⏱ 15 min
Mehr als 70 Prozent der großen Unternehmen planen laut einer Umfrage von Gartner, bis 2025 digitale Zwillinge einzusetzen, um ihre operative Leistungsfähigkeit zu verbessern.
Digitale Zwillinge: Mehr als nur Simulationen
Die digitale Transformation hat die Art und Weise, wie wir leben, arbeiten und interagieren, grundlegend verändert. Im Zentrum dieser Revolution stehen Konzepte, die einst Science-Fiction waren, aber heute reale, greifbare Auswirkungen haben. Eines dieser Konzepte, das rasant an Bedeutung gewinnt, sind die sogenannten "Digitalen Zwillinge". Ein Digitaler Zwilling ist weit mehr als eine einfache 3D-Modellierung oder eine statische Simulation. Es handelt sich um eine dynamische, virtuelle Replik eines physischen Objekts, Systems oder Prozesses, die in Echtzeit mit ihrem realen Gegenstück verbunden ist. Diese Verbindung ermöglicht einen kontinuierlichen Datenaustausch, der es erlaubt, den Zustand des physischen Objekts präzise abzubilden, zu analysieren, zu überwachen und sogar zu steuern. Die Kernidee hinter einem Digitalen Zwilling ist die Schaffung einer lebenden Brücke zwischen der physischen und der digitalen Welt. Durch Sensoren, IoT-Geräte und andere Datenerfassungsmethoden werden kontinuierlich Informationen über den Zustand, die Leistung und die Umgebung des physischen Assets gesammelt. Diese Daten fließen in das digitale Modell ein und aktualisieren es fortlaufend. So spiegelt der Digitale Zwilling nicht nur die aktuelle Situation seines realen Pendants wider, sondern kann auch zukünftige Verhaltensweisen vorhersagen und Optimierungspotenziale aufzeigen. Dies unterscheidet ihn fundamental von traditionellen Simulationen, die oft auf vordefinierten Szenarien basieren und keine dynamische Kopplung mit der Realität aufweisen. Die Anwendungsbereiche sind schier unendlich und reichen von einzelnen Komponenten wie einem Triebwerk über ganze Fabrikanlagen und Gebäude bis hin zu komplexen Systemen wie Städten oder sogar menschlichen Organen. Die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge virtuell zu durchspielen, ohne reale Risiken einzugehen, eröffnet neue Dimensionen für Innovation, Effizienz und Nachhaltigkeit. Im Folgenden werden wir die faszinierende Welt der Digitalen Zwillinge erkunden und beleuchten, wie sie bereits heute Branchen wie smarte Städte, das Gesundheitswesen und die Industrie revolutionieren.Die Architektur eines Digitalen Zwillings
Um die Funktionsweise Digitaler Zwillinge vollständig zu erfassen, ist es hilfreich, ihre grundlegende Architektur zu verstehen. Ein Digitaler Zwilling besteht typischerweise aus mehreren miteinander verbundenen Komponenten: * Physisches Asset: Dies ist das reale Objekt, System oder der Prozess, der abgebildet wird. * Sensoren und Datenerfassung: Eine Vielzahl von Sensoren (Temperatur, Druck, Vibration, GPS etc.) und anderen Datenerfassungsmechanismen sammeln kontinuierlich Informationen über den Zustand und die Leistung des physischen Assets. * Datenübertragung und Konnektivität: Robuste Kommunikationsprotokolle und Netzwerke (z. B. 5G, IoT-Plattformen) stellen sicher, dass die gesammelten Daten schnell und zuverlässig an die digitale Plattform übermittelt werden. * Digitale Modellierungsplattform: Hier werden die Daten verarbeitet, analysiert und in einem virtuellen Modell abgebildet. Dies kann 3D-Modelle, Simulationen, KI-Algorithmen und maschinelles Lernen umfassen. * Analytik und Vorhersage: Fortgeschrittene Analysetools und Algorithmen werden eingesetzt, um Muster zu erkennen, Leistungsengpässe zu identifizieren, Ausfälle vorherzusagen und Optimierungsmöglichkeiten zu generieren. * Benutzerschnittstelle und Visualisierung: Dashboards, VR/AR-Anwendungen und andere Schnittstellen ermöglichen es Benutzern, den Zustand des digitalen Zwillings zu visualisieren, Analysen einzusehen und Entscheidungen zu treffen. * Aktions- und Steuerungsschnittstelle: In fortgeschrittenen Anwendungen können über den digitalen Zwilling auch Befehle an das physische Asset gesendet werden, um Anpassungen oder Korrekturen vorzunehmen. Diese Komponenten arbeiten synergetisch zusammen, um eine lebendige und interaktive digitale Repräsentation der realen Welt zu schaffen.Die Entstehung und Evolution Digitaler Zwillinge
