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Die globale Energieproduktion aus fossilen Brennstoffen hat im Jahr 2023 einen Rekordwert von über 60 % erreicht, was die dringende Notwendigkeit einer sauberen und nachhaltigen Energiequelle unterstreicht. Kernfusion, die Energiequelle der Sterne, verspricht genau das – eine nahezu unerschöpfliche Quelle sauberer Energie, die die Welt revolutionieren könnte. Lange Zeit eine ferne Utopie, rückt die Fusionsenergie dank bahnbrechender wissenschaftlicher und technologischer Fortschritte nun greifbar nahe.
Die Sonne auf der Erde: Warum Kernfusion näher ist, als Sie denken
Die Vorstellung, die immense Kraft der Sonne hier auf der Erde nachzubilden, war über Jahrzehnte hinweg Gegenstand intensiver Forschung und Entwicklung. Die Kernfusion, der Prozess, der Sterne wie unsere Sonne antreibt, verspricht eine Energiequelle, die nicht nur sauber und sicher ist, sondern auch über nahezu unerschöpfliche Brennstoffreserven verfügt. Während die Kernspaltung, die derzeit in Kernkraftwerken genutzt wird, auf spaltbaren Materialien wie Uran basiert, nutzt die Fusion die Verschmelzung leichter Atomkerne zu schwereren. Dies setzt gigantische Energiemengen frei, ohne dabei langlebige, hochradioaktive Abfälle zu produzieren, die bei der Spaltung entstehen. Früher galt die Fusionsenergie als eine Technologie, die noch viele Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte von ihrer praktischen Anwendung entfernt war. Doch in den letzten Jahren haben signifikante Fortschritte in Materialwissenschaften, supraleitender Technologie und rechnergestützter Simulation das Bild dramatisch verändert. Wissenschaftler und Ingenieure weltweit arbeiten mit erhöhter Intensität an der Überwindung der immensen technischen Hürden, die mit der Erzeugung und Aufrechterhaltung eines Fusionsplasmas verbunden sind. Ein zentraler Meilenstein war die erfolgreiche Demonstration von Netto-Energiegewinnung durch Inertialfusion am National Ignition Facility (NIF) in den USA im Dezember 2022. Dieses Ereignis, bei dem mehr Energie aus der Fusion freigesetzt wurde, als zum Zünden der Reaktion aufgewendet wurde, markiert einen Wendepunkt in der Fusionsforschung. Es hat gezeigt, dass die physikalischen Prinzipien, auf denen die Fusionsenergie basiert, in der Praxis umsetzbar sind.Historische Meilensteine der Fusionsforschung
Die Wurzeln der Fusionsforschung reichen bis in die frühen 1930er Jahre zurück, als Wissenschaftler wie Ernest Rutherford und Mark Oliphant erste Experimente zur Kernfusion durchführten. Die theoretischen Grundlagen wurden in den 1940er und 1950er Jahren durch die Arbeiten von Forschern wie Enrico Fermi und Andrei Sacharow weiterentwickelt. * **1930er Jahre:** Erste experimentelle Nachweise der Fusionsreaktion. * **1950er Jahre:** Beginn der Tokamak-Forschung in der Sowjetunion, ein wichtiger Schritt in Richtung magnetischem Einschluss. * **1970er Jahre:** Große internationale Projekte wie JET (Joint European Torus) nehmen Gestalt an. * **1990er Jahre:** JET erreicht erstmals eine signifikante Fusionsleistung über einen kurzen Zeitraum. * **2022:** NIF demonstriert Netto-Energiegewinnung in der Inertialfusion. Diese historische Entwicklung zeigt einen kontinuierlichen, wenn auch oft langsamen, Fortschritt. Die jüngsten Erfolge deuten jedoch darauf hin, dass die Technologie nun an einem Punkt angelangt ist, an dem die Kommerzialisierung in greifbare Nähe rückt.Das Versprechen der Fusionsenergie: Unbegrenzte, saubere Energie
Die Vorteile der Fusionsenergie sind so revolutionär, dass sie das Potenzial haben, die globalen Energieprobleme zu lösen und die Menschheit in eine neue Ära nachhaltigen Wohlstands zu führen. Das zentrale Versprechen ist eine Energiequelle, die die Umwelt schont und gleichzeitig die wachsende weltweite Energienachfrage decken kann.Umweltfreundlichkeit und Sicherheit
