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Fusion Energie: Das Versprechen unendlicher sauberer Energie

Fusion Energie: Das Versprechen unendlicher sauberer Energie
⏱ 25 min

Im Jahr 2023 erreichte die weltweite Investition in die Fusionsenergie, einst als wissenschaftliche Fantasie abgetan, laut Branchenberichten über 5 Milliarden US-Dollar, ein deutliches Zeichen für das wachsende Vertrauen in ihr Potenzial als nahezu unerschöpfliche und emissionsfreie Energiequelle für die Zukunft.

Fusion Energie: Das Versprechen unendlicher sauberer Energie

Die Vision einer Zukunft, die von nahezu unerschöpflicher, sauberer und sicherer Energie angetrieben wird, rückt mit den rasanten Fortschritten in der Fusionsforschung näher. Fusionsenergie, der Prozess, der die Sonne und die Sterne mit Leben erfüllt, birgt das Potenzial, die globale Energiekrise zu lösen und den Klimawandel entscheidend zu bekämpfen. Anstatt Energie durch die Spaltung schwerer Atomkerne (Kernspaltung) zu gewinnen, wie es bei heutigen Kernkraftwerken der Fall ist, nutzt die Kernfusion die Verschmelzung leichter Atomkerne, typischerweise Wasserstoffisotope wie Deuterium und Tritium, zu schwereren Kernen wie Helium. Dieser Prozess setzt gewaltige Energiemengen frei, und das mit einer Reihe von inhärenten Vorteilen gegenüber der Kernspaltung.

Die primären Brennstoffe für die Fusionsenergie – Deuterium – ist in Wasser allgegenwärtig und praktisch unerschöpflich. Tritium, obwohl seltener und radioaktiv, kann in zukünftigen Fusionsreaktoren aus Lithium erbrütet werden, einem ebenfalls weit verbreiteten Element. Dies bedeutet, dass die Brennstoffreserven für die Fusionsenergie über Millionen von Jahren ausreichen würden, eine beispiellose Ressource für zukünftige Generationen.

Darüber hinaus sind die Sicherheitsaspekte der Fusionsenergie revolutionär. Anders als bei der Kernspaltung, bei der eine Kettenreaktion gesteuert werden muss und die Gefahr einer Kernschmelze besteht, ist die Fusion ein von Natur aus sicherer Prozess. Wenn die Bedingungen – extrem hohe Temperaturen und Drücke – auch nur geringfügig gestört werden, stoppt die Reaktion sofort. Es gibt keine Möglichkeit einer unkontrollierten Kettenreaktion oder eines schweren Unfalls. Die entstehenden radioaktiven Abfälle sind zudem von wesentlich geringerer Halbwertszeit und Aktivität als die bei der Kernspaltung anfallenden Abfälle, was die Endlagerung erheblich vereinfacht.

Die ökologische Dimension: Ein Segen für den Planeten

Die ökologischen Vorteile der Fusionsenergie sind immens. Im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen, die große Mengen an Treibhausgasen emittieren und zum Klimawandel beitragen, erzeugt die Fusionsreaktion selbst keine Treibhausgase. Der Prozess setzt lediglich Helium frei, ein inertes und ungefährliches Edelgas. Dies macht die Fusionsenergie zu einem idealen Kandidaten für eine kohlenstofffreie Energiezukunft und zur Bekämpfung der globalen Erwärmung.

Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, die oft aus politisch instabilen Regionen stammen, würde mit der breiten Verfügbarkeit von Fusionsenergie stark reduziert werden. Dies könnte zu größerer geopolitischer Stabilität und Energiesicherheit für viele Nationen weltweit führen. Die Aussicht auf eine saubere, sichere und praktisch unerschöpfliche Energiequelle ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch eine Hoffnung für eine nachhaltigere und friedlichere Welt.

Die Wissenschaft hinter der Fusion: Sonne auf der Erde

Das Grundprinzip der Kernfusion ist die Überwindung der elektrostatischen Abstoßung zwischen den positiv geladenen Atomkernen. Diese Kerne müssen mit extremer Geschwindigkeit aufeinanderprallen, damit sie sich nahe genug kommen, um durch die starke Kernkraft, die auf sehr kurze Distanzen wirkt, miteinander verbunden zu werden. Dieser Prozess findet auf der Sonne und in anderen Sternen unter Bedingungen statt, die wir auf der Erde nur schwer nachbilden können: Temperaturen von Millionen von Grad Celsius und immense Drücke.

