Die Neurowissenschaft der Gewohnheitsbildung: Ihr Gehirn meistern für dauerhafte Veränderungen
Jeder Mensch ist täglich Zeuge der Macht von Gewohnheiten. Schätzungen zufolge werden bis zu 45% unserer täglichen Aktivitäten von Gewohnheiten gesteuert, was ihre immense Bedeutung für unser Leben unterstreicht. Ob morgendlicher Kaffee, der Weg zur Arbeit oder die Reaktion auf Stress – Gewohnheiten sind das unsichtbare Gerüst unseres Alltags. Doch was passiert im Gehirn, wenn sich eine Gewohnheit verfestigt? Und wie können wir dieses Wissen nutzen, um unerwünschte Verhaltensmuster zu durchbrechen und positive Routinen zu etablieren, die Bestand haben? Dieser Artikel taucht tief in die faszinierende Welt der neurowissenschaftlichen Gewohnheitsbildung ein und beleuchtet, wie wir durch ein besseres Verständnis unseres Gehirns die Kontrolle über unser Verhalten zurückgewinnen können.Die unsichtbaren Architekten unseres Lebens
Gewohnheiten sind mehr als nur einfache Verhaltensweisen; sie sind automatisierte Reaktionsmuster, die unserem Gehirn helfen, Energie zu sparen. Indem wir repetitive Aktionen automatisieren, schafft das Gehirn neuronale Pfade, die weniger kognitive Ressourcen erfordern. Dies ist ein evolutionärer Vorteil, der uns ermöglicht, uns auf komplexere Aufgaben zu konzentrieren. Allerdings bedeutet diese Automatisierung auch, dass Gewohnheiten, einmal etabliert, schwer zu ändern sind.
Die Fähigkeit, Gewohnheiten zu ändern, ist keine Frage von Willenskraft allein, sondern vielmehr eine Frage des Verständnisses und der Anwendung neurowissenschaftlicher Prinzipien. In den folgenden Abschnitten werden wir die fundamentalen Mechanismen der Gewohnheitsbildung aufdecken, die Rolle von Neurotransmittern untersuchen und praktische Strategien entwickeln, um Ihr Gehirn gezielt für dauerhafte Veränderungen zu trainieren.
Die drei Säulen der Gewohnheit: Auslöser, Routine und Belohnung
Charles Duhigg, Autor von "Die Macht der Gewohnheit", popularisierte das Modell des "Gewohnheitsschleife" (Habit Loop), das aus drei Kernkomponenten besteht: dem Auslöser (Cue), der Routine (Routine) und der Belohnung (Reward).
Der Auslöser: Der Startschuss für das Verhalten
Der Auslöser ist ein Signal, das Ihr Gehirn dazu veranlasst, in den automatischen Modus zu wechseln und eine bestimmte Gewohnheit auszuführen. Auslöser können vielfältig sein: ein bestimmter Ort, eine Uhrzeit, eine Emotion, eine vorherige Handlung oder die Anwesenheit bestimmter Personen.
Beispiele für Auslöser:
- Ort: Das Betreten der Küche löst das Bedürfnis nach einem Snack aus.
- Zeit: 15 Uhr löst das Bedürfnis nach einer Zigarette aus.
- Emotion: Stress löst das Bedürfnis aus, zu Schokolade zu greifen.
- Andere Verhaltensweisen: Nach dem Zähneputzen greifen Sie automatisch zum Handy.
- Personen: Das Treffen mit bestimmten Freunden löst das Verlangen nach Alkohol aus.
Das Erkennen und Verstehen Ihrer persönlichen Auslöser ist der erste und vielleicht wichtigste Schritt, um Gewohnheiten zu ändern. Ohne einen klaren Auslöser wird die Routine nicht aktiviert.
Die Routine: Die automatisierte Handlung
Die Routine ist das eigentliche Verhalten, das als Reaktion auf den Auslöser ausgeführt wird. Dies kann eine physische Aktion sein, ein Gedanke oder eine emotionale Reaktion. Mit der Zeit wird die Routine so tief in unserem Gehirn verankert, dass sie fast unbewusst abläuft.
Die Routine ist der Teil der Gewohnheit, den wir am leichtesten wahrnehmen und den wir oft direkt ändern möchten. Doch der Schlüssel zur Veränderung liegt oft nicht in der Routine selbst, sondern im Verständnis des Auslösers und der Belohnung.
