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Die Revolution der Genetik: Eine neue Ära

Die Revolution der Genetik: Eine neue Ära
⏱ 20 min

Im Jahr 2023 wurden weltweit über 1.000 klinische Studien mit Gen-Therapien durchgeführt, was die immense und wachsende Bedeutung genetischer Interventionen unterstreicht.

Die Revolution der Genetik: Eine neue Ära

Wir stehen an der Schwelle einer neuen biologischen Revolution, deren Fundament in der präzisen Manipulation des genetischen Materials liegt. Die Fähigkeit, den Code des Lebens selbst zu lesen, zu verstehen und zu verändern, hat sich von der reinen Theorie zu einer greifbaren Realität entwickelt. Diese Fortschritte versprechen, Krankheiten, die bisher als unheilbar galten, zu besiegen, die menschliche Leistungsfähigkeit zu steigern und die natürlichen Ressourcen unseres Planeten auf revolutionäre Weise zu nutzen. Doch mit dieser immensen Macht wachsen auch die Verantwortlichkeiten und die Komplexität der ethischen und gesellschaftlichen Debatten, die sie unweigerlich mit sich bringt.

Die Genom-Editierung ist kein abstraktes Konzept mehr, das nur in futuristischen Romanen existiert. Sie ist eine aktive und sich schnell entwickelnde wissenschaftliche Disziplin, die bereits heute die Medizin, die Landwirtschaft und die Umweltwissenschaften umgestaltet. Die Grundlagen für diese Revolution wurden über Jahrzehnte durch die Entschlüsselung des menschlichen Genoms und das Verständnis der genetischen Mechanismen gelegt. Nun ermöglicht uns die Technologie, gezielt in diese Mechanismen einzugreifen, als ob wir einen Text bearbeiten könnten, indem wir einzelne Buchstaben oder ganze Sätze verändern.

Grundlagen der Genetik und Vererbung

Um die Tragweite der Genom-Editierung zu verstehen, ist ein grundlegendes Verständnis der Genetik unerlässlich. Jede Zelle unseres Körpers enthält eine vollständige Kopie unseres genetischen Materials, die DNA. Diese DNA ist in Chromosomen organisiert und besteht aus einer Abfolge von vier chemischen Basen: Adenin (A), Guanin (G), Cytosin (C) und Thymin (T). Diese Abfolge bildet die genetische Information, die Baupläne für Proteine liefert, welche wiederum die Funktionen unserer Zellen und unseres gesamten Organismus steuern.

Gene sind spezifische Abschnitte der DNA, die für die Herstellung eines bestimmten Proteins oder funktionellen Moleküls kodieren. Mutationen, also Veränderungen in der DNA-Sequenz, können zu Fehlfunktionen von Proteinen führen und sind die Ursache vieler Erbkrankheiten. Die Vererbung stellt sicher, dass diese genetischen Informationen von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden, was sowohl die Vielfalt innerhalb einer Spezies als auch die Kontinuität der biologischen Merkmale gewährleistet.

Von der Gentechnik zur Genom-Editierung

Die Geschichte der Gentechnik reicht Jahrzehnte zurück und umfasste das Einfügen fremder Gene in Organismen, oft mit dem Ziel, bestimmte Eigenschaften zu erwerben oder zu verbessern. Dies war jedoch ein eher grober Ansatz, der oft unvorhergesehene Effekte mit sich brachte. Die Genom-Editierung, insbesondere durch Technologien wie CRISPR-Cas9, stellt einen quantensprungartigen Fortschritt dar. Sie ermöglicht eine präzise, gezielte und relativ einfache Veränderung der DNA an vordefinierten Stellen. Dies ist vergleichbar mit dem Unterschied zwischen dem manuellen Umgraben eines Feldes und der Verwendung eines hochpräzisen Roboters zur exakten Platzierung einzelner Samen.

400.000+
Menschliche Erbkrankheiten, die potenziell behandelt werden könnten
2012
Publikation der bahnbrechenden CRISPR-Cas9-Arbeit
30+
Klinische Studien für Gen-Therapien in fortgeschrittenen Phasen

CRISPR-Cas9: Das Schweizer Taschenmesser der Genom-Editierung

Die Entdeckung und Entwicklung der CRISPR-Cas9-Technologie hat die Genom-Editierung revolutioniert und sie für eine breite Palette von Anwendungen zugänglich gemacht. Ursprünglich in Bakterien als adaptives Immunsystem entdeckt, wurde CRISPR-Cas9 schnell als mächtiges Werkzeug für die Genom-Editierung adaptiert.