Auf der Erde werden hauptsächlich zwei Wege erforscht, um diese Bedingungen zu schaffen und aufrechtzuerhalten: die magnetische Einschlussfusion und die Trägheitseinschlussfusion. Bei der magnetischen Einschlussfusion wird ein extrem heißes Plasma – ein ionisiertes Gas – mithilfe von starken Magnetfeldern von den Wänden des Reaktors ferngehalten. Dieses Plasma muss auf Temperaturen von über 100 Millionen Grad Celsius erhitzt werden, um die Fusionsreaktion zu initiieren und aufrechtzuerhalten.

Bei der Trägheitseinschlussfusion werden kleine Pellets aus Fusionsbrennstoff (typischerweise mit Lasern oder Teilchenstrahlen) extrem schnell und symmetrisch komprimiert. Die Trägheit des Materials und die hohe Dichte sorgen dafür, dass die Fusionsreaktion für einen kurzen Moment stattfindet, bevor das Plasma wieder expandiert. Dieser Ansatz wird oft in kleineren Experimenten verfolgt, wobei die Herausforderung darin besteht, eine schnelle und wiederholbare Abfolge von Fusionen zu erreichen.

Die Herausforderung des Plasmas

Das Plasma ist der Schlüssel zur Kernfusion, aber auch ihre größte Herausforderung. Bei Temperaturen von über 100 Millionen Grad Celsius sind alle Atome ionisiert, und die Materie verhält sich wie ein elektrisch leitendes Gas, das von Magnetfeldern beeinflusst wird. Die Aufrechterhaltung eines stabilen und dichten Plasmas über einen ausreichend langen Zeitraum ist entscheidend für die Effizienz einer Fusionsreaktion. Instabilitäten im Plasma können zu Energieverlusten führen und den Prozess unterbrechen.

Ein weiteres kritisches Element ist das sogenannte "Zündungskriterium" (engl. ignition), bei dem die Fusionsreaktion genügend Energie freisetzt, um das Plasma weiter zu heizen, ohne dass eine externe Energiezufuhr erforderlich ist. Das Erreichen der Zündung ist ein fundamentaler Schritt auf dem Weg zu einem kommerziellen Fusionskraftwerk. Jüngste Experimente, wie im National Ignition Facility (NIF) in den USA, haben Meilensteine in Richtung Zündung erreicht, sind aber noch weit von einer kontinuierlichen und wirtschaftlich nutzbaren Energieproduktion entfernt.

Vergleich der Brennstoffe für Kernfusion (D-T-Reaktion)
Brennstoff Isotop Vorkommen/Gewinnung Eigenschaften
Deuterium (D) ²H Reichlich in Wasser vorhanden (ca. 1 von 6.400 Wasserstoffatomen) Stabil, nicht radioaktiv, einfach zu gewinnen
Tritium (T) ³H Selten, radioaktiv (Halbwertszeit ca. 12,3 Jahre), muss in Brutreaktoren aus Lithium gewonnen werden Radioaktiv, erzeugt bei Fusion die höchste Energieausbeute

Aktuelle Fortschritte: Meilensteine und Herausforderungen

Die Fusionsforschung hat in den letzten Jahrzehnten beeindruckende Fortschritte gemacht, doch der Weg zur kommerziellen Stromerzeugung ist noch mit erheblichen technischen und wirtschaftlichen Hürden gepflastert. Große internationale Projekte und eine wachsende Zahl privater Unternehmen treiben die Entwicklung voran, und die jüngsten Erfolge nähren die Hoffnung auf eine baldige Realisierung.

Einer der bedeutendsten Meilensteine war die erfolgreiche Erzeugung von mehr Fusionsenergie, als zum Heizen des Plasmas aufgewendet werden musste, im Dezember 2022 am Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL) in den USA. Dieses Experiment, das die Trägheitseinschlussfusion mittels Laser nutzte, hat gezeigt, dass das Prinzip der "Netto-Energie-Gewinnung" prinzipiell möglich ist. Es war ein wissenschaftlicher Durchbruch, der die Machbarkeit der Fusionsenergie unterstrich, auch wenn es sich um einen kurzzeitigen Impuls handelte und nicht um eine kontinuierliche Stromproduktion.

