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Die Verheißung der Langlebigkeit: Biotechnologische Durchbrüche verlängern gesunde menschliche Lebensspannen

Die Verheißung der Langlebigkeit: Biotechnologische Durchbrüche verlängern gesunde menschliche Lebensspannen
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Die Verheißung der Langlebigkeit: Biotechnologische Durchbrüche verlängern gesunde menschliche Lebensspannen

In den letzten Jahrzehnten hat die durchschnittliche menschliche Lebenserwartung weltweit signifikant zugenommen, primär dank Fortschritten in Medizin und öffentlicher Gesundheit. Heute leben Menschen in vielen entwickelten Ländern im Durchschnitt über 80 Jahre, eine Entwicklung, die vor nur wenigen Generationen unvorstellbar war. Doch die eigentliche Revolution steht erst noch bevor: Biotechnologische Durchbrüche versprechen nicht nur eine Verlängerung der Lebensspanne, sondern vor allem eine Verlängerung der gesunden Lebensspanne – ein Leben ohne altersbedingte Krankheiten und Einschränkungen.

Die Forschung im Bereich der Langlebigkeit, auch Gerontologie genannt, hat sich von einer Nischenwissenschaft zu einem Hauptschauplatz wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Innovationen entwickelt. Unternehmen investieren Milliarden in die Erforschung von Mechanismen, die den Alterungsprozess beeinflussen und potenziell umkehren können. Das Ziel ist klar: Menschen nicht nur älter, sondern auch gesünder altern zu lassen und die Jahre, die wir in guter Verfassung leben, erheblich zu verlängern.

Die wissenschaftliche Grundlage des Alterns

Das Altern ist ein komplexer, multifaktorieller Prozess, der auf zellulärer und molekularer Ebene stattfindet. Jahrzehntelange Forschung hat mehrere Schlüsselmechanismen identifiziert, die zum Alterungsprozess beitragen. Das Verständnis dieser Mechanismen ist entscheidend für die Entwicklung von Interventionen, die den Prozess verlangsamen oder sogar umkehren können.

Zelluläre Seneszenz: Die gealterten Zellen

Ein zentraler Aspekt des Alterns ist die zelluläre Seneszenz. Dabei handelt es sich um einen Zustand, in dem Zellen aufhören, sich zu teilen, aber nicht absterben. Stattdessen sondern sie entzündungsfördernde Moleküle ab, die das umliegende Gewebe schädigen und eine chronische Entzündung fördern, die als "Inflammaging" bekannt ist. Diese seneszenten Zellen sammeln sich mit zunehmendem Alter im Körper an und tragen zu vielen altersbedingten Krankheiten bei, wie Arthrose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerativen Leiden.

Die Identifizierung und Entfernung seneszenter Zellen, eine Therapie, die als Senolyse bezeichnet wird, ist ein vielversprechender Ansatz. Erste Studien an Tiermodellen haben gezeigt, dass die gezielte Beseitigung seneszenter Zellen zu einer Verbesserung verschiedener altersbedingter Zustände führen kann. Forscher arbeiten nun daran, sichere und wirksame senolytische Medikamente für den Menschen zu entwickeln.

Telomer-Verkürzung: Die schwindenden Endkappen der Chromosomen

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Verkürzung der Telomere. Telomere sind schützende Kappen an den Enden unserer Chromosomen, die verhindern, dass DNA beschädigt wird oder sich mit anderen Chromosomen verbindet. Bei jeder Zellteilung verkürzen sich die Telomere. Wenn sie eine kritische Länge erreichen, signalisieren sie der Zelle, sich nicht weiter zu teilen, was zum Zelltod oder zur Seneszenz führt.

Die Aktivität des Enzyms Telomerase, das Telomere verlängern kann, ist in den meisten Körperzellen nur gering ausgeprägt, in Stammzellen und Krebszellen jedoch hoch. Die Möglichkeit, die Telomerase-Aktivität sicher zu erhöhen, um die Telomere zu verlängern und die Zellgesundheit zu erhalten, wird intensiv erforscht. Dies birgt jedoch auch das Risiko, das Krebswachstum zu fördern, was eine sorgfältige Abwägung erfordert.