Die Belohnung: Das befriedigende Ergebnis
Die Belohnung ist das Gefühl der Zufriedenheit oder das Ergebnis, das die Ausführung der Routine hervorruft. Diese Belohnung ist entscheidend für die Stärkung der Gewohnheitsschleife. Sie sagt dem Gehirn: "Das war gut, das sollten wir wieder tun."
Belohnungen können sowohl physisch als auch psychologisch sein:
- Physisch: Der Geschmack von Kaffee, das Gefühl der Entspannung nach einer Zigarette.
- Psychologisch: Das Gefühl der Erleichterung von Stress, die soziale Akzeptanz, das Gefühl der Produktivität.
Das Gehirn sucht ständig nach Belohnungen, und Gewohnheiten sind eine effiziente Methode, diese zu erzielen. Wenn Sie eine unerwünschte Gewohnheit durch eine neue, bessere ersetzen möchten, muss die neue Routine eine ähnliche oder überlegene Belohnung liefern.
Neurobiologische Grundlagen: Wie das Gehirn Routinen speichert
Die Bildung und Aufrechterhaltung von Gewohnheiten sind eng mit spezifischen Hirnregionen und neuronalen Prozessen verbunden. Wenn wir eine neue Fähigkeit erlernen oder ein neues Verhalten wiederholen, verändern sich die Verbindungen in unserem Gehirn.
Die Rolle der Basalganglien
Die Basalganglien, eine Gruppe von Kernen im Inneren des Gehirns, spielen eine zentrale Rolle bei der Automatisierung von Verhaltensweisen. Sie sind dafür verantwortlich, wiederholte Handlungen in Routinen umzuwandeln, sodass sie ohne bewusstes Nachdenken ausgeführt werden können.
Wenn Sie eine neue Handlung üben, sind zunächst der präfrontale Kortex (zuständig für Planung und Entscheidungsfindung) und der Hippocampus (zuständig für Gedächtnisbildung) stark aktiv. Mit zunehmender Wiederholung verlagert sich die Aktivität jedoch allmählich zu den Basalganglien. Dies ist der Grund, warum Sie nicht mehr darüber nachdenken müssen, wie Sie Fahrrad fahren oder Auto fahren – diese Funktionen sind nun in den Basalganglien "gespeichert".
Neuronale Plastizität und Synaptische Verbindungen
Die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern und anzupassen, wird als neuronale Plastizität bezeichnet. Jedes Mal, wenn wir ein bestimmtes Verhalten ausführen, stärken sich die neuronalen Verbindungen zwischen den beteiligten Neuronen. Dieser Prozess wird als synaptische Verstärkung bezeichnet.
Stellen Sie sich neuronale Pfade wie Trampelpfade in einem Wald vor. Je öfter Sie einen bestimmten Pfad nutzen, desto klarer und breiter wird er. Ähnlich verhält es sich mit neuronalen Pfaden: Wiederholtes Ausführen einer Handlung stärkt die spezifischen Verbindungen, die diese Handlung ermöglichen, und macht sie immer leichter zugänglich.
Der Weg vom bewussten Handeln zur Automatisierung
Die Umwandlung einer bewussten Handlung in eine Gewohnheit ist ein Prozess, der Zeit und Wiederholung erfordert. Zunächst müssen wir uns bewusst entscheiden, etwas zu tun. Dann führen wir die Handlung aus und erleben die Belohnung. Wenn wir dies oft genug wiederholen, beginnt das Gehirn, die Handlung zu automatisieren.