Parallel dazu verzeichnen die magnetischen Einschlussmethoden, insbesondere mit Tokamaks, ebenfalls stetige Fortschritte. Das Joint European Torus (JET) in Culham, Großbritannien, hat in seinen letzten Betriebsphasen Rekorde bei der erzeugten Fusionsleistung aufgestellt und wertvolle Daten für den Nachfolgebau ITER geliefert. Diese Experimente demonstrieren die zunehmende Fähigkeit, die extremen Bedingungen für die Fusion über längere Zeiträume aufrechtzuerhalten.

Die Herausforderungen der Materialwissenschaft

Eine der größten technischen Hürden ist die Entwicklung von Materialien, die den extremen Bedingungen in einem Fusionsreaktor standhalten können. Die Wände der Reaktorkammer sind einer intensiven Neutronenstrahlung ausgesetzt, die zu Materialermüdung, Versprödung und Aktivierung führen kann. Es werden spezielle Legierungen und Keramiken erforscht, die diesen Belastungen über Jahrzehnte hinweg widerstehen können.

Die Handhabung des radioaktiven Tritiums ist ebenfalls eine komplexe Aufgabe. Da Tritium ein Isotop von Wasserstoff ist, kann es leicht durch Materialien diffundieren und muss sorgfältig eingeschlossen werden. Die Entwicklung von effizienten Tritiumbrut- und -extraktionssystemen ist entscheidend für die Nachhaltigkeit eines Fusionskraftwerks.

Finanzierung und private Investitionen

Die traditionell staatlich finanzierten Großforschungsprojekte sehen sich zunehmender Konkurrenz durch private Unternehmen gegenüber. In den letzten Jahren haben zahlreiche Start-ups im Fusionsbereich erhebliche Summen an Risikokapital angezogen. Diese Unternehmen verfolgen oft innovative und potenziell schnellere Ansätze, die von konventionellen Tokamak-Designs abweichen und mit kleineren, flexibleren Teams schneller Ergebnisse erzielen wollen.

100+
Millionen °C
10-20
Sekunden
10-20
Jahre

Diese Unternehmen, darunter Commonwealth Fusion Systems (CFS), TAE Technologies und Helion Energy, arbeiten an verschiedenen Reaktorkonzepten, darunter kompaktere Tokamaks, Stellaratoren und magnetisierte Ziel-Fusionsansätze. Ihre Dynamik und Innovationskraft könnten den Zeitplan für die kommerzielle Fusion erheblich beschleunigen.

Schlüsseltechnologien im Fokus: Tokamaks und Stellaratoren

Zwei Hauptdesigns dominieren die Landschaft der magnetischen Einschlussfusion: der Tokamak und der Stellarator. Beide verfolgen das Ziel, ein heißes Plasma mithilfe von Magnetfeldern einzuschließen, unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihrer Konstruktion und der Art und Weise, wie sie diese Felder erzeugen.

Der Tokamak, dessen Design in den 1950er Jahren in der Sowjetunion entwickelt wurde, ist derzeit die am weitesten verbreitete und am besten verstandene Technologie. Er hat eine torusförmige Kammer und verwendet eine Kombination aus toroidalen (ringförmigen) und poloidalen (senkrechten) Magnetfeldern, um das Plasma einzuschließen. Ein starker Strom, der durch das Plasma selbst fließt, erzeugt einen Teil der notwendigen Magnetfelder. Dies vereinfacht das Design, führt aber auch zu einer inhärenten Pulsation der Reaktion, da der Plasmastrom nicht unendlich aufrechterhalten werden kann.

Der Stellarator, der auf den Ideen von Lyman Spitzer in den 1950er Jahren basiert, verfolgt einen anderen Ansatz. Er verwendet extern angeordnete, stark verdrillte Spulen, um ein komplexes, dreidimensionales Magnetfeld zu erzeugen, das das Plasma stabilisiert, ohne dass ein starker Plasmastrom erforderlich ist. Dies ermöglicht potenziell einen kontinuierlichen Betrieb, was für die Stromerzeugung entscheidend ist. Allerdings sind Stellaratoren in ihrer Konstruktion und ihrem Design deutlich komplexer und schwieriger zu bauen als Tokamaks.