Im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen, deren Verbrennung Treibhausgase freisetzt und den Klimawandel beschleunigt, produziert die Kernfusion keine CO2-Emissionen. Der Hauptbrennstoff für die gängigsten Fusionsreaktoren sind Deuterium und Tritium, Isotope von Wasserstoff, die in großen Mengen verfügbar sind. Deuterium kann aus Meerwasser gewonnen werden, und Tritium kann im Reaktor selbst aus Lithium erbrütet werden, einem ebenfalls reichlich vorhandenen Element. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die inhärente Sicherheit von Fusionsreaktoren. Anders als bei Kernspaltungsreaktoren gibt es bei Fusionsreaktoren keine Gefahr einer unkontrollierten Kettenreaktion, die zu einem katastrophalen Kernschmelzen führen könnte. Die Reaktionsbedingungen sind extrem anspruchsvoll; bei einer Störung des Systems würde das Plasma sofort abkühlen und die Reaktion zum Erliegen kommen. Die Menge an radioaktivem Material im Reaktor ist zudem deutlich geringer und die Halbwertszeiten der entstehenden radioaktiven Nebenprodukte sind wesentlich kürzer als bei Spaltungsabfällen.Unerschöpfliche Brennstoffreserven
Die Brennstoffbasis für die Kernfusion ist praktisch unerschöpflich. Eine Liter Meerwasser enthält genug Deuterium, um den Energiebedarf eines durchschnittlichen Haushalts für mehrere hundert Jahre zu decken. Lithium, das zur Brutung von Tritium benötigt wird, ist ebenfalls weit verbreitet und in großen Mengen vorhanden. Dies bedeutet, dass die Fusionsenergie das Potenzial hat, eine Energiequelle für Tausende von Jahren zu sein, unabhängig von endlichen fossilen Ressourcen.Hohe Energiedichte
Die Fusionsreaktion setzt eine enorme Energiemenge pro Masseneinheit Brennstoff frei. Ein Gramm Fusionsbrennstoff könnte theoretisch so viel Energie erzeugen wie die Verbrennung von etwa 11 Tonnen Kohle. Diese hohe Energiedichte bedeutet, dass Fusionskraftwerke relativ klein sein könnten und gleichzeitig riesige Energiemengen liefern können, was sie zu einer äußerst effizienten Energiequelle macht.Nahezu unerschöpflich
Brennstoffverfügbarkeit
Keine Treibhausgase
Umweltbilanz
Keine Kettenreaktion
Sicherheit
Geringer radioaktiver Abfall
Abfallmanagement
Die Wissenschaft hinter dem Sternenfeuer: Wie Fusion funktioniert
Das Prinzip der Kernfusion ist vergleichsweise einfach, die praktische Umsetzung jedoch extrem komplex. Es geht darum, die elektrischen Abstoßungskräfte zwischen positiv geladenen Atomkernen zu überwinden, um sie zu einer einzigen, schwereren Kernstruktur zu verschmelzen. Dabei wird ein Teil der Masse in Energie umgewandelt, gemäß Einsteins berühmter Formel E=mc². Die am besten untersuchte und vielversprechendste Fusionsreaktion für die Energiegewinnung ist die Deuterium-Tritium-Reaktion (D-T-Reaktion). Hierbei verschmelzen ein Deuteriumkern (ein Proton und ein Neutron) und ein Tritiumkern (ein Proton und zwei Neutronen) zu einem Heliumkern (zwei Protonen und zwei Neutronen) und einem freien Neutron."Die Herausforderung liegt darin, Bedingungen zu schaffen, unter denen die Atomkerne die Coulomb-Barriere überwinden können. Das erfordert extrem hohe Temperaturen und Drücke, um ein Plasma zu erzeugen und die Kerne schnell genug zu bewegen, damit sie kollidieren und fusionieren können."
— Dr. Anya Sharma, leitende Fusionsphysikerin
Um diese Bedingungen zu erreichen, müssen Temperaturen von über 100 Millionen Grad Celsius – heißer als das Zentrum der Sonne – erreicht werden. Bei solchen Temperaturen werden die Elektronen von den Atomkernen getrennt, und das Material liegt als ionisiertes Gas, das sogenannte Plasma, vor. Dieses Plasma muss dann durch starke Magnetfelder oder durch extrem schnelle Kompression (inertiale Fusion) eingesperrt werden, damit es nicht die Wände des Reaktors berührt und abkühlt.