Die Wurzeln des Konzepts des Digitalen Zwillings reichen weiter zurück, als man vielleicht annehmen würde. Bereits in den 1960er Jahren, während des Apollo-Programms der NASA, wurden erste Ansätze verfolgt, um physikalische Systeme virtuell zu spiegeln. Damals ging es darum, Trainingssimulatoren zu entwickeln, die das Verhalten von Raumfahrzeugen unter verschiedenen Bedingungen nachbildeten, um Piloten auf mögliche Szenarien vorzubereiten. Diese frühen Simulationen waren jedoch statisch und nicht mit Echtzeitdaten verbunden. Der Begriff "Digitaler Zwilling" selbst wurde im Jahr 2002 von Dr. Michael Grieves, damals Professor an der University of Michigan, geprägt. Er stellte das Konzept im Rahmen einer Vorlesung über Product Lifecycle Management (PLM) vor. Grieves' Vision war es, ein virtuelles Modell eines Produkts zu schaffen, das den gesamten Lebenszyklus – von der Entwicklung über die Produktion bis hin zum Service und zur Entsorgung – abbildet. Dieses Modell sollte Informationen über das Produkt enthalten, die weit über seine reine Geometrie hinausgehen, und es ermöglichen, alle relevanten Datenpunkte zu verknüpfen. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten trieben technologische Fortschritte wie die Miniaturisierung von Sensoren, die Leistungsfähigkeit von Cloud-Computing, die Verbreitung des Internets der Dinge (IoT) und die Entwicklung fortschrittlicher Analysetools die Idee des Digitalen Zwillings voran. Insbesondere die Vernetzung von Geräten durch das IoT war ein entscheidender Katalysator. Erst die Möglichkeit, kontinuierlich Daten von physischen Objekten zu sammeln und diese in die digitale Sphäre zu übertragen, machte die Schaffung dynamischer, lebender digitaler Abbilder möglich. Heute sind Digitale Zwillinge keine futuristischen Konzepte mehr, sondern bereits fest etablierte Werkzeuge in vielen Branchen. Sie entwickeln sich ständig weiter, indem sie neue Technologien wie künstliche Intelligenz (KI), maschinelles Lernen (ML), erweiterte Realität (AR) und virtuelle Realität (VR) integrieren, um noch realistischere und interaktivere virtuelle Spiegelbilder der Realität zu schaffen.Meilensteine in der Entwicklung Digitaler Zwillinge
* 1960er Jahre: Frühe Simulationen im Weltraumfahrt-Programm (NASA Apollo) * 2002: Prägung des Begriffs "Digitaler Zwilling" durch Dr. Michael Grieves * 2010er Jahre: Zunehmende Verbreitung durch IoT, Cloud Computing und Big Data * Heute: Integration von KI/ML, AR/VR für fortschrittliche FunktionalitätenDigitale Zwillinge im Einsatz: Smarte Städte als Blaupause
Die Vision einer "Smart City" verspricht eine effizientere, nachhaltigere und lebenswertere urbane Umgebung. Digitale Zwillinge sind das Rückgrat dieser Vision. Sie ermöglichen es Stadtplanern, Ingenieuren und Verwaltern, städtische Infrastrukturen auf einer beispiellosen Ebene zu verstehen und zu optimieren. Ein digitaler Zwilling einer Stadt ist eine virtuelle, dynamische Darstellung der physischen Stadt, die eine Vielzahl von Elementen umfasst: Gebäude, Straßennetze, Verkehrssysteme, Energieversorgungsnetze, Wasser- und Abwassersysteme, Grünflächen und sogar das Verhalten von Menschen und Fahrzeugen. Durch die Integration von Echtzeitdaten von Sensoren, Kameras, GPS-Daten und anderen Quellen wird der digitale Stadtzwilling zu einem lebendigen Abbild der realen Metropole. Stadtplaner können beispielsweise Simulationen durchführen, um die Auswirkungen neuer Bauprojekte auf den Verkehrsfluss zu analysieren, bevor ein einziger Spatenstich getan ist. Sie können die Energieeffizienz von Gebäuden optimieren, indem sie deren virtuelle Modelle mit Echtzeit-Verbrauchsdaten vergleichen und potenzielle Einsparmaßnahmen identifizieren. Auch die Reaktion auf