Das System besteht im Wesentlichen aus zwei Hauptkomponenten: der Cas9-Nuklease (ein "molekulares Scheren") und einer kleinen RNA-Sequenz, der sogenannten guide RNA (gRNA). Die gRNA ist so konzipiert, dass sie an eine spezifische DNA-Sequenz bindet, die wir verändern möchten. Sobald die gRNA ihre Zielsequenz gefunden hat, bringt sie die Cas9-Nuklease dorthin, wo sie einen präzisen Schnitt in der DNA machen kann. Nach dem Schnitt versucht die Zelle, die Bruchstelle zu reparieren. Forscher können diesen Reparaturprozess nutzen, um entweder ein defektes Gen zu deaktivieren, ein fehlendes Gen einzufügen oder eine Korrektur vorzunehmen.

Wie CRISPR-Cas9 funktioniert

Der Prozess der Genom-Editierung mit CRISPR-Cas9 lässt sich in drei Hauptschritte unterteilen:

  1. Zielerkennung: Die guide RNA (gRNA), die vom Forscher entworfen wurde, ist komplementär zu der spezifischen DNA-Sequenz, die modifiziert werden soll. Sie leitet das CRISPR-System zu genau dieser Stelle im Genom.
  2. DNA-Schnitt: Sobald die gRNA an ihre Zielsequenz gebunden hat, bindet die Cas9-Nuklease ebenfalls an die DNA und schneidet beide Stränge an dieser präzisen Stelle.
  3. Reparatur und Modifikation: Die Zelle erkennt den DNA-Bruch und aktiviert ihre natürlichen Reparaturmechanismen. Forscher können diesen Prozess beeinflussen, indem sie entweder keine zusätzlichen genetischen Informationen bereitstellen (wodurch das Gen oft deaktiviert wird) oder indem sie eine gewünschte DNA-Sequenz zur Verfügung stellen, die dann in den Bruch eingefügt und somit "repariert" wird.

Vorteile und Einschränkungen von CRISPR-Cas9

Die Vorteile von CRISPR-Cas9 sind zahlreich. Es ist relativ einfach zu bedienen, kostengünstig und ermöglicht eine hohe Präzision im Vergleich zu früheren Genom-Editierungstechnologien. Dies hat die Forschung beschleunigt und den Weg für die klinische Anwendung geebnet. Dennoch gibt es auch Einschränkungen. Eines der Hauptprobleme sind "Off-Target"-Effekte, bei denen die Cas9-Nuklease unbeabsichtigt Schnitte an Stellen im Genom macht, die der Zielsequenz ähneln, aber nicht identisch sind. Dies kann zu unerwünschten Mutationen führen.

Zudem ist die Effizienz der Editierung nicht immer optimal und kann je nach Zelltyp und Zielsequenz variieren. Die Lieferung des CRISPR-Cas9-Systems in die Zielzellen ist ebenfalls eine Herausforderung, insbesondere für Anwendungen im gesamten Körper. Trotz dieser Herausforderungen werden ständig neue Varianten und verbesserte Methoden entwickelt, um die Präzision und Effizienz von CRISPR-Cas9 zu steigern.

"CRISPR-Cas9 hat die Genom-Editierung demokratisiert. Was früher nur spezialisierten Laboren vorbehalten war, ist heute prinzipiell für jeden zugänglich, der die nötigen Kenntnisse und Ressourcen hat. Das ist eine enorme Beschleunigung für die wissenschaftliche Entdeckung."
— Dr. Anya Sharma, führende Genomforscherin

Therapeutische Hoffnungsträger: Krankheiten auf molekularer Ebene bekämpfen

Die wohl vielversprechendste Anwendung der Genom-Editierung liegt in der Medizin. Die Möglichkeit, genetische Defekte zu korrigieren, die für eine Vielzahl von Krankheiten verantwortlich sind, eröffnet neue Wege zur Behandlung und potenziellen Heilung.