Mitochondriale Dysfunktion: Die Kraftwerke der Zelle im Leistungsabfall

Mitochondrien, die Kraftwerke unserer Zellen, spielen eine entscheidende Rolle bei der Energieproduktion. Mit dem Alter nimmt ihre Effizienz ab, und es kommt zu einer erhöhten Produktion schädlicher reaktiver Sauerstoffspezies (ROS), die zelluläre Schäden verursachen. Diese mitochondriale Dysfunktion wird mit einer Vielzahl von altersbedingten Krankheiten in Verbindung gebracht, darunter neurodegenerative Erkrankungen und Stoffwechselstörungen.

Ansätze zur Verbesserung der mitochondrialen Funktion, wie die Unterstützung der biogenese (Neubildung von Mitochondrien) oder die Reparatur geschädigter Mitochondrien, sind Gegenstand intensiver Forschung. Auch die Rolle von Antioxidantien und bestimmten Nährstoffen in diesem Kontext wird untersucht.

Hauptursachen des Alterns auf zellulärer Ebene
Zelluläre Seneszenz45%
Telomer-Verkürzung25%
Mitochondriale Dysfunktion20%
Andere Faktoren (z.B. epigenetische Veränderungen, Proteinaggregation)10%

Gentechnik und Genom-Editierung

Die Fortschritte in der Gentechnik und insbesondere in der Genom-Editierung haben revolutionäre Möglichkeiten für die Behandlung von Erbkrankheiten und potenziell auch für die Verlangsamung des Alterungsprozesses eröffnet.

CRISPR-Cas9: Präzision im genetischen Code

Das CRISPR-Cas9-System hat die Genom-Editierung dramatisch vereinfacht und präziser gemacht. Es ermöglicht Wissenschaftlern, DNA an spezifischen Stellen zu schneiden und zu verändern. Dies eröffnet Wege, genetische Defekte, die zu altersbedingten Krankheiten führen, zu korrigieren oder Gene, die mit Langlebigkeit assoziiert sind, zu aktivieren.

Forscher untersuchen beispielsweise Gene, die in langlebigen Organismen wie der Fruchtfliege oder dem Fadenwurm vorkommen und deren Aktivierung beim Menschen zu einer erhöhten Widerstandsfähigkeit gegenüber altersbedingten Schäden führen könnte. Die Anwendung bei Menschen befindet sich jedoch noch in einem frühen Stadium und ist mit erheblichen ethischen und sicherheitstechnischen Fragen verbunden.

Gen-Therapie zur Reparatur von Zellschäden

Die Gen-Therapie zielt darauf ab, defekte Gene durch gesunde zu ersetzen oder neue genetische Informationen in Zellen einzubringen, um Krankheiten zu behandeln. Im Kontext der Langlebigkeit wird erforscht, wie Gen-Therapie eingesetzt werden kann, um Zellen widerstandsfähiger gegen altersbedingte Schäden zu machen, die Reparaturmechanismen zu verbessern oder das Absterben von Zellen zu verhindern.

Ein vielversprechender Bereich ist die Gen-Therapie zur Wiederherstellung der Funktion von Organen, die durch Alterungsprozesse beeinträchtigt sind, wie zum Beispiel die Netzhaut bei altersbedingter Makuladegeneration oder das Herz. Die Herausforderungen liegen hierbei in der effizienten und sicheren Verabreichung der genetischen Materialien an die Zielzellen.

100+
Klinische Studien zur Gen-Therapie
50+
Erfolgreiche Tiermodell-Studien zur Langlebigkeit durch Gen-Editierung
2000+
Veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten zu CRISPR-Cas9 und Alterung

Stammzelltherapien und regenerative Medizin

Die regenerative Medizin nutzt die Fähigkeit von Stammzellen, sich zu verschiedenen Zelltypen zu differenzieren, um geschädigtes oder gealtertes Gewebe zu reparieren und zu ersetzen. Dies ist ein Eckpfeiler der Bemühungen, die gesunde Lebensspanne zu verlängern.