Notfälle kann verbessert werden: Im Falle eines Hochwassers oder eines Stromausfalls kann der digitale Zwilling helfen, betroffene Gebiete schnell zu identifizieren, Rettungsrouten zu planen und die Verteilung von Ressourcen zu optimieren. Ein besonders spannendes Anwendungsfeld ist das Verkehrsmanagement. Durch die Analyse von Verkehrsflusssensoren und Fahrzeugdaten im digitalen Zwilling können Ampelschaltungen dynamisch angepasst werden, um Staus zu minimieren und die Fahrzeiten zu verkürzen. Auch die Planung und Wartung von Infrastruktur wie Straßen oder Brücken profitiert enorm. Der digitale Zwilling kann Verschleißmuster erkennen und präventive Wartungsmaßnahmen empfehlen, bevor es zu kostspieligen Ausfällen kommt. Dies spart nicht nur Geld, sondern erhöht auch die Sicherheit und Zuverlässigkeit der städtischen Infrastruktur. Die Stadt Singapur ist ein prominentes Beispiel für den Einsatz von Digitalen Zwillingen. Mit "Virtual Singapore" wurde eine umfassende 3D-Plattform geschaffen, die detaillierte Informationen über die gesamte Stadt integriert. Diese Plattform wird genutzt, um städtische Planung, Katastrophenmanagement und die Entwicklung neuer Dienstleistungen zu unterstützen.Anwendungsbeispiele für Digitale Zwillinge in Smart Cities
| Anwendungsbereich | Nutzen | Beispiele |
|---|---|---|
| Verkehrsmanagement | Reduzierung von Staus, Optimierung des öffentlichen Nahverkehrs, verbesserte Parkplatzsuche | Dynamische Ampelschaltungen, Routenoptimierung für Lieferdienste, Simulation von Verkehrskonzepten |
| Energieeffizienz | Senkung des Energieverbrauchs, Optimierung der Stromnetze, Integration erneuerbarer Energien | Gebäudeenergiemanagement, Lastmanagement im Stromnetz, Simulation der Auswirkungen von Solaranlagen |
| Infrastrukturmanagement | Präventive Wartung, effiziente Instandhaltung, Lebenszyklusmanagement | Überwachung des Zustands von Brücken, Straßen und Versorgungsleitungen, Planung von Reparaturen |
| Katastrophenmanagement | Schnelle Lagebeurteilung, optimierte Ressourcenallokation, Evakuierungsplanung | Simulation von Hochwasser- oder Feuerszenarien, Identifizierung gefährdeter Gebiete, Koordination von Rettungsdiensten |
20%
Potenzielle Reduzierung von Verkehrsengpässen durch intelligente Steuerung
15%
Mögliche Einsparung bei Energiekosten durch optimiertes Gebäudemanagement
10%
Verbesserung der Reaktionszeit bei Notfällen
Revolution im Gesundheitswesen: Personalisierte Medizin und Operationsplanung
Das Gesundheitswesen steht vor enormen Herausforderungen: steigende Kosten, demografischer Wandel und die Notwendigkeit einer personalisierten Patientenversorgung. Digitale Zwillinge bieten hier ein revolutionäres Potenzial, das von der Präzisionsmedizin bis zur chirurgischen Planung reicht. Ein digitaler Zwilling eines Patienten – auch als "digitaler menschlicher Zwilling" bezeichnet – ist eine hochgradig personalisierte virtuelle Repräsentation eines Individuums. Dieser Zwilling wird aus einer Vielzahl von Daten gespeist, darunter genetische Informationen, medizinische Historie, Bildgebungsdaten (MRT, CT), physiologische Messwerte (Blutdruck, Herzfrequenz) und sogar Daten von Wearables. Diese virtuellen Modelle ermöglichen es Ärzten, Krankheiten im Vorfeld zu erkennen, individuelle Risikofaktoren zu identifizieren und maßgeschneiderte Behandlungspläne zu entwickeln. Bevor eine Therapie verabreicht wird, kann deren Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen am digitalen Zwilling des Patienten simuliert werden. Dies erlaubt eine beispiellose Personalisierung der Medizin, bei der Behandlungen nicht mehr "one size fits all" sind, sondern exakt auf die individuelle Biologie und den Gesundheitszustand abgestimmt werden. Ein weiterer entscheidender Anwendungsbereich ist die Operationsplanung. Chirurgen können komplexe Eingriffe am digitalen Zwilling eines Patienten üben, bevor sie im realen Operationssaal operieren. Dies ermöglicht es ihnen, sich mit der spezifischen Anatomie des Patienten