Ein Hauptziel sind Erbkrankheiten, die durch einzelne Genmutationen verursacht werden. Dazu gehören Mukoviszidose, Sichelzellenanämie, Huntington-Krankheit und Duchenne-Muskeldystrophie. Bei diesen Krankheiten führt eine spezifische Veränderung in der DNA zu einem defekten Protein oder einem Mangel daran, was schwerwiegende gesundheitliche Folgen hat. Gen-Editierung könnte diese defekten Gene korrigieren, die Produktion von funktionellen Proteinen wiederherstellen und somit die Krankheit im Idealfall heilen.

Behandlung von Erbkrankheiten

Die Ansätze zur Behandlung von Erbkrankheiten sind vielfältig. Eine Methode ist die "Ex-vivo"-Editierung, bei der Zellen des Patienten außerhalb des Körpers entnommen, genetisch modifiziert und dann wieder in den Patienten zurückgeführt werden. Dies wird beispielsweise bei der Sichelzellenanämie erforscht, wo Blutstammzellen eines Patienten so bearbeitet werden, dass sie Hämoglobin ohne die Sichelform produzieren.

Ein weiterer Ansatz ist die "In-vivo"-Editierung, bei der das Genom-Editierungs-Werkzeug direkt in den Körper des Patienten eingebracht wird, um die Zellen dort zu verändern. Dies ist komplexer, da die gezielte Lieferung zu den richtigen Organen und Zelltypen sichergestellt werden muss. Dennoch ist es für Krankheiten, bei denen Zellen nicht leicht entnommen werden können, oft die einzige Option.

Krebstherapien und Infektionskrankheiten

Über Erbkrankheiten hinaus bietet die Genom-Editierung auch Potenzial bei der Bekämpfung von Krebs und Infektionskrankheiten. Im Kampf gegen Krebs werden Immunzellen des Patienten (z.B. T-Zellen) gentechnisch so verändert, dass sie Krebszellen besser erkennen und zerstören können (CAR-T-Zelltherapie). Gen-Editierung kann diese CAR-T-Zellen noch effektiver machen und die Wahrscheinlichkeit von Rückfällen verringern.

Bei Infektionskrankheiten wie HIV wird erforscht, ob man Gene in Immunzellen verändern kann, um sie resistenter gegen eine Infektion zu machen. Es wird auch untersucht, ob Viren gezielt aus dem Genom von infizierten Zellen entfernt werden können.

Herausforderungen in der klinischen Anwendung

Trotz des enormen Potenzials gibt es bei der klinischen Anwendung noch erhebliche Herausforderungen. Die Sicherheit ist von größter Bedeutung. Off-Target-Effekte, die unbeabsichtigte Veränderungen im Genom verursachen, müssen minimiert werden. Langzeitstudien sind notwendig, um sicherzustellen, dass die genetischen Veränderungen stabil und ohne schädliche Nebenwirkungen bleiben.

Die ethischen und regulatorischen Hürden sind ebenfalls beträchtlich. Die Debatte über Keimbahntherapien, bei denen Veränderungen an Spermien, Eizellen oder Embryonen vorgenommen werden und somit an zukünftige Generationen weitergegeben werden, ist besonders kontrovers. In den meisten Ländern sind solche Eingriffe derzeit verboten.

Aktuelle Gen-Therapie-Entwicklungen (Auswahl)
Krankheit Genetischer Defekt Ansatz der Gen-Editierung Status der Forschung/Entwicklung
Sichelzellenanämie Mutation im HBB-Gen Ex-vivo Editierung von Stammzellen zur Korrektur des HBB-Gens Klinische Studien im fortgeschrittenen Stadium, Zulassung in einigen Ländern
Mukoviszidose Mutation im CFTR-Gen In-vivo oder Ex-vivo Editierung zur Wiederherstellung der CFTR-Funktion Präklinische und frühe klinische Studien
Duchenne-Muskeldystrophie Mutationen im DMD-Gen Exon-Skipping oder Korrektur von Punktmutationen Präklinische und frühe klinische Studien
Bestimmte Krebsarten (z.B. Leukämie) Genetische Veränderungen in Immunzellen CAR-T-Zelltherapie mit genetisch verbesserten T-Zellen Zugelassen für bestimmte Indikationen, ständige Weiterentwicklung

Ethische Minenfelder: Designerbabys und die Grenzen der Machbarkeit

Die Macht, die genetische Veranlagung eines Menschen zu verändern, wirft tiefgreifende ethische Fragen auf, die weit über die medizinische Anwendung hinausgehen. Die Vorstellung, dass Eltern die genetischen Merkmale ihrer Kinder nach Belieben auswählen oder verbessern könnten, hat zu lebhaften Debatten über "Designerbabys" und die Grenzen der menschlichen Intervention geführt.