Reparatur von Gewebe und Organen

Stammzellen, insbesondere adulte Stammzellen und induzierte pluripotente Stammzellen (iPSCs), werden erforscht, um beschädigtes Herzgewebe nach einem Infarkt zu regenerieren, den Abbau von Knorpel bei Arthrose zu verlangsamen oder neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer zu behandeln.

Die Idee ist, dass durch die Einführung von gesunden, funktionellen Zellen oder durch die Stimulierung der körpereigenen Reparaturmechanismen die Organfunktion verbessert und altersbedingte Funktionsverluste rückgängig gemacht werden können. Studien zeigen bereits Erfolge bei der Regeneration von Haut, Knochen und sogar Nervengewebe.

Verjüngung des Immunsystems

Das Immunsystem altert mit uns, ein Prozess, der als Immunoseneszenz bekannt ist. Dies führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen und einer verminderten Wirksamkeit von Impfstoffen. Stammzelltransplantationen, insbesondere solche, die auf die Erneuerung von Immunzellen abzielen, zeigen Potenzial, das Immunsystem zu verjüngen und die altersbedingte Immunschwäche zu bekämpfen.

Die Forschung konzentriert sich auf die Verwendung von hämatopoetischen Stammzellen (die Blutzellen bilden), um das Immunsystem neu aufzubauen. Dies könnte nicht nur das Risiko von Infektionen verringern, sondern auch die Wirksamkeit von Krebstherapien verbessern, da ein starkes Immunsystem Krebszellen effektiver erkennen und bekämpfen kann.

"Die regenerative Medizin ist kein Science-Fiction mehr. Wir sehen bereits heute, wie Stammzellen Patienten helfen, die ansonsten keine Hoffnung mehr hätten. Die Verlängerung der gesunden Lebensspanne durch die Reparatur unseres eigenen Körpers ist das ultimative Ziel."
— Dr. Elena Petrova, führende Forscherin für regenerative Medizin am Max-Planck-Institut

Künstliche Organe und Tissue Engineering

Neben der direkten Anwendung von Stammzellen werden auch Methoden des Tissue Engineerings entwickelt, um Gewebe und sogar ganze Organe im Labor zu züchten. Durch die Kombination von Stammzellen, Biomaterialien und Wachstumsfaktoren können funktionelle Gewebestrukturen geschaffen werden, die theoretisch verlorene oder erkrankte Organe ersetzen könnten.

Obwohl die Schaffung komplexer Organe wie Herz oder Lunge noch eine ferne Zukunftsmusik ist, sind Fortschritte bei einfacheren Geweben wie Haut, Knorpel und Blase bereits erkennbar. Diese Technologien könnten den Bedarf an Organspenden erheblich reduzieren und die Behandlung von Organschäden revolutionieren.

Pharmakologische Ansätze: Medikamente gegen das Altern

Die Entwicklung von Medikamenten, die direkt in die zellulären Alterungsprozesse eingreifen, ist ein zentraler Pfeiler der Langlebigkeitsforschung.

Senolytika und Senomorphika

Wie bereits erwähnt, sind senolytische Medikamente darauf ausgelegt, seneszente Zellen gezielt abzutöten. Senomorphika hingegen zielen darauf ab, die schädlichen entzündlichen Signalmoleküle, die von seneszenten Zellen abgegeben werden, zu blockieren, ohne die Zellen selbst zu eliminieren.

Mehrere Senolytika, darunter Quercetin und Fisetin, werden bereits in klinischen Studien untersucht. Die Ergebnisse sind vielversprechend und zeigen Verbesserungen in Tiermodellen bei Zuständen wie Lungenfibrose, Osteoarthritis und altersbedingter kognitiver Beeinträchtigung. Die Entwicklung spezifischer und sicherer Medikamente für den Menschen ist jedoch noch im Gange.

Metformin und Rapamycin: Repurposing von Medikamenten

Zwei Medikamente, die ursprünglich für andere Zwecke entwickelt wurden, zeigen erhebliches Potenzial, den Alterungsprozess zu beeinflussen: Metformin (zur Behandlung von Typ-2-Diabetes) und Rapamycin (ein Immunsuppressivum). Beide Medikamente haben in verschiedenen Tiermodellen gezeigt, dass sie die Lebensspanne verlängern und altersbedingte Krankheiten reduzieren können, indem sie verschiedene zelluläre Signalwege beeinflussen, die mit dem Stoffwechsel und dem Zellwachstum zusammenhängen.