vertraut zu machen, potenzielle Komplikationen zu antizipieren und die chirurgischen Schritte zu optimieren. In einigen Fällen können sogar maßgeschneiderte Implantate oder Prothesen auf Basis des digitalen Zwillings des Patienten entworfen und mit 3D-Druckern hergestellt werden. Dies führt zu besseren Operationsergebnissen, kürzeren Genesungszeiten und einer höheren Patientenzufriedenheit. Die Entwicklung von Medikamenten profitiert ebenfalls. Pharmaunternehmen können digitale Zwillinge von menschlichen Organen oder Geweben nutzen, um die Wirkung neuer Medikamentenkandidaten zu testen und zu optimieren, bevor teure und zeitaufwändige klinische Studien am Menschen durchgeführt werden. Dies beschleunigt den Entwicklungsprozess und reduziert die Kosten für die Arzneimittelherstellung.Die Rolle von KI und ML im Digitalen Zwilling des Patienten
Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen sind entscheidend für die Erstellung und Nutzung von Digitalen Zwillingen im Gesundheitswesen. KI-Algorithmen analysieren die riesigen Mengen an Patientendaten, um Muster und Korrelationen zu erkennen, die für das menschliche Auge nicht sichtbar wären. ML-Modelle können dann verwendet werden, um Vorhersagen über den Krankheitsverlauf zu treffen, die Wirksamkeit von Behandlungen zu prognostizieren oder personalisierte Empfehlungen für Lebensstiländerungen zu geben."Digitale Zwillinge haben das Potenzial, das Gesundheitswesen von einer reaktiven zu einer proaktiven und personalisierten Medizin zu transformieren. Wir können Krankheiten früher erkennen, Behandlungen präziser anwenden und die Lebensqualität von Patienten signifikant verbessern."
— Dr. Anya Sharma, Leiterin der Digitalen Gesundheitsforschung, Universitätsklinikum Berlin
Industrie 4.0 und darüber hinaus: Effizienzsteigerung durch virtuelle Spiegelbilder
In der Welt der Industrie sind Digitale Zwillinge zu einem unverzichtbaren Werkzeug für die Optimierung von Produktionsprozessen, die Steigerung der Effizienz und die Gewährleistung der Produktqualität geworden. Sie sind ein zentraler Baustein von Industrie 4.0, der vierten industriellen Revolution, die durch die Digitalisierung und Vernetzung von Produktionssystemen gekennzeichnet ist. Ein digitaler Zwilling einer Produktionsanlage oder eines Produkts ermöglicht es Unternehmen, den gesamten Lebenszyklus – von der Entwicklung über die Fertigung, den Betrieb bis hin zur Wartung – virtuell zu simulieren und zu überwachen. In der Produktionsphase können Digitale Zwillinge eingesetzt werden, um den Produktionsprozess in Echtzeit zu verfolgen und Engpässe zu identifizieren. Sensoren an Maschinen und Anlagen liefern kontinuierlich Daten, die in das digitale Modell einfließen. So können Abweichungen vom Soll-Zustand sofort erkannt und korrigiert werden, bevor größere Probleme entstehen. Dies führt zu einer Reduzierung von Ausschuss, einer Steigerung der Durchlaufzeiten und einer insgesamt höheren Effizienz. Auch die Wartung wird revolutioniert. Anstatt auf einen Ausfall zu warten, können Unternehmen mit Hilfe von Digitalen Zwillingen vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) betreiben. Durch die Analyse von Betriebsdaten wie Vibration, Temperatur oder Leistungsaufnahme kann der digitale Zwilling vorhersagen, wann eine Maschine wahrscheinlich ausfallen wird. Dies ermöglicht es, Wartungsarbeiten gezielt und vorausschauend zu planen, ungeplante Stillstandszeiten zu minimieren und die Lebensdauer der Anlagen zu verlängern. Bei komplexen Produkten wie Flugzeugtriebwerken oder Autos können Digitale Zwillinge die Leistung und den Zustand jeder einzelnen Komponente im Laufe der Zeit verfolgen. Dies ist entscheidend für die Qualitätssicherung und die Entwicklung zukünftiger Produkte. Durch die Analyse von Betriebsdaten können Designer und Ingenieure verstehen, wie sich Komponenten unter realen Bedingungen verhalten, und diese Erkenntnisse in die Verbesserung bestehender oder die Entwicklung neuer Designs einfließen lassen. Die Automobilindustrie nutzt Digitale Zwillinge intensiv, um Fahrzeugdesigns zu simulieren, Crashtests virtuell durchzuführen und die Leistung von Komponenten unter verschiedenen Bedingungen zu optimieren. Auch in der Luftfahrt sind Digitale Zwillinge für Flugzeugkomponenten wie Triebwerke unerlässlich, um deren Sicherheit und Zuverlässigkeit über ihre gesamte Lebensdauer zu gewährleisten.Geschätzte Kosteneinsparungen durch Digitale Zwillinge in der Industrie