Die Möglichkeit, nicht nur Krankheiten zu verhindern, sondern auch Eigenschaften wie Intelligenz, sportliche Fähigkeiten oder Aussehen zu beeinflussen, wirft die Frage auf, wo die Grenze zwischen Therapie und Enhancement (Verbesserung) gezogen werden soll. Wer entscheidet, welche Eigenschaften "verbesserungswürdig" sind? Und was sind die sozialen Konsequenzen, wenn solche Technologien nur einer privilegierten Schicht zugänglich sind?

Keimbahntherapie vs. Somatische Gentherapie

Es ist entscheidend, zwischen somatischer Gentherapie und Keimbahntherapie zu unterscheiden. Bei der somatischen Gentherapie werden genetische Veränderungen an Körperzellen vorgenommen, die nicht vererbt werden. Dies ist der Fokus der meisten aktuellen therapeutischen Ansätze. Die Keimbahntherapie hingegen zielt auf Zellen ab, die an die Fortpflanzung beteiligt sind (Spermien, Eizellen, frühe Embryonen). Veränderungen, die hier vorgenommen werden, würden an alle nachfolgenden Generationen weitergegeben.

Die Keimbahntherapie birgt das größte ethische Risiko. Einerseits könnte sie theoretisch das Aussterben von Erbkrankheiten ermöglichen. Andererseits sind die potenziellen Konsequenzen unbeabsichtigter genetischer Veränderungen auf zukünftige Generationen unkalkulierbar. Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist sich weitgehend einig, dass Keimbahntherapien derzeit mit äußerster Vorsicht zu behandeln sind und eine breite gesellschaftliche Debatte sowie strenge regulatorische Rahmenbedingungen erfordern, bevor sie überhaupt in Erwägung gezogen werden könnten.

"Wir müssen uns der Verantwortung bewusst sein, die mit der Fähigkeit einhergeht, den genetischen Code zu verändern. Es geht nicht nur um wissenschaftliche Machbarkeit, sondern um die Auswirkungen auf unsere Menschlichkeit, unsere Gesellschaft und unsere Zukunft."
— Prof. Dr. Evelyn Reed, Bioethikerin

Gerechtigkeit und Zugänglichkeit

Ein weiteres zentrales ethisches Dilemma betrifft die Gerechtigkeit und Zugänglichkeit. Genom-Editierungs-Therapien sind derzeit extrem teuer und komplex, was sie für die meisten Menschen unerschwinglich macht. Dies könnte zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft führen, in der nur die Reichen Zugang zu lebensrettenden und leistungssteigernden genetischen Behandlungen haben. Die Schaffung eines gerechten Zugangs zu diesen Technologien ist eine immense Herausforderung, die sowohl von Regierungen als auch von der Industrie angegangen werden muss.

Die Gefahr der Eugenik, also der selektiven Züchtung von Menschen mit bestimmten erwünschten Merkmalen, ist ebenfalls ein wiederkehrendes Thema. Historisch gesehen hat Eugenik zu Diskriminierung und Gräueltaten geführt. Die technologischen Möglichkeiten der Genom-Editierung könnten diese Gefahr in einem neuen, potenziell noch heimtückischeren Gewand wiederaufleben lassen, wenn sie nicht streng überwacht und reguliert werden.

Wahrgenommene Risiken der Genom-Editierung (Umfrage-Ergebnisse)
Unbeabsichtigte Nebenwirkungen65%
Ethische Bedenken (Designerbabys)58%
Soziale Ungleichheit/Zugang45%
Unkontrollierbare Verbreitung von Veränderungen30%

Landwirtschaft und Umweltschutz: Nachhaltige Lösungen durch Gen-Editierung

Die Anwendungsbereiche der Genom-Editierung beschränken sich nicht nur auf den Menschen. Auch in der Landwirtschaft und im Umweltschutz birgt die Technologie ein enormes Potenzial, um Herausforderungen wie Klimawandel, Nahrungsmittelsicherheit und nachhaltige Ressourcennutzung anzugehen.

