantenresistente kryptographische Algorithmen parallel eingesetzt. Zum Beispiel könnte eine sichere Verbindung sowohl mit RSA (klassisch) als auch mit CRYSTALS-Kyber (PQC) verschlüsselt werden. Dies bedeutet, dass die Verbindung nur dann kompromittiert ist, wenn beide Algorithmen gleichzeitig gebrochen werden können. Solche hybriden Ansätze können als Brücke während des Übergangs dienen und bieten ein zusätzliches Sicherheitsniveau.
Diese Strategie ermöglicht es Unternehmen, sofort mit der Implementierung von PQC zu beginnen und gleichzeitig die Sicherheit ihrer aktuellen Systeme aufrechtzuerhalten. Langfristig wird die vollständige Umstellung auf reine PQC-Algorithmen oder QKD angestrebt, aber hybride Lösungen bieten eine realistische und sichere Übergangsphase.
Herausforderungen und Implementierung
Die Umstellung auf Quantenverschlüsselung ist kein triviales Unterfangen. Sie erfordert erhebliche Investitionen, technologische Anpassungen und ein tiefes Verständnis der neuen kryptographischen Prinzipien. Die größten Herausforderungen liegen in der Standardisierung, der Integration in bestehende Systeme und der Schulung von Fachkräften.
Die Standardisierung von PQC-Algorithmen durch Organisationen wie NIST ist ein entscheidender Schritt, aber der Prozess ist komplex und zeitaufwändig. Es müssen nicht nur Algorithmen ausgewählt werden, sondern auch ihre Leistung, Sicherheit und Kompatibilität mit verschiedenen Systemen bewertet werden. Sobald die Standards feststehen, beginnt die eigentliche Herausforderung der Implementierung.
Migration von bestehenden Systemen
Die schrittweise Migration von Milliarden von Geräten und Systemen, die auf der heutigen Kryptographie basieren, ist eine monumentale Aufgabe. Dies betrifft alles von Webservern und Smartphones über IoT-Geräte bis hin zu kritischen Infrastrukturen wie Stromnetzen und Kommunikationssystemen. Jede dieser Komponenten muss identifiziert, bewertet und gegebenenfalls aktualisiert oder ersetzt werden.
Der Prozess erfordert eine sorgfältige Planung, strenge Tests und ein inkrementelles Vorgehen. Unternehmen müssen eine Bestandsaufnahme ihrer kryptographischen Assets durchführen, Risiken bewerten und eine klare Migrationsstrategie entwickeln. Die Aktualisierung von Software und Hardware kann kostspielig und zeitaufwändig sein, aber die Alternative – die Gefährdung sensibler Daten – ist weitaus kostspieliger.
| Bereich | Schlüsselherausforderungen | Beispiele |
|---|---|---|
| Standardisierung | Auswahl robuster und effizienter Algorithmen, internationale Harmonisierung | NIST-Standardisierungsprozess, ISO-Standards |
| Integration | Anpassung von Protokollen (TLS, SSH), Hardware-Kompatibilität, Leistungsoptimierung | Aktualisierung von Webbrowsern, Betriebssystemen, Netzwerkhardware |
| Schulung & Wissen | Fehlendes Fachwissen, Ausbildung von IT-Sicherheitsexperten | Schaffung von Schulungsprogrammen, Universitätskurse in Quantenkryptographie |
| Kosten | Investitionen in neue Hardware, Software-Updates, Testverfahren | Ersatz veralteter Geräte, Lizenzkosten für neue Software |
| Langzeitarchivierung | Sicherung von Daten, die über lange Zeiträume geschützt werden müssen | Kryptographie für Archive, Langzeitdatenspeicherung |
Die Rolle von Quantencomputern als Werkzeug für die Sicherheit
Paradoxerweise könnten Quantencomputer auch eine Rolle bei der Verbesserung der Sicherheit spielen. Sie könnten beispielsweise zur Entwicklung und zum Testen neuer kryptographischer Algorithmen eingesetzt werden, um deren Widerstandsfähigkeit gegen Quantenangriffe zu überprüfen. Ebenso könnten sie in der Quantensimulation verwendet werden, um die komplexen Interaktionen von Quantensystemen besser zu verstehen und so neue Sicherheitsmechanismen zu entwickeln.