Die Stärken und Schwächen im Vergleich

Tokamaks haben sich in Bezug auf die erreichten Plasmaparameter und die erzeugte Fusionsleistung als äußerst erfolgreich erwiesen. Das Design des ITER-Projekts basiert auf dem Tokamak-Konzept, was seine Bedeutung unterstreicht. Die Herausforderung bei Tokamaks liegt in der Notwendigkeit, den Plasmastrom aufrechtzuerhalten und die Stabilität des Plasmas über lange Zeiträume zu gewährleisten.

Stellaratoren bieten den Vorteil des potenziell kontinuierlichen Betriebs und einer inhärenten Stabilität, die weniger anfällig für bestimmte Plasma-Instabilitäten ist. Die Entwicklung moderner Stellaratoren, wie des Wendelstein 7-X in Deutschland, zeigt, dass diese komplexen Geräte immer besser beherrschbar werden. Ihre Effizienz bei der Einschlussleistung und die Skalierbarkeit sind jedoch noch Gegenstand intensiver Forschung.

Fortschritte bei der Fusionsenergieerzeugung (Beispiele)
JET (1997)0,02 GW
JT-60SA (2020)0,1 GW
ITER (geplant)70 GW

Die Wahl zwischen Tokamak und Stellarator (oder anderen innovativen Konzepten) wird wahrscheinlich von den spezifischen Anforderungen und Fortschritten in der jeweiligen Technologie abhängen. Es ist auch möglich, dass beide Ansätze oder hybride Formen in der zukünftigen Fusionslandschaft ihren Platz finden.

Globale Bemühungen und die Rolle von ITER

Die Entwicklung der Fusionsenergie ist ein globales Unterfangen, das die Zusammenarbeit von Nationen und die Bündelung von Wissen und Ressourcen erfordert. Das herausragendste Beispiel für diese internationale Kooperation ist das ITER-Projekt (International Thermonuclear Experimental Reactor), das derzeit in Cadarache, Südfrankreich, gebaut wird.

ITER ist das größte und ambitionierteste wissenschaftliche Projekt der Welt und wird von 35 Nationen gemeinsam getragen, darunter die Europäische Union, China, Indien, Japan, Südkorea, Russland und die USA. Ziel von ITER ist es, die wissenschaftliche und technologische Machbarkeit der Nutzung von Fusionsenergie im industriellen Maßstab zu beweisen. Der Reaktor soll nach seiner Fertigstellung die zehnfache Menge an Fusionsenergie erzeugen, die zum Aufheizen des Plasmas benötigt wird, und damit demonstrieren, dass eine positive Energiebilanz über längere Zeiträume möglich ist.

ITER ist kein Kraftwerk, das Strom ins Netz einspeisen wird. Sein Hauptzweck ist die Forschung und Entwicklung. Es soll ermöglichen, die physikalischen und technologischen Herausforderungen, die mit dem Betrieb eines Fusionskraftwerks verbunden sind, zu verstehen und zu lösen. Dazu gehören die Entwicklung von supraleitenden Magneten, die Aufheizsysteme, die Vakuumtechnik und die Steuerung von Plasma-Instabilitäten. Die im ITER gewonnenen Erkenntnisse werden entscheidend für den Bau zukünftiger kommerzieller Fusionskraftwerke sein.

Die Herausforderungen des ITER-Projekts

Der Bau von ITER ist ein Unterfangen von beispielloser Komplexität. Das Projekt ist mit erheblichen technischen Schwierigkeiten, logistischen Herausforderungen und Kostensteigerungen konfrontiert. Die präzise Fertigung und Montage von Tausenden von Komponenten, die extremen Toleranzen erfordern, ist eine gewaltige Aufgabe. Die internationale Zusammenarbeit selbst bringt ihre eigenen bürokratischen und koordinativen Hürden mit sich.

Trotz dieser Herausforderungen ist der Fortschritt bei ITER unbestreitbar. Die wichtigsten Komponenten werden gefertigt und montiert, und die Inbetriebnahme des Geräts rückt näher. Der Erfolg von ITER wird als Katalysator für die gesamte Fusionsforschung weltweit gesehen und die Tür für die kommerzielle Nutzung öffnen.