In der Landwirtschaft können Pflanzen durch Gen-Editierung widerstandsfähiger gegen Schädlinge, Krankheiten und extreme Wetterbedingungen gemacht werden. Dies könnte den Bedarf an Pestiziden und Herbiziden reduzieren und die Ernteerträge steigern, was angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung von entscheidender Bedeutung ist. Auch die Nährstoffeffizienz von Pflanzen kann verbessert werden, was den Bedarf an Düngemitteln verringert und somit die Umweltbelastung reduziert.

Verbesserte Nutzpflanzen und Nutztiere

Durch präzise Genom-Editierung können Merkmale wie Trockenresistenz, Salzverträglichkeit oder erhöhte Vitamininhalte in Nutzpflanzen eingebracht werden. Dies ist besonders relevant in Regionen, die von Dürre oder Bodendegradation betroffen sind. Beispielsweise wird an Reisvarianten geforscht, die höhere Mengen an Vitamin A produzieren, um Vitamin-A-Mangel in Entwicklungsländern zu bekämpfen.

Auch bei Nutztieren gibt es vielversprechende Ansätze. Man kann beispielsweise Tiere züchten, die resistenter gegen Krankheiten sind, was den Einsatz von Antibiotika reduzieren und das Tierwohl verbessern kann. Oder man kann Tiere züchten, die effizienter Futter verwerten oder weniger Treibhausgase produzieren. Diese Entwicklungen könnten helfen, die Effizienz und Nachhaltigkeit der globalen Lebensmittelproduktion zu steigern.

Umweltschutz und Biodiversität

Im Umweltschutz kann Genom-Editierung dazu beitragen, bedrohte Arten zu erhalten oder invasive Arten zu bekämpfen. Beispielsweise könnten Korallenriffe, die durch die Erwärmung der Ozeane stark gefährdet sind, durch genetisch modifizierte Korallen, die resistenter gegen höhere Temperaturen sind, wiederbelebt werden. Oder man könnte Gene in bestimmte Insekten einbringen, um deren Fortpflanzungsfähigkeit zu steuern und so invasive Arten zu kontrollieren, die Ökosysteme bedrohen.

Ein weiteres spannendes Feld ist die Entwicklung von Mikroorganismen, die Schadstoffe abbauen oder zur Produktion von Biokraftstoffen oder nachhaltigen Materialien eingesetzt werden können. Diese "biologischen Werkzeuge" könnten helfen, Umweltverschmutzung zu bekämpfen und neue Wege für eine biobasierte Wirtschaft zu eröffnen.

Regulierung und öffentliche Akzeptanz

Obwohl die Vorteile in der Landwirtschaft und im Umweltschutz offensichtlich sind, stoßen geneditierte Organismen, insbesondere Pflanzen, auf eine gemischte öffentliche Akzeptanz. Viele Verbraucher sind besorgt über die potenziellen langfristigen Auswirkungen und bevorzugen traditionelle oder biologische Anbaumethoden. Die Regulierung geneditierter Produkte variiert stark zwischen den Ländern, was den globalen Handel und die Forschung erschwert.

Eine offene und transparente Kommunikation über die Vorteile, Risiken und regulatorischen Prozesse ist entscheidend, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zu gewinnen und die Akzeptanz für diese vielversprechenden Technologien zu fördern. Der Fokus sollte auf der Schaffung von Technologien liegen, die sowohl die Umwelt schützen als auch die menschliche Lebensqualität verbessern.

Reuters: Gene editing companies eye new era of treatments after CRISPR Nobel

Wikipedia: Genom-Editierung

Die Zukunft gestalten: Ausblick und Herausforderungen

Die Reise der Genom-Editierung hat gerade erst begonnen, und die Geschwindigkeit, mit der sich dieses Feld entwickelt, ist atemberaubend. Was heute noch wie Science-Fiction klingt, könnte morgen Realität sein. Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, wie wir diese mächtige Technologie gestalten und nutzen.

Die wissenschaftliche Forschung wird zweifellos weiterhin die Grenzen des Möglichen verschieben. Neue und noch präzisere Editierungs-Werkzeuge werden entwickelt, die Effizienz wird verbessert und die Anwendungsbereiche werden sich erweitern. Die Herausforderung wird darin bestehen, diesen wissenschaftlichen Fortschritt mit einer verantwortungsvollen ethischen und gesellschaftlichen Rahmensetzung zu verbinden.