Der Übergang von der bewussten Kontrolle zur automatischen Ausführung ist ein Zeichen dafür, dass eine Gewohnheit tief genug verankert ist. Dies erklärt, warum es so schwierig sein kann, eine etablierte Gewohnheit abzulegen – sie ist tief in den neuronalen Schaltkreisen unseres Gehirns verankert.
| Hirnregion | Funktion bei Gewohnheiten | Beispiel |
|---|---|---|
| Basalganglien | Automatisierung von Verhaltensweisen, Routinenerkennung | Das automatische Griff nach der Kaffeetasse am Morgen. |
| Präfrontaler Kortex | Planung, Entscheidungsfindung (in der Lernphase) | Das bewusste Entscheiden, eine neue Übung zu machen. |
| Hippocampus | Gedächtnisbildung (erster Schritte), Kontextualisierung | Erinnerung an die Zeit und den Ort, an dem eine neue Gewohnheit erlernt wurde. |
| Amygdala | Emotionale Verknüpfung, Motivation | Das Gefühl der Freude oder des Stresses, das mit einer Gewohnheit verbunden ist. |
Die Rolle von Dopamin und Belohnungsschleifen
Dopamin ist ein Neurotransmitter, der oft als "Glückshormon" bezeichnet wird, aber seine Rolle ist weitaus komplexer und entscheidender für die Motivations- und Belohnungssysteme unseres Gehirns. Es ist maßgeblich an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Gewohnheiten beteiligt.
Dopamin als Motivator, nicht als reine Belohnung
Früher nahm man an, dass Dopamin nur dann ausgeschüttet wird, wenn wir eine Belohnung erhalten. Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass Dopamin hauptsächlich dann freigesetzt wird, wenn wir eine Erwartung einer Belohnung haben, und dass es uns dazu motiviert, nach dieser Belohnung zu streben.
Wenn ein Auslöser eine Gewohnheit aktiviert, die zu einer Belohnung führt, schüttet das Gehirn Dopamin aus. Dieses Dopamin signalisiert dem Gehirn, dass die ausgeführte Handlung mit einer positiven Konsequenz verbunden ist. Mit der Zeit lernt das Gehirn, den Auslöser mit der Erwartung der Belohnung zu verknüpfen. Dies führt zu einem Verlangen (Craving), die Gewohnheit auszuführen, noch bevor die eigentliche Belohnung eingetreten ist.
Das Belohnungssystem des Gehirns
Das dopaminerge Belohnungssystem ist eine Reihe von neuronalen Pfaden, die für das Erleben von Vergnügen und Motivation verantwortlich sind. Wenn wir etwas tun, das als belohnend empfunden wird – sei es Essen, soziale Interaktion oder das Erreichen eines Ziels – werden diese Pfade aktiviert.
Dieses System ist evolutionär darauf ausgelegt, Verhaltensweisen zu fördern, die für unser Überleben und unsere Fortpflanzung wichtig sind. Leider ist es nicht wählerisch: Es reagiert genauso auf das Essen von Junkfood wie auf das Erreichen eines sportlichen Ziels. Das ist der Grund, warum süchtig machende Substanzen und Verhaltensweisen so stark sein können – sie kapern dieses mächtige Belohnungssystem.
Das Verständnis der Rolle von Dopamin ist entscheidend, um Gewohnheiten zu ändern. Wenn Sie eine neue Gewohnheit etablieren wollen, müssen Sie sicherstellen, dass sie mit einer klaren und erstrebenswerten Belohnung verbunden ist. Wenn Sie eine unerwünschte Gewohnheit ablegen wollen, müssen Sie entweder den Auslöser entfernen, die Routine durch etwas weniger Belohnendes ersetzen oder die erwartete Belohnung durch eine alternative, gesündere Aktivität befriedigen.
Strategien zur Veränderung unerwünschter Gewohnheiten
Das Durchbrechen von festgefahrenen Gewohnheiten erfordert mehr als nur guten Willen. Es bedarf einer strategischen Herangehensweise, die auf dem Verständnis der neurowissenschaftlichen Mechanismen basiert.
Identifizieren Sie den Auslöser und die Belohnung
Der erste Schritt ist, die Gewohnheitsschleife zu dekonstruieren. Führen Sie ein Tagebuch, um Muster zu erkennen. Wann tritt die unerwünschte Gewohnheit auf? Was ist passiert, kurz bevor? Was fühlen Sie danach? Das Erkennen des Auslösers und der damit verbundenen Belohnung ist der Schlüssel.
Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Oft ist die vermeintliche Belohnung nicht das, was wir wirklich brauchen. Rauchen mag das Gefühl der Entspannung vermitteln, aber die eigentliche Belohnung ist oft das Vermeiden von Entzugserscheinungen oder das soziale Ritual. Das Erkennen der tieferen Bedürfnisse hinter der Gewohnheit ist entscheidend.