"ITER ist nicht nur ein wissenschaftliches Experiment, sondern ein Beweis für die Fähigkeit der Menschheit, zusammenzuarbeiten und die größten Herausforderungen zu meistern, wenn wir ein gemeinsames, transformatives Ziel verfolgen."
— Bernard Bigot, Generaldirektor von ITER (verstorben 2022)

Neben ITER gibt es zahlreiche andere nationale und regionale Fusionsprogramme sowie private Initiativen, die die Vielfalt und Dynamik der globalen Fusionslandschaft widerspiegeln. Diese parallelen Anstrengungen, von denen einige auf neuartigen Konzepten basieren, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Fusionsenergie früher als erwartet Realität wird.

Die wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen

Die erfolgreiche Implementierung der Fusionsenergie hätte tiefgreifende wirtschaftliche und ökologische Konsequenzen. Eine nahezu unerschöpfliche, saubere und sichere Energiequelle könnte die Grundlage für nachhaltiges Wirtschaftswachstum schaffen und gleichzeitig die drängendsten Umweltprobleme der Menschheit lösen.

Auf der wirtschaftlichen Seite würde die Verfügbarkeit von kostengünstiger und zuverlässiger Energie die Produktionskosten in nahezu allen Sektoren senken. Dies könnte zu einem Aufschwung in der Industrie, einer erhöhten Wettbewerbsfähigkeit und der Schaffung neuer Arbeitsplätze führen. Die Abhängigkeit von volatilen fossilen Brennstoffmärkten würde abnehmen, was zu größerer Preisstabilität und Energiesicherheit führen würde. Länder, die derzeit stark von Energieimporten abhängig sind, könnten ihre Energiesouveränität erheblich stärken.

Die Investitionen in die Fusionsforschung und -entwicklung selbst schaffen bereits heute einen wachsenden Wirtschaftszweig, der hochqualifizierte Arbeitskräfte in Bereichen wie Ingenieurwesen, Materialwissenschaften und Plasmaphysik beschäftigt. Mit der kommerziellen Nutzung würden sich diese Investitionen vervielfachen und eine neue Ära der technologischen Innovation einleiten.

Umweltvorteile, die die Welt verändern

Die ökologischen Vorteile der Fusionsenergie sind noch bedeutender. Die wichtigste Auswirkung wäre die nahezu vollständige Eliminierung von Treibhausgasemissionen aus der Energieerzeugung. Dies würde den Kampf gegen den Klimawandel dramatisch voranbringen und die globale Erwärmung verlangsamen oder sogar umkehren. Die Luftqualität würde sich weltweit verbessern, da die Verbrennung fossiler Brennstoffe, die auch für viele andere Luftschadstoffe verantwortlich ist, stark zurückgehen würde.

Das Problem der nuklearen Abfälle, das mit der Kernspaltung verbunden ist, wäre bei der Fusionsenergie deutlich reduziert. Die entstehenden radioaktiven Materialien haben kürzere Halbwertszeiten und sind weniger gefährlich, was die Endlagerung erheblich vereinfacht und die langfristige Umweltbelastung minimiert. Die Risiken einer Kernschmelze oder eines Unfalls, wie sie bei Kernspaltungsreaktoren bestehen, sind bei der Fusionsenergie nicht vorhanden.

Potenzielle wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen der Fusionsenergie
Aspekt Aktueller Zustand (Fossile Brennstoffe) Potenzial (Fusionsenergie)
CO2-Emissionen Hoch Nahe Null
Luftverschmutzung Hoch Nahe Null
Brennstoffverfügbarkeit Begrenzt, politisch volatil Nahezu unerschöpflich
Abfallproblematik Hochradioaktiv, lange Halbwertszeiten Geringer, kürzere Halbwertszeiten
Sicherheit Risiko von Kernschmelzen Kein Risiko von Kernschmelzen
Preisstabilität Volatil Potenziell stabil und niedrig

Die Umstellung auf Fusionsenergie würde eine grundlegende Transformation unserer globalen Energiesysteme bedeuten. Sie würde nicht nur die Art und Weise ändern, wie wir Energie erzeugen, sondern auch, wie wir wirtschaften und wie wir mit unserer Umwelt interagieren.