Magnetischer Einschluss (Tokamaks und Stellaratoren)
Der magnetische Einschluss ist die am weitesten verbreitete Methode zur Erzeugung von kontrollierter Fusion. Hierbei werden starke Magnetfelder eingesetzt, um das heiße Plasma einzuschließen und von den Reaktorwänden fernzuhalten. * **Tokamaks:** Diese sind ringförmig und nutzen eine Kombination aus toroidalen (ringförmigen) und poloidalen (kreisförmigen) Magnetfeldern, um das Plasma zu stabilisieren. Der bekannteste Tokamak ist ITER, ein internationales Großprojekt in Frankreich. * **Stellaratoren:** Diese haben eine komplexere, verdrillte Geometrie, die es ihnen ermöglicht, das Plasma ohne einen zusätzlichen Strom im Plasma selbst einzuschließen. Sie sind theoretisch stabiler, aber technisch komplexer im Bau.Inertialer Einschluss (Laserfusion)
Bei der inertialen Fusion werden winzige Kügelchen aus Deuterium und Tritium mit extrem leistungsstarken Lasern oder Teilchenstrahlen beschossen. Die schnelle Erhitzung und Kompression der Kügelchen erzeugt für einen winzigen Moment die notwendigen Bedingungen für die Fusion. Der Erfolg des NIF-Experiments beruht auf dieser Methode.Die Rolle von Lithium und Tritium
Während Deuterium leicht aus Wasser gewonnen werden kann, ist Tritium ein radioaktives Isotop mit einer Halbwertszeit von etwa 12,3 Jahren. Da es in der Natur kaum vorkommt, muss es in einem Fusionsreaktor erzeugt werden. Dies geschieht durch Neutronen, die bei der D-T-Reaktion freigesetzt werden, die auf Lithium treffen. Lithium ist in Salzwasser und Gesteinen weit verbreitet.| Fusionsreaktion | Brennstoffe | Produkte | Freigesetzte Energie (ca.) |
|---|---|---|---|
| Deuterium-Tritium (D-T) | Deuterium ($^2$H) + Tritium ($^3$H) | Helium ($^4$He) + Neutron (n) | 17,6 MeV |
| Deuterium-Deuterium (D-D) | Deuterium ($^2$H) + Deuterium ($^2$H) | Tritium ($^3$H) + Proton (p) ODER Helium ($^3$He) + Neutron (n) | 3,27 MeV bzw. 4,03 MeV |
Herausforderungen und Durchbrüche: Der steinige Weg zur Fusionskraft
Trotz der immensen Fortschritte sind noch erhebliche technische und wissenschaftliche Herausforderungen zu bewältigen, bevor Fusionskraftwerke kommerziell Strom liefern können. Die Hauptschwierigkeiten liegen in der Erzeugung und Aufrechterhaltung eines stabilen Plasmas über lange Zeiträume, der Entwicklung von Materialien, die den extremen Bedingungen im Reaktor standhalten, und der effizienten Gewinnung der freigesetzten Energie.Materialwissenschaftliche Hürden
Die Wände eines Fusionsreaktors sind extremen Bedingungen ausgesetzt: hohe Temperaturen, intensive Neutronenstrahlung und chemische Reaktionen. Neutronenstrahlung kann Materialien spröde machen und sie im Laufe der Zeit schädigen, was zu einem vorzeitigen Austausch von Komponenten führen kann. Die Entwicklung neuer Legierungen und Materialien, die diesen Belastungen standhalten, ist entscheidend für die Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit von Fusionskraftwerken. Die Forschung konzentriert sich auf Materialien wie Wolfram, Siliziumkarbide und spezielle Stahllegierungen. Neue Konzepte, wie z.B. flüssige Lithium-Wand-Designs, werden ebenfalls erforscht, um die Belastung der festen Strukturen zu reduzieren.Plasma-Stabilisierung und Einschlussdauer
Die Aufrechterhaltung eines stabilen Plasmas bei Temperaturen von über 100 Millionen Grad Celsius ist eine gewaltige Aufgabe. Das Plasma neigt zu Instabilitäten, die die Reaktion unterbrechen oder die Energieverluste erhöhen können. Die Steuerung dieser Instabilitäten durch präzise Magnetfeldanordnungen und fortschrittliche Kontrollsysteme ist von größter Bedeutung. Der Durchbruch am NIF im Jahr 2022 zeigt, dass die inertiale Fusion hier beeindruckende Fortschritte macht. Im Bereich des magnetischen Einschlusses arbeitet ITER daran, die Plasmaeinschlusszeit und die Dichte zu erhöhen, um die Bedingungen für einen kontinuierlichen Energiefluss zu erreichen.Tritium-Management und Brennstoffkreislauf