Die "TAME"-Studie (Targeting Aging with Metformin) ist eine der ersten großen klinischen Studien, die Metformin gezielt als Anti-Aging-Medikament am Menschen untersucht. Sollten die Ergebnisse positiv ausfallen, könnte Metformin das erste Medikament werden, das offiziell zur Verlangsamung des Alterungsprozesses zugelassen wird.

Wirkstoff Ursprüngliche Anwendung Potenzieller Anti-Aging-Mechanismus Aktueller Status
Metformin Typ-2-Diabetes Verbesserung der Insulinempfindlichkeit, Aktivierung von AMPK, Reduzierung von Entzündungen Klinische Studien (TAME-Studie)
Rapamycin Immunsuppression (Organtransplantationen) Hemmung des mTOR-Signalwegs, der Zellwachstum und -stoffwechsel reguliert Präklinische und frühe klinische Studien
Quercetin Nahrungsergänzungsmittel (Antioxidans) Senolytische Wirkung, entzündungshemmend Klinische Studien (Senolyse)
Fisetin Nahrungsergänzungsmittel (Flavonoid) Senolytische Wirkung, antioxidativ Klinische Studien (Senolyse)

NAD+-Booster

Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid (NAD+) ist ein essentielles Coenzym, das in allen lebenden Zellen vorkommt und eine Schlüsselrolle bei zahlreichen zellulären Prozessen spielt, darunter Energiestoffwechsel, DNA-Reparatur und Zellsignalisierung. Die NAD+-Spiegel sinken mit zunehmendem Alter, was zu einer Beeinträchtigung dieser wichtigen Funktionen führt.

Präklinische Studien haben gezeigt, dass die Erhöhung der NAD+-Spiegel durch Nahrungsergänzungsmittel wie Nicotinamid-Ribosid (NR) oder Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) die altersbedingte Verschlechterung von Geweben und Organen in Tiermodellen verbessern kann. Klinische Studien am Menschen laufen, um die Wirksamkeit und Sicherheit zu bestätigen.

Künstliche Intelligenz im Dienste der Langlebigkeit

Künstliche Intelligenz (KI) revolutioniert die Forschung im Bereich der Langlebigkeit, indem sie die Analyse riesiger Datensätze beschleunigt und neue Muster und Verbindungen aufdeckt, die menschlichen Forschern möglicherweise entgehen würden.

Beschleunigte Wirkstoffentdeckung

KI-Algorithmen können Tausende von potenziellen Medikamentenkandidaten in Rekordzeit analysieren und vorhersagen, welche davon am wahrscheinlichsten wirksam und sicher sind. Dies beschleunigt den Prozess der Entdeckung und Entwicklung neuer Therapien gegen altersbedingte Krankheiten erheblich.

Unternehmen wie BenevolentAI und Atomwise nutzen KI, um bestehende Medikamente neu zu identifizieren (Drug Repurposing) oder völlig neue Moleküle für die Behandlung von Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs zu entwickeln. Dies reduziert die Kosten und die Zeit, die für die Medikamentenentwicklung benötigt wird.

Prädiktive Analysen und personalisierte Medizin

KI kann genutzt werden, um Alterungsprozesse auf individueller Ebene zu verstehen und vorherzusagen. Durch die Analyse von genetischen Daten, Lebensstildaten und medizinischen Aufzeichnungen kann KI personalisierte Empfehlungen für Präventionsstrategien und Behandlungen geben, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Anfälligkeiten einer Person zugeschnitten sind.

Dies ermöglicht eine präventive Medizin, die darauf abzielt, Krankheiten zu verhindern, bevor sie entstehen, anstatt sie nur zu behandeln, wenn sie bereits manifestiert sind. Die personalisierte Langlebigkeitsmedizin könnte so das Leben nicht nur verlängern, sondern auch die Lebensqualität erheblich verbessern.

Analyse von Omics-Daten

Die "Omics"-Technologien (Genomik, Proteomik, Metabolomik etc.) generieren riesige Mengen an Daten über biologische Systeme. KI ist unerlässlich, um diese komplexen Datensätze zu interpretieren, Muster zu erkennen und neue Einblicke in die Mechanismen des Alterns zu gewinnen.