Die Entwicklung von Quantensimulatoren und -computern, die speziell für kryptographische Zwecke entwickelt wurden, könnte die Forschung und Entwicklung im Bereich der Quantensicherheit beschleunigen. Dies ist ein sich ständig weiterentwickelndes Feld, in dem die Grenzen des Möglichen ständig verschoben werden.
Der Weg zu quantensicherer digitaler Identität
Eine quantensichere digitale Identität bedeutet, dass alle Komponenten, die zur Identifizierung und Authentifizierung einer Person oder eines Geräts verwendet werden, quantenresistent sind. Dies umfasst digitale Zertifikate, biometrische Daten, Passwörter und die Kommunikationskanäle, über die diese Informationen ausgetauscht werden.
Die Implementierung quantensicherer digitaler Identitäten wird ein mehrstufiger Prozess sein. Zunächst werden wir eine Zunahme von hybriden Ansätzen sehen, bei denen bestehende Identitätsmanagementsysteme mit PQC-Algorithmen ergänzt werden. Langfristig werden wir voraussichtlich vollständig quantenresistente Identitätslösungen sehen, die die Sicherheit über das nächste Jahrzehnt hinaus gewährleisten.
Für Einzelpersonen bedeutet dies, dass sie sich auf strengere Authentifizierungsmechanismen und eine erhöhte Wachsamkeit im Umgang mit ihren digitalen Identitäten vorbereiten müssen. Die Entwicklung der Technologie wird auch neue Möglichkeiten für die Verwaltung und den Schutz digitaler Identitäten eröffnen.
Die Zukunft der digitalen Identität
Die Ära der Quantenverschlüsselung markiert einen Wendepunkt für die Sicherheit unserer digitalen Identitäten. Was heute als sicher gilt, wird morgen möglicherweise kompromittiert sein. Die proaktive Auseinandersetzung mit Quantenbedrohungen und die Implementierung quantenresistenter Lösungen sind daher unerlässlich.
Die Zukunft der digitalen Identität wird durch einen kontinuierlichen Wettlauf zwischen Angreifern und Verteidigern geprägt sein. Quantencomputer werden zweifellos die Landschaft der Kryptographie verändern, aber die Quantenverschlüsselung bietet die Werkzeuge, um diese Veränderungen zu meistern und eine sichere digitale Zukunft zu gewährleisten.
Die Vorteile einer quantensicheren digitalen Identität sind vielfältig: von der Wahrung der Privatsphäre über den Schutz kritischer Infrastrukturen bis hin zur Gewährleistung des Vertrauens in digitale Transaktionen. Investitionen in Forschung, Entwicklung und Implementierung von Quantenverschlüsselung sind daher nicht nur eine technische Notwendigkeit, sondern auch eine strategische Investition in die Sicherheit und Stabilität unserer digitalen Gesellschaft.
Es ist entscheidend, dass Regierungen, Unternehmen und Einzelpersonen die Bedeutung dieser technologischen Entwicklung erkennen und die notwendigen Schritte unternehmen, um sich auf die Quanten-Ära vorzubereiten. Die Zeit zu handeln ist jetzt, um sicherzustellen, dass unsere digitale Identität auch in den kommenden Jahrzehnten geschützt bleibt.
Die Zusammenarbeit zwischen akademischen Institutionen, Regierungsbehörden und der Privatwirtschaft wird der Schlüssel zur erfolgreichen Bewältigung dieser Herausforderung sein. Nur durch gemeinsame Anstrengungen können wir sicherstellen, dass die Fortschritte der Quantentechnologie zu unserem Vorteil und nicht zu unserem Nachteil genutzt werden.
Die digitale Identität ist mehr als nur ein Login und ein Passwort. Sie ist die Verkörperung unserer digitalen Existenz. Ihre Sicherheit zu gewährleisten, ist eine der wichtigsten Aufgaben des 21. Jahrhunderts. Die Quantenverschlüsselung ist dabei ein zentraler Baustein für eine sichere Zukunft.