Tritium ist radioaktiv und muss sicher gehandhabt werden. Da es sich um einen relativ flüchtigen Stoff handelt, sind geschlossene Systeme erforderlich, um Verluste zu vermeiden. Die effiziente Brutung von Tritium aus Lithium im Reaktor selbst und seine anschließende Rückgewinnung und Aufbereitung für den nächsten Fusionszyklus sind ebenfalls komplexe technologische Aufgaben. Die Entwicklung von "Breeding Blankets" – Modulen, die Lithium enthalten und von den Neutronen bestrahlt werden, um Tritium zu erzeugen – ist ein wichtiger Teil der Weiterentwicklung von Fusionsreaktoren.Fortschritt in der Fusionsleistung (Megajoule)
"Jeder Durchbruch in der Fusionsforschung, sei es bei der Plasma-Stabilisierung oder bei neuen Materialien, bringt uns einen entscheidenden Schritt näher an die Realisierung. Die Synergie zwischen Grundlagenforschung und angewandter Ingenieurwissenschaft ist hier der Schlüssel."
— Prof. Kenji Tanaka, Experte für Plasmaphysik
Aktuelle Projekte und Akteure: Wer treibt die Fusionsrevolution voran?
Die Fusionsforschung ist ein globales Unterfangen, das von staatlich finanzierten Großprojekten ebenso getragen wird wie von einer wachsenden Zahl privater Unternehmen, die mit agilen Ansätzen und innovativen Technologien den Markt erschließen wollen. Diese Dualität aus öffentlich-rechtlicher und privatwirtschaftlicher Initiative beschleunigt die Entwicklung erheblich.Großprojekte im öffentlichen Sektor
* **ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor):** Das größte und ambitionierteste internationale Fusionsprojekt, an dem 35 Länder beteiligt sind. ITER wird in Südfrankreich gebaut und soll die wissenschaftliche und technologische Machbarkeit der Fusionsenergie im großen Maßstab demonstrieren und Netto-Energiegewinnung über längere Zeiträume zeigen. Mehr über ITER * **DEMO (Demonstration Power Plant):** Nach ITER ist DEMO das vorgesehene nächste Schritt – ein Kraftwerk, das erstmals Strom ins Netz einspeisen soll. Es wird derzeit von verschiedenen nationalen und europäischen Forschungseinrichtungen konzipiert. * **Nationale Programme:** Länder wie China, Japan, Südkorea und die USA betreiben eigene Fusionsforschungsprogramme und tragen wesentlich zur globalen Expertise bei.Die aufstrebende private Fusionsindustrie
Parallel zu den staatlichen Großprojekten hat sich eine lebhafte private Fusionsindustrie entwickelt. Zahlreiche Start-ups und etablierte Unternehmen investieren in neue Konzepte und Technologien, oft mit dem Ziel, schnellere und kostengünstigere Wege zur kommerziellen Fusionsenergie zu finden. * **Commonwealth Fusion Systems (CFS):** Ein Spin-off des MIT, das an der Entwicklung von Hochtemperatur-Supraleitern (HTS) für kompaktere und leistungsstärkere Tokamaks arbeitet (SPARC-Projekt). CFS plant mit dem Projekt ARC den Bau eines ersten kommerziellen Fusionskraftwerks. Website von CFS * **Helion Energy:** Verfolgt einen anderen Ansatz, die pulsierende Fusionsmethode, und hat bereits bedeutende Investitionen erhalten. Sie zielen darauf ab, noch in diesem Jahrzehnt Strom zu produzieren. * **TAE Technologies:** Entwickelt eine eigene Technologie, die auf einem nicht-kreisförmigen Magnetfeld-Einschluss basiert und sich auf die Fusion von Protonen-Bor-Brennstoffen konzentriert, die weniger Neutronen erzeugt. * **General Fusion:** Arbeitet an einem Konzept, das als "Magnetized Target Fusion" bekannt ist und eine Kombination aus magnetischem Einschluss und trägerbasierter Kompression nutzt. Diese Vielfalt an Ansätzen und die enorme Investitionsbereitschaft der privaten Sector sind ein starkes Indiz dafür, dass die Fusionsenergie nicht mehr nur eine akademische Übung ist, sondern ein ernsthaftes Geschäftsziel mit hohem Potenzial.Die wirtschaftlichen und geopolitischen Auswirkungen