Modifizieren Sie den Auslöser
Wenn Sie den Auslöser nicht vollständig vermeiden können, versuchen Sie, ihn zu verändern. Wenn Sie beispielsweise nach dem Abendessen immer zu Süßigkeiten greifen (Auslöser: Ende des Abendessens), könnten Sie versuchen, direkt nach dem Essen spazieren zu gehen oder sich mit einer anderen Aktivität abzulenken, die nicht mit dem Auslöser verbunden ist.
Eine sehr effektive Methode ist die "Umgebungsgestaltung". Wenn Sie beispielsweise mehr Wasser trinken möchten, stellen Sie Wasserflaschen an strategische Orte. Wenn Sie weniger Schrott essen möchten, räumen Sie ihn aus dem Haus. Machen Sie die gewünschte Gewohnheit einfach und die unerwünschte schwierig.
Ersetzen Sie die Routine durch eine gesündere Alternative
Das Ziel ist nicht unbedingt, die Gewohnheit komplett zu eliminieren, sondern die Routine durch etwas Besseres zu ersetzen, das dieselbe Belohnung befriedigt. Wenn Sie sich gestresst fühlen und zur Zigarette greifen (Routine), um sich zu entspannen, versuchen Sie stattdessen einige tiefe Atemübungen oder eine kurze Meditation.
Die neue Routine muss nicht perfekt sein, aber sie muss eine befriedigende Belohnung bieten. Experimentieren Sie, um herauszufinden, welche Alternativen für Sie am besten funktionieren.
Ändern Sie Ihre Erwartungen und die assoziierte Belohnung
Manchmal ist die eigentliche Belohnung nicht das Verhalten selbst, sondern die Erwartung der Belohnung. Wenn Sie feststellen, dass die Belohnung, die Sie von einer Gewohnheit erwarten, nicht wirklich eintritt oder unbefriedigend ist, können Sie Ihre Erwartungen neu kalibrieren.
Wenn Sie beispielsweise mehr Zeit mit Ihren Kindern verbringen möchten, aber immer wieder am Handy hängen bleiben, müssen Sie sich bewusst machen, dass die kurzfristige Dopamin-Belohnung des Handys auf Kosten der langfristigen Zufriedenheit mit Ihrer Familie geht. Fokussieren Sie auf die langfristige, tiefere Belohnung.
Geduld und Nachsicht mit sich selbst
Veränderungen brauchen Zeit. Rückschläge sind normal und kein Grund zur Aufgabe. Wichtig ist, dass Sie aus Fehlern lernen und den Prozess fortsetzen.
Die Macht der kleinen Schritte: Mikrogewohnheiten für maximalen Erfolg
Ein häufiger Grund für das Scheitern von Gewohnheitsveränderungen ist, dass wir zu große Ziele setzen. Die Idee, jeden Tag eine Stunde Sport zu treiben oder sofort eine komplett gesunde Ernährung zu implementieren, kann überwältigend wirken und zu Demotivation führen.
Das Prinzip der Mikrogewohnheiten
Mikrogewohnheiten sind winzige, extrem einfach auszuführende Handlungen, die als Ausgangspunkt für größere Gewohnheiten dienen. Die Idee stammt von BJ Fogg, einem Verhaltensforscher an der Stanford University, und besagt, dass man eine Gewohnheit so klein machen muss, dass sie fast unmöglich zu versagen ist.
Beispiele für Mikrogewohnheiten:
- Statt: "Jeden Tag 30 Minuten Sport treiben." -> Mikrogewohnheit: "Zwei Liegestütze machen."
- Statt: "Jeden Tag ein Buch lesen." -> Mikrogewohnheit: "Eine Seite lesen."
- Statt: "Gesunde Mahlzeiten kochen." -> Mikrogewohnheit: "Eine gesunde Zutat vorbereiten (z.B. Gemüse schneiden)."
Warum Mikrogewohnheiten funktionieren
Mikrogewohnheiten sind so effektiv, weil sie mehrere neurowissenschaftliche Prinzipien nutzen:
- Geringer Widerstand: Sie erfordern minimale Willenskraft, was es einfach macht, sie auszuführen, auch an Tagen, an denen man wenig Energie hat.