Einsatzbereiche Digitaler Zwillinge in der Industrie
1. Produktdesign und -entwicklung
Digitale Zwillinge ermöglichen es, Produkte virtuell zu entwickeln, zu testen und zu optimieren, bevor physische Prototypen hergestellt werden. Dies reduziert Entwicklungszeiten und -kosten.2. Fertigungsoptimierung
Die Überwachung und Steuerung von Produktionsprozessen in Echtzeit mithilfe digitaler Zwillinge maximiert die Effizienz, minimiert Ausschuss und verbessert die Produktqualität.3. Prädiktive Instandhaltung
Durch die Analyse von Betriebsdaten können potenzielle Maschinenausfälle vorhergesagt werden, was eine proaktive Wartung und die Vermeidung ungeplanter Stillstandszeiten ermöglicht.4. Lieferkettenmanagement
Digitale Zwillinge können auch zur Abbildung und Optimierung von Lieferketten eingesetzt werden, um Transparenz zu schaffen und Risiken zu minimieren.Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Trotz des enormen Potenzials und der bereits sichtbaren Erfolge von Digitalen Zwillingen gibt es noch erhebliche Herausforderungen, die überwunden werden müssen, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Eine der größten Hürden ist die **Datenintegration und -verwaltung**. Die Erstellung eines umfassenden Digitalen Zwillings erfordert die Sammlung, Verarbeitung und Analyse riesiger Datenmengen aus heterogenen Quellen. Die Gewährleistung der Datenqualität, der Sicherheit und des Datenschutzes ist von entscheidender Bedeutung. Die **Kosten für Implementierung und Wartung** können ebenfalls eine Barriere darstellen, insbesondere für kleinere und mittelständische Unternehmen. Die Anschaffung der notwendigen Hardware (Sensoren, Rechenleistung) und Software sowie die Schulung von Personal erfordern erhebliche Investitionen. Eine weitere Herausforderung ist die **Standardisierung**. Da es sich um eine relativ neue Technologie handelt, gibt es noch keine einheitlichen Standards für die Erstellung und den Betrieb Digitaler Zwillinge. Dies kann die Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen und Plattformen erschweren. Dennoch sind die Zukunftsperspektiven für Digitale Zwillinge immens positiv. Die rasante Weiterentwicklung von Technologien wie **künstlicher Intelligenz (KI)** und **maschinellem Lernen (ML)** wird die Fähigkeiten von Digitalen Zwillingen weiter verbessern. KI wird es ermöglichen, komplexere Muster zu erkennen, präzisere Vorhersagen zu treffen und autonomere Entscheidungen zu treffen. Die zunehmende Verbreitung von **5G-Mobilfunknetzen** wird eine schnellere und zuverlässigere Datenübertragung ermöglichen, was für die Echtzeitkommunikation zwischen dem physischen Objekt und seinem digitalen Zwilling unerlässlich ist. **Augmented Reality (AR)** und **Virtual Reality (VR)** werden neue Wege für die Interaktion mit Digitalen Zwillingen eröffnen, indem sie intuitive und immersive visuelle Schnittstellen bieten. Es wird erwartet, dass Digitale Zwillinge zunehmend auch für die Simulation ganzer Ökosysteme eingesetzt werden, beispielsweise für die Optimierung städtischer Verkehrsströme oder die Steuerung komplexer Energieversorgungsnetze. Die Fähigkeit, komplexe Systeme in ihrer Gesamtheit zu verstehen und zu steuern, wird die Effizienz und Nachhaltigkeit auf globaler Ebene erheblich steigern."Die Reise der Digitalen Zwillinge hat gerade erst begonnen. Wir stehen an der Schwelle zu einer Ära, in der virtuelle und physische Welten nahtlos miteinander verschmelzen werden, um beispiellose Möglichkeiten für Innovation und Problemlösung zu eröffnen."