Die erfolgreiche Kommerzialisierung der Fusionsenergie hätte tiefgreifende Auswirkungen auf die globale Wirtschaft und die geopolitische Landschaft. Sie würde nicht nur die Energieversorgung revolutionieren, sondern auch neue Industrien schaffen und bestehende verändern.Wirtschaftliche Transformation
Die Verfügbarkeit einer nahezu unerschöpflichen Quelle sauberer Energie zu potenziell wettbewerbsfähigen Kosten würde die Produktionskosten in fast allen Wirtschaftssektoren senken. Dies könnte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führen, der durch niedrigere Energiepreise, erhöhte Wettbewerbsfähigkeit und neue technologische Möglichkeiten angekurbelt wird. Neue Industrien, die sich auf den Bau und Betrieb von Fusionskraftwerken, die Herstellung von Komponenten, die Brennstoffaufbereitung und die Entsorgung von (geringfügigem) radioaktivem Abfall spezialisieren, würden entstehen. Dies würde Millionen von Arbeitsplätzen schaffen.Geopolitische Verschiebungen
Fossile Brennstoffe sind oft die Ursache für geopolitische Spannungen und Konflikte. Länder, die reich an Öl und Gas sind, haben einen erheblichen Einfluss auf die Weltpolitik. Mit Fusionsenergie, deren Brennstoffe global verfügbar sind, würde sich diese Machtdynamik grundlegend ändern. Länder, die frühzeitig in die Fusionserzeugung investieren und diese Technologie beherrschen, könnten zu den neuen Energieführern des 21. Jahrhunderts werden. Dies könnte zu einer stärkeren Energieunabhängigkeit für viele Nationen führen und die Notwendigkeit der Abhängigkeit von einzelnen, oft instabilen Regionen für die Energieversorgung verringern.Kosten und Rentabilität
Die anfänglichen Investitionskosten für den Bau von Fusionskraftwerken werden voraussichtlich sehr hoch sein. Ähnlich wie bei der Einführung der Kernspaltungstechnologie wird die Skalierung der Produktion und die Verbesserung der Effizienz die Kosten im Laufe der Zeit senken. Experten schätzen, dass die Stromgestehungskosten von Fusionsenergie, sobald die Technologie ausgereift ist, mit erneuerbaren Energien konkurrenzfähig sein oder diese sogar unterbieten könnten, insbesondere unter Berücksichtigung der Zuverlässigkeit und Grundlastfähigkeit von Fusionskraftwerken.| Faktor | Fusionsenergie (potenziell) | Erneuerbare Energien | Fossile Brennstoffe |
|---|---|---|---|
| Brennstoffkosten | Sehr niedrig | Null (sonnenlicht, wind) | Hoch, volatil |
| Umweltauswirkungen | Sehr gering (keine Emissionen) | Sehr gering (minimaler CO2-Fußabdruck) | Hoch (Treibhausgase, Luftverschmutzung) |
| Zuverlässigkeit (Grundlast) | Hoch | Mittel (abhängig von Speicherlösungen) | Hoch |
| Sicherheit (Unfallrisiko) | Sehr hoch (keine Kettenreaktion) | Sehr hoch | Mittel bis hoch (Umweltkatastrophen) |
| Abfall | Gering, kurzlebig | Kein radioaktiver Abfall | Hoch, langlebig (CO2) |
Die Zukunft gestalten: Wie Fusionsenergie die Welt verändern wird
Die Ankunft der Fusionsenergie markiert nicht nur eine technologische Revolution, sondern den Beginn einer neuen Ära menschlicher Zivilisation. Die Auswirkungen werden weitreichend sein und nahezu jeden Aspekt unseres Lebens berühren.Bekämpfung des Klimawandels und Zugang zu Energie