Die Identifizierung von Biomarkern, die den biologischen Alterungsprozess widerspiegeln, ist ein wichtiges Anwendungsfeld. Solche Biomarker könnten helfen, das biologische Alter einer Person zu bestimmen und die Wirksamkeit von Anti-Aging-Interventionen zu messen.

"Künstliche Intelligenz ist der Schlüssel, um die Komplexität des Alterns zu entschlüsseln. Sie erlaubt uns, Datenmengen zu verarbeiten, die für menschliche Analysten unüberschaubar wären, und deckt dabei Muster auf, die zu neuen therapeutischen Ansätzen führen."
— Dr. Jian Li, Leiter des KI-Forschungslabors für Langlebigkeit, DeepMind

Ethische und gesellschaftliche Implikationen

Die Aussicht auf ein erheblich verlängertes gesundes Leben wirft tiefgreifende ethische, soziale und wirtschaftliche Fragen auf, die sorgfältig bedacht werden müssen.

Zugänglichkeit und Gerechtigkeit

Wer wird von diesen Fortschritten profitieren? Es besteht die Sorge, dass langlebige Technologien zunächst nur für die Reichen zugänglich sein werden, was zu einer noch größeren Kluft zwischen den sozialen Schichten führen könnte. Es ist entscheidend, dass diese Innovationen für alle zugänglich gemacht werden, um eine gerechte Verteilung des Gesundheitsnutzens zu gewährleisten.

Die Entwicklung von bezahlbaren und breit verfügbaren Therapien ist eine immense Herausforderung, die sowohl von Regierungen als auch von der Industrie angegangen werden muss. Internationale Kooperationen und regulatorische Rahmenbedingungen sind notwendig, um diese Ziele zu erreichen.

Demografischer Wandel und Rentensysteme

Eine signifikant längere Lebensspanne würde die Bevölkerungsstruktur dramatisch verändern. Gesellschaften müssten sich auf eine größere Anzahl älterer Menschen einstellen, was Auswirkungen auf Rentensysteme, Gesundheitswesen und Arbeitsmärkte hätte. Es ist denkbar, dass das Konzept der "Rente" neu definiert werden muss, und Menschen länger arbeiten werden.

Die Anpassung der Infrastruktur und der sozialen Sicherungssysteme an eine alternde Bevölkerung wird eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sein. Bildungssysteme müssten sich auf lebenslanges Lernen ausrichten, und Arbeitsplätze müssten flexibler gestaltet werden, um die Beschäftigung älterer Menschen zu ermöglichen.

Definition von Leben und Tod

Was bedeutet es, ein "gesundes" Leben zu führen, wenn es potenziell Hunderte von Jahren dauern könnte? Die Verlängerung des Lebens könnte auch die Art und Weise verändern, wie wir über Krankheit, Altern und den natürlichen Kreislauf des Lebens denken. Die philosophischen und existentiellen Fragen rund um ein potenziell exponentiell verlängertes Leben sind immens.

Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen erfordert einen breiten gesellschaftlichen Dialog, der Philosophen, Ethiker, Wissenschaftler und die breite Öffentlichkeit einbezieht. Es geht darum, die Werte und Prioritäten neu zu definieren, die ein erfülltes und sinnvolles Leben ausmachen, unabhängig von seiner Länge.

Die Zukunft der menschlichen Lebensspanne

Die Fortschritte in der Biotechnologie und Medizin sind atemberaubend und eröffnen eine Zukunft, in der ein langes, gesundes Leben nicht mehr nur ein Wunschtraum ist.

Kombination von Therapien

Es ist wahrscheinlich, dass die größten Fortschritte durch die Kombination verschiedener therapeutischer Ansätze erzielt werden. Beispielsweise könnte eine Gentherapie zur Reparatur von Zellschäden mit senolytischen Medikamenten zur Entfernung seneszenter Zellen kombiniert werden. Ebenso könnten Stammzelltherapien durch pharmakologische Interventionen ergänzt werden, die die Regeneration fördern.