Wann wird die Fusion Realität? Prognosen und Erwartungen

Die Frage aller Fragen bleibt: Wann wird die Fusionsenergie aus dem Labor in unsere Haushalte und Industrien fließen? Die Antworten variieren, aber ein Konsens zeichnet sich ab: Die nächsten zehn bis zwanzig Jahre werden entscheidend sein.

Experten sind sich einig, dass die wissenschaftlichen Grundlagen für die Fusionsenergie weitgehend verstanden sind und die technologischen Fortschritte in den letzten Jahren exponentiell zugenommen haben. Projekte wie ITER sind darauf ausgelegt, die Machbarkeit im großen Maßstab zu beweisen. Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme von ITER, die für die Mitte der 2030er Jahre erwartet wird, wird der Weg für den Bau von Demonstrationskraftwerken (DEMO) geebnet, die erstmals Strom ins Netz einspeisen.

Viele private Unternehmen verfolgen ambitioniertere Zeitpläne und peilen die Kommerzialisierung bereits in den 2030er Jahren an. Sie setzen auf innovative Konzepte und schlankere Entwicklungsprozesse, um die Marktreife schneller zu erreichen. Ob diese optimistischen Prognosen eintreffen, hängt von der weiteren Finanzierung, der Überwindung technischer Hürden und der erfolgreichen Skalierung der Technologien ab.

"Wir sehen eine Beschleunigung des Fortschritts in der Fusionsforschung, die wir in den letzten zehn Jahren nicht für möglich gehalten hätten. Während ITER die wissenschaftliche Grundlage schafft, werden private Unternehmen die ersten kommerziellen Kraftwerke bauen."
— Dr. Anya Sharma, führende Plasmaphysikerin

Selbst wenn die ersten kommerziellen Fusionskraftwerke in Betrieb genommen werden, wird es noch einige Zeit dauern, bis die Fusionsenergie einen signifikanten Anteil am globalen Energiemix ausmacht. Der Bau eines Fusionskraftwerks ist ein komplexes und kostspieliges Unterfangen, das Jahre dauern wird. Die flächendeckende Umstellung der globalen Energieinfrastruktur auf Fusionsenergie wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Dennoch sind die Aussichten positiv. Die fortlaufende Forschung und Entwicklung, die wachsende Investitionsbereitschaft und die Dringlichkeit der Klimakrise treiben die Fusionsenergie mit beispielloser Dynamik voran. Es ist wahrscheinlich, dass wir in den kommenden Jahrzehnten eine schrittweise Einführung der Fusionsenergie erleben werden, die schließlich zu einer vollständigen Transformation unseres Energiesystems führen könnte.

Für weitere Informationen und aktuelle Entwicklungen können Sie folgende Ressourcen konsultieren:

Häufig gestellte Fragen zur Fusionsenergie

Was ist der Unterschied zwischen Kernfusion und Kernspaltung?
Kernspaltung teilt schwere Atomkerne (wie Uran), um Energie freizusetzen, und ist die Grundlage heutiger Kernkraftwerke. Kernfusion verschmilzt leichte Atomkerne (wie Wasserstoffisotope) zu schwereren Kernen, was auf der Sonne geschieht und deutlich mehr Energie freisetzt.
Ist Fusionsenergie sicher?
Ja, Fusionsenergie gilt als inhärent sicher. Es gibt keine Möglichkeit einer unkontrollierten Kettenreaktion oder Kernschmelze. Sollten die Betriebsbedingungen gestört werden, stoppt die Fusion automatisch.
Welche Brennstoffe werden für die Fusionsenergie benötigt?
Die gängigsten Brennstoffe sind Deuterium und Tritium, Isotope von Wasserstoff. Deuterium ist reichlich in Wasser vorhanden, während Tritium aus Lithium gewonnen werden kann, das ebenfalls weit verbreitet ist.
Wann wird Fusionsenergie kommerziell verfügbar sein?
Experten erwarten, dass die ersten kommerziellen Fusionskraftwerke in den 2040er oder 2050er Jahren ans Netz gehen könnten, auch wenn einige private Unternehmen ambitioniertere Zeitpläne verfolgen.
Erzeugt Fusionsenergie gefährlichen Atommüll?
Fusionsreaktionen erzeugen weniger und weniger langlebigen radioaktiven Abfall als Kernspaltungsreaktoren. Die Abfälle sind von geringerer Aktivität und Halbwertszeit, was ihre Endlagerung deutlich vereinfacht.