Die sauberste und wichtigste Auswirkung der Fusionsenergie wird ihre Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels sein. Durch die Bereitstellung einer kohlenstofffreien, zuverlässigen und reichlich vorhandenen Energiequelle können wir die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen schrittweise beenden. Dies wird die globalen Treibhausgasemissionen drastisch reduzieren und die Erwärmung der Erde eindämmen. Darüber hinaus wird Fusionsenergie den Zugang zu sauberer und erschwinglicher Energie für Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt ermöglichen, die derzeit keinen Zugang zu Elektrizität haben. Dies wird die Armut bekämpfen, die wirtschaftliche Entwicklung fördern und die Lebensqualität weltweit verbessern.Neue industrielle und technologische Horizonte
Die Verfügbarkeit großer Mengen an sauberer Energie wird die Entwicklung neuer Industrien und Technologien vorantreiben. Dies könnte die Dekarbonisierung energieintensiver Sektoren wie der Stahl- und Zementproduktion, der chemischen Industrie und der Herstellung von Kunststoffen ermöglichen. Auch die Weltraumforschung könnte von Fusionsenergie profitieren. Kompakte und leistungsstarke Fusionsantriebe könnten interstellare Reisen in Reichweite rücken und die Erforschung des Sonnensystems und darüber hinaus revolutionieren.Gesellschaftliche Veränderungen und Wohlstand
Eine Welt mit Fusionsenergie bedeutet eine Welt mit geringeren Energiekosten, höherer Sicherheit und saubererer Umwelt. Dies könnte zu einer erhöhten Lebensqualität für alle führen, mit mehr Ressourcen für Bildung, Gesundheit und technologische Innovationen. Die Vorstellung von Energieknappheit und den damit verbundenen Konflikten könnte der Vergangenheit angehören. Stattdessen könnten wir eine Ära des Überflusses erleben, in der die Energie als Grundvoraussetzung für menschliches Wohlergehen und Fortschritt zur Verfügung steht.Bis 2050
Realistische Markteinführung erster kommerzieller Anlagen
Mehrere Billionen
Dollar globale Investitionen erwartet bis 2070
Weniger als 1%
Radioaktiver Abfall im Vergleich zur Kernspaltung
Häufig gestellte Fragen zur Fusionsenergie
Wann wird Fusionsenergie kommerziell verfügbar sein?
Die meisten Experten gehen davon aus, dass die ersten kommerziellen Fusionskraftwerke voraussichtlich in den 2040er oder 2050er Jahren in Betrieb gehen werden. Dies hängt von vielen Faktoren ab, einschließlich der weiteren Fortschritte in der Forschung, der Finanzierung und der regulatorischen Rahmenbedingungen. Internationale Großprojekte wie ITER und die schnellen Entwicklungen bei privaten Unternehmen verkürzen jedoch die Zeitpläne deutlich.
Ist Fusionsenergie sicher?
Ja, Fusionsenergie gilt als inhärent sicher. Im Gegensatz zur Kernspaltung gibt es keine Gefahr einer unkontrollierten Kettenreaktion. Wenn etwas schiefgeht, kühlt das Plasma schnell ab und die Reaktion stoppt von selbst. Die Menge an radioaktivem Material im Reaktor ist zudem sehr gering und die entstehenden Abfälle haben kürzere Halbwertszeiten.
Was sind die Hauptbrennstoffe für die Kernfusion?
Die am häufigsten untersuchte und vielversprechendste Fusionsreaktion für die Energiegewinnung verwendet Deuterium und Tritium. Deuterium kann aus Wasser gewonnen werden, und Tritium wird im Reaktor aus Lithium erzeugt. Beide Brennstoffe sind reichlich vorhanden.
Welche Art von Abfall produziert Fusionsenergie?
Die Kernfusion produziert praktisch keine Treibhausgase oder langlebigen, hochradioaktiven Abfälle wie die Kernspaltung. Es entstehen Neutronen, die die Struktur des Reaktors aktivieren und ihn radioaktiv machen können. Dieser aktivierte Abfall hat jedoch deutlich kürzere Halbwertszeiten als Spaltprodukte und die Gesamtmenge ist vergleichsweise gering.
Wie unterscheidet sich Fusionsenergie von Kernspaltung?
Kernspaltung spaltet schwere Atomkerne (wie Uran), während Kernfusion leichte Atomkerne (wie Wasserstoffisotope) verschmilzt. Die Spaltung erzeugt langlebige, hochradioaktive Abfälle und birgt das Risiko einer Kernschmelze, während die Fusion keine Treibhausgase emittiert, keine langlebigen Abfälle produziert und inhärent sicher ist.