Technologische Weiterentwicklungen

Wir können davon ausgehen, dass die Genom-Editierungs-Werkzeuge noch ausgefeilter werden. Neben CRISPR-Cas9 gibt es bereits andere Systeme wie BASE Editing und Prime Editing, die noch präzisere Veränderungen ermöglichen und das Risiko von Off-Target-Effekten weiter reduzieren könnten. Die Entwicklung von effizienteren und sichereren Methoden zur Lieferung dieser Werkzeuge in menschliche Zellen oder ganze Organismen ist ein weiterer wichtiger Forschungsbereich.

Auch die Fähigkeit, die Auswirkungen von Genom-Editierungen auf zellulärer und organismischer Ebene besser zu verstehen und vorherzusagen, wird sich verbessern. Dies wird durch Fortschritte in der Bioinformatik, künstlichen Intelligenz und der Hochdurchsatz-Analytik vorangetrieben. Die Schaffung detaillierter genetischer Karten und die Simulation komplexer genetischer Interaktionen werden es uns ermöglichen, die Konsequenzen von Eingriffen besser abzuschätzen.

Regulatorische und gesellschaftliche Debatten

Die regulatorischen Rahmenbedingungen werden sich weiterentwickeln müssen, um mit dem rasanten technologischen Fortschritt Schritt zu halten. Die internationale Zusammenarbeit bei der Festlegung von Standards und Richtlinien wird von entscheidender Bedeutung sein, um globale Risiken zu minimieren und einen fairen Zugang zu ermöglichen. Die Debatten über Keimbahntherapien und Enhancement werden weitergehen und erfordern eine breite gesellschaftliche Beteiligung.

Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit informiert und eingebunden wird. Wissenschaftler, Politiker und Ethiker müssen einen Dialog führen, der auf Fakten basiert und die verschiedenen Perspektiven berücksichtigt. Nur so können wir sicherstellen, dass die Genom-Editierung zum Wohle der Menschheit und des Planeten eingesetzt wird.

10+
Neue Genom-Editierungs-Technologien in der Entwicklung
80%
Der Weltbevölkerung könnten durch verbesserte Landwirtschaftsverfahren ernährt werden
10 Jahre
Ungefähre Zeitspanne für die breite klinische Anwendung vieler Gen-Therapien
Was ist der Unterschied zwischen Genom-Editierung und Gentechnik?
Die traditionelle Gentechnik fügt oft ganze Gene von einem Organismus in einen anderen ein, manchmal an zufälligen Stellen. Genom-Editierung, insbesondere mit CRISPR-Cas9, ermöglicht es, gezielte, präzise Änderungen an spezifischen Stellen im Genom vorzunehmen, ähnlich wie beim Bearbeiten eines Textes.
Sind Genom-Editierungen sicher?
Die Sicherheit ist ein zentrales Anliegen. Während die Technologien immer präziser werden, besteht immer noch das Risiko von unbeabsichtigten Veränderungen an anderen Stellen im Genom (Off-Target-Effekte). Umfangreiche Forschung und klinische Studien sind notwendig, um die Langzeitsicherheit zu gewährleisten.
Was sind "Designerbabys" und warum sind sie umstritten?
"Designerbabys" sind Kinder, deren genetische Merkmale (z.B. Intelligenz, Aussehen, sportliche Fähigkeiten) gezielt durch Genom-Editierung beeinflusst wurden, um ihnen bestimmte Vorteile zu verschaffen. Dies ist umstritten, weil es ethische Fragen aufwirft wie die nach der Gerechtigkeit, dem Potenzial für Eugenik und den unbekannten Langzeitfolgen für den Einzelnen und die Gesellschaft.
Wird Genom-Editierung in Zukunft Krankheiten vollständig heilen können?
Es gibt großes Potenzial, viele genetisch bedingte Krankheiten zu behandeln oder sogar zu heilen, indem defekte Gene korrigiert werden. Die vollständige Heilung wird jedoch von der spezifischen Krankheit, der Möglichkeit der gezielten Genom-Editierung und der effektiven Lieferung der Technologie in die betroffenen Zellen abhängen. Nicht alle Krankheiten haben eine rein genetische Ursache.