Die Weiterentwicklung wird sich auch auf immer kleinere Skalen erstrecken, bis hin zu digitalen Zwillingen von einzelnen Molekülen oder Zellen in der pharmazeutischen Forschung.
Wikipedia: Digitaler Zwilling
Reuters: Digital Twins Revolutionize Design and Maintenance
— Prof. Dr. Klaus Müller, Experte für Digitale Transformation, Fraunhofer-Institut
Fazit: Die transformative Kraft der digitalen Replikation
Digitale Zwillinge sind weit mehr als nur ein technologischer Trend. Sie repräsentieren einen fundamentalen Wandel in der Art und Weise, wie wir die physische Welt verstehen, gestalten und optimieren. Von der intelligenten Stadtplanung über die personalisierte Medizin bis hin zur hocheffizienten industriellen Produktion – die Anwendungsfelder sind vielfältig und die Auswirkungen tiefgreifend. Die Fähigkeit, komplexe Systeme virtuell abzubilden und in Echtzeit zu analysieren, ermöglicht es uns, fundiertere Entscheidungen zu treffen, Ressourcen effizienter einzusetzen und innovative Lösungen für die drängendsten Herausforderungen unserer Zeit zu entwickeln. Die fortlaufende Integration von KI, IoT und fortschrittlichen Analysetools wird die Leistungsfähigkeit und Reichweite von Digitalen Zwillingen weiter erhöhen. Während Herausforderungen in Bezug auf Datenmanagement, Kosten und Standardisierung bestehen, sind die Vorteile, die durch die virtuelle Replikation der Realität erzielt werden können, unbestreitbar. Digitale Zwillinge sind ein Schlüsselelement für die Gestaltung einer intelligenteren, nachhaltigeren und menschlicheren Zukunft. Sie sind das lebendige Spiegelbild unserer Welt, das uns hilft, sie besser zu verstehen und aktiv zu gestalten.Was ist der Hauptunterschied zwischen einem Digitalen Zwilling und einer Simulation?
Der Hauptunterschied liegt in der Dynamik und der Echtzeitverbindung. Eine Simulation ist oft statisch und basiert auf vordefinierten Szenarien. Ein Digitaler Zwilling ist dynamisch und wird kontinuierlich durch Echtzeitdaten aus seinem physischen Gegenstück aktualisiert. Er spiegelt den aktuellen Zustand und kann zukünftige Verhaltensweisen vorhersagen.
Welche Branchen profitieren am meisten von Digitalen Zwillingen?
Aktuell profitieren vor allem die produzierende Industrie (Industrie 4.0), das Gesundheitswesen (personalisierte Medizin, OP-Planung), der Städtebau (Smart Cities), die Energiebranche und die Automobilindustrie enorm. Das Potenzial ist jedoch branchenübergreifend.
Sind Digitale Zwillinge nur für große Unternehmen relevant?
Obwohl große Unternehmen oft Vorreiter sind, wird die Technologie auch für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) zugänglicher. Cloud-basierte Lösungen und die Weiterentwicklung der Technologie senken die Einstiegshürden. KMU können von spezialisierten digitalen Zwillingen für bestimmte Prozesse oder Produkte profitieren.
Welche Daten werden für einen Digitalen Zwilling benötigt?
Die Art der benötigten Daten hängt vom spezifischen Anwendungsfall ab. Generell werden Daten von Sensoren (Temperatur, Druck, Vibration, GPS), Betriebsdaten, historischen Wartungsdaten, Konstruktionszeichnungen, Leistungskennzahlen und bei Personal-Zwillingen auch medizinische und genetische Daten benötigt.