- Erfolgsgefühl: Jedes Mal, wenn Sie die Mikrogewohnheit ausführen, erleben Sie ein kleines Erfolgserlebnis. Dieses positive Gefühl stärkt die neuronale Verbindung und motiviert Sie, weiterzumachen.
- Aufbau von Momentum: Einmal begonnen, ist es oft einfacher, die ursprüngliche Aktivität fortzusetzen. Nach zwei Liegestützen könnten Sie sich entscheiden, noch zwei weitere zu machen. Nach einer gelesenen Seite könnten Sie Lust bekommen, weiterzulesen.
- Umgehung des Widerstands: Wenn das Gehirn keinen großen Widerstand wahrnimmt, ist es weniger wahrscheinlich, dass es sich dagegen sträubt.
Der Schlüssel zur Mikrogewohnheitsbildung ist die konsequente Ausführung. Es geht nicht darum, sofort große Fortschritte zu erzielen, sondern darum, die neuronale Basis für die gewünschte Gewohnheit zu legen. Wenn die Mikrogewohnheit etabliert ist, können Sie sie schrittweise erweitern. So wird aus einer kleinen Handlung eine solide Grundlage für dauerhafte Veränderung.
Denken Sie daran: Es ist besser, jeden Tag eine sehr kleine Gewohnheit konsequent auszuführen, als sich einmal große Ziele zu setzen und dann zu scheitern.
Aufbau neuer, positiver Gewohnheiten
Neben der Veränderung unerwünschter Gewohnheiten ist der Aufbau neuer, positiver Verhaltensweisen entscheidend für persönliches Wachstum und Wohlbefinden. Hier sind bewährte Strategien, um positive Gewohnheiten erfolgreich in Ihr Leben zu integrieren.
Definieren Sie klare und messbare Ziele
Was genau möchten Sie erreichen? Statt vage zu sagen "gesünder leben", formulieren Sie ein konkretes Ziel wie "Ich möchte dreimal pro Woche 30 Minuten spazieren gehen". Klarheit ist der erste Schritt zur Umsetzung.
Nutzen Sie die SMART-Kriterien: Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch, Terminiert. Wenn Ihr Ziel SMART ist, erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Sie es erreichen.
Verknüpfen Sie die neue Gewohnheit mit einer bestehenden (Habit Stacking)
Dies ist eine der mächtigsten Techniken, um neue Gewohnheiten zu etablieren. Suchen Sie eine bestehende, feste Gewohnheit in Ihrem Alltag und hängen Sie die neue Gewohnheit direkt daran an. Die Formel lautet: "Nachdem ich [bestehende Gewohnheit] erledigt habe, werde ich [neue Gewohnheit] machen."
Beispiele:
- "Nachdem ich meinen Morgenkaffee getrunken habe, werde ich meine zwei Liegestütze machen."
- "Nachdem ich mir die Zähne geputzt habe, werde ich meinen Morgenmantel für 15 Minuten anziehen, um zu lesen."
- "Nachdem ich meinen Laptop heruntergefahren habe, werde ich meine Sporttasche für den nächsten Tag packen."
Diese Technik nutzt die bereits bestehenden neuronalen Pfade und macht es dem Gehirn leichter, die neue Verknüpfung zu bilden.
Machen Sie die Gewohnheit attraktiv und belohnend
Wie bereits erwähnt, ist die Belohnung entscheidend. Finden Sie Wege, Ihre neue Gewohnheit intrinsisch oder extrinsisch zu belohnen.
Intrinsische Belohnungen sind die natürlichen positiven Gefühle, die aus der Ausführung der Gewohnheit resultieren (z.B. das Gefühl der Energie nach dem Sport). Extrinsische Belohnungen sind externe Anreize (z.B. sich selbst nach einer Woche konsequenter Ausführung etwas Gutes tun).
Kombinieren Sie die neue Gewohnheit mit etwas, das Ihnen bereits Freude bereitet. Hören Sie Ihren Lieblingspodcast nur während Ihrer Laufrunde. Genießen Sie eine Tasse Ihres Lieblingstees, während Sie ein Buch lesen.
Verfolgen Sie Ihren Fortschritt und feiern Sie Erfolge
Das Verfolgen Ihres Fortschritts ist nicht nur motivierend, sondern liefert auch wertvolle Daten über Ihre Konsistenz. Nutzen Sie Kalender, Apps oder einfache Häkchen-Listen.