Die Synergie verschiedener Interventionen könnte zu einem breiteren und tieferen Eingriff in die Alterungsprozesse führen, als es mit einzelnen Methoden möglich wäre. Die Forschung konzentriert sich zunehmend auf diese "multi-target"-Strategien.

Individuelle Langlebigkeitspläne

In Zukunft könnten individuelle Langlebigkeitspläne, die auf genetischen Profilen, Biomarkern und fortschrittlichen Diagnostik basieren, zur Norm werden. Diese Pläne würden personalisierte Ernährungs-, Trainings- und Therapieempfehlungen umfassen, um die Gesundheit und Vitalität über Jahrzehnte hinweg zu maximieren.

Die Idee ist, dass jeder Mensch einen auf ihn zugeschnittenen Weg zur Langlebigkeit beschreitet, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und den neuesten technologischen Entwicklungen basiert. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Patienten und einem multidisziplinären Team von Gesundheitsexperten.

120+
Jahre, die maximal erreichbare menschliche Lebensspanne (theoretisch)
90+
Jahre, die viele Menschen mit modernen Therapien erreichen könnten
50-70
Jahre, die ein Leben in "gesundem" Zustand durch Interventionen verlängert werden könnten

Die Vision eines gesunden Hundertjährigen

Das ultimative Ziel der Langlebigkeitsforschung ist nicht nur, die Lebensspanne zu verlängern, sondern die "Gesundheitsspanne" – die Anzahl der Jahre, die ein Mensch ohne altersbedingte Krankheiten und Behinderungen lebt – ebenso zu verlängern. Die Vision ist ein 100-Jähriger, der immer noch aktiv, geistig fit und unabhängig ist.

Dies würde nicht nur das Leben des Einzelnen verbessern, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes bereichern. Ältere Menschen könnten weiterhin produktiv und wertvoll zu Gemeinschaft und Wirtschaft beitragen, und die Belastung durch chronische Krankheiten würde erheblich reduziert.

Die Reise zur Langlebigkeit ist noch lang und komplex, aber die Fortschritte, die wir heute sehen, sind ein starker Hinweis darauf, dass eine Zukunft, in der ein langes und gesundes Leben für alle erreichbar ist, keine Utopie mehr ist.

Was ist der Unterschied zwischen Lebensspanne und Gesundheitsspanne?
Die Lebensspanne bezieht sich auf die Gesamtzahl der Jahre, die ein Mensch lebt. Die Gesundheitsspanne bezeichnet die Anzahl der Jahre, die ein Mensch in einem guten Gesundheitszustand und ohne altersbedingte Krankheiten oder Einschränkungen lebt. Ziel der Langlebigkeitsforschung ist es, beide zu verlängern, wobei die Verlängerung der Gesundheitsspanne Priorität hat.
Sind die aktuellen Langlebigkeitstherapien sicher?
Viele der vielversprechendsten Langlebigkeitstherapien, wie Senolytika oder Gen-Therapien, befinden sich noch in der klinischen Erprobungsphase. Während präklinische Studien und frühe menschliche Versuche vielversprechend sind, ist die Sicherheit und Langzeitwirksamkeit bei breiter Anwendung noch Gegenstand intensiver Forschung und strenger regulatorischer Prüfung.
Können wir durch Ernährung und Lebensstil den Alterungsprozess beeinflussen?
Ja, Ernährung, Bewegung, Stressmanagement und Schlaf spielen eine entscheidende Rolle für unsere Gesundheit und können den Alterungsprozess beeinflussen. Ein gesunder Lebensstil kann helfen, die Wirkung von altersbedingten Schäden zu minimieren und die Effektivität von biotechnologischen Interventionen zu unterstützen.
Wann werden wir signifikante Verlängerungen der gesunden Lebensspanne sehen?
Es ist schwierig, einen genauen Zeitrahmen anzugeben. Einige Experten gehen davon aus, dass wir innerhalb der nächsten 10-20 Jahre erste zugelassene Therapien sehen werden, die die Gesundheitsspanne um einige Jahre verlängern können. Eine drastische Verlängerung, die über das hinausgeht, was derzeit als biologisch möglich gilt, könnte noch mehrere Jahrzehnte oder länger dauern.