Feiern Sie erreichte Meilensteine, sei es nach einem Tag, einer Woche oder einem Monat konsequenter Ausführung. Diese kleinen Feiern stärken die positive Verknüpfung und fördern die langfristige Motivation. Erinnern Sie sich an die Fortschritte, die Sie gemacht haben, um bei Rückschlägen motiviert zu bleiben.
Der Aufbau neuer Gewohnheiten ist ein Marathon, kein Sprint. Mit Geduld, Konsistenz und den richtigen Strategien können Sie Ihr Leben positiv und nachhaltig verändern.
Mentale Modelle und psychologische Ansätze
Neben den neurowissenschaftlichen Grundlagen spielen auch psychologische Prinzipien und mentale Modelle eine entscheidende Rolle bei der Meisterung von Gewohnheiten. Diese Ansätze helfen uns, unsere Denkweise zu verändern und Hürden zu überwinden.
Die Identitätsbasierte Gewohnheitsbildung
Statt sich auf das Ergebnis zu konzentrieren ("Ich will abnehmen"), konzentrieren Sie sich auf die Identität ("Ich bin eine Person, die sich um ihre Gesundheit kümmert"). Wenn Sie Ihre Gewohnheiten mit Ihrer gewünschten Identität in Einklang bringen, werden sie zu einem natürlichen Ausdruck dessen, wer Sie sind.
Fragen Sie sich: "Welche Art von Person möchte ich sein?" und "Welche Gewohnheiten hat diese Person?" Jede kleine Handlung, die Sie ausführen, ist eine Stimme für diese Identität. Wenn Sie beispielsweise eine gesunde Mahlzeit essen, stimmen Sie für die Identität "gesunde Person".
Das Konzept der Pre-Commitment
Pre-Commitment bedeutet, im Voraus Entscheidungen zu treffen, die zukünftige Versuchungen reduzieren. Dies ist ein mächtiges Werkzeug, um die Willenskraft zu schonen.
Beispiele:
- Finanziell: Melden Sie sich für einen Kurs an, den Sie nicht zurückgeben können.
- Umgebungsbedingt: Räumen Sie ungesunde Lebensmittel aus dem Haus, bevor Sie hungrig werden.
- Zeitlich: Planen Sie feste Zeiten für Ihre Gewohnheiten im Kalender ein und behandeln Sie diese wie wichtige Termine.
Durch Pre-Commitment nehmen Sie sich selbst die Entscheidung ab, wenn die Versuchung am größten ist.
Visualisierung und Affirmationen
Obwohl oft als "Soft Skills" abgetan, können Visualisierung und positive Affirmationen, wenn sie strategisch eingesetzt werden, die neuronale Aktivität beeinflussen und die Motivation steigern.
Visualisieren Sie sich, wie Sie die gewünschte Gewohnheit erfolgreich ausführen und die damit verbundenen positiven Gefühle erleben. Wiederholen Sie positive Aussagen, die Ihre gewünschte Identität und Ihre Fähigkeit zur Veränderung unterstreichen.
Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass mentale Übungen, ähnlich wie physische Übungen, die Fähigkeit des Gehirns verbessern können, bestimmte Aktionen auszuführen. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, wie stark unser Geist unsere physischen Fähigkeiten beeinflussen kann.
Die Rolle des Umfelds
Unser Umfeld hat einen enormen Einfluss auf unser Verhalten. Gestalten Sie Ihr Umfeld so, dass es Ihre gewünschten Gewohnheiten unterstützt und unerwünschte erschwert.
Dies kann bedeuten, sich mit unterstützenden Menschen zu umgeben, die ähnliche Ziele verfolgen, oder sich von Umgebungen fernzuhalten, die alte, unerwünschte Gewohnheiten triggern. Die Macht des sozialen Einflusses ist nicht zu unterschätzen.
Für weitere Einblicke in die Psychologie des Verhaltens und der Gewohnheiten, besuchen Sie die Webseiten von renommierten Forschungseinrichtungen oder verlässlichen Quellen wie der Wikipedia-Seite über Gewohnheiten oder Artikel von Organisationen wie Reuters, die oft Berichte über neurowissenschaftliche Studien veröffentlichen.
