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Dezentrale Identität (DID): Ihr Digitaler Reisepass für die Web3-Ära

Dezentrale Identität (DID): Ihr Digitaler Reisepass für die Web3-Ära
⏱ 15 min

Im Jahr 2023 wurden weltweit über 1,1 Milliarden Datensätze durch Cyberangriffe kompromittiert, was die dringende Notwendigkeit robusterer und benutzerzentrierter Identitätslösungen unterstreicht.

Dezentrale Identität (DID): Ihr Digitaler Reisepass für die Web3-Ära

Die digitale Welt entwickelt sich rasant weiter. Mit dem Aufkommen von Web3, Blockchain-Technologie und dem Internet der Dinge (IoT) stehen wir an der Schwelle zu einer neuen Ära der digitalen Interaktion. Doch mit diesen Fortschritten wächst auch die Komplexität der Verwaltung unserer digitalen Identitäten. Aktuell sind unsere persönlichen Daten oft über zahlreiche Plattformen verstreut, anfällig für Hacks und die Kontrolle liegt meist bei Dritten. Die Dezentrale Identität (DID) verspricht, dieses Paradigma grundlegend zu ändern und uns die Kontrolle über unseren digitalen Fußabdruck zurückzugeben. Sie ist mehr als nur ein Schlagwort; sie ist die technologische Grundlage für einen souveränen Umgang mit persönlichen Informationen im digitalen Zeitalter.

Die Evolution der Identität: Von physisch zu digital

Unsere Identität ist seit jeher ein zentraler Aspekt menschlicher Existenz. Ursprünglich durch physische Merkmale und soziale Interaktionen definiert, hat sie sich mit der zunehmenden Digitalisierung unseres Lebens stark gewandelt. Von der E-Mail-Adresse über Social-Media-Profile bis hin zu Online-Banking-Zugängen – unsere digitale Identität ist heute ein komplexes Geflecht aus Daten, das wir ständig preisgeben. Diese Fragmentierung und die Abhängigkeit von zentralen Anbietern bergen jedoch erhebliche Risiken. Die Dezentrale Identität ist die logische Konsequenz dieser Entwicklung und zielt darauf ab, die Kontrolle wieder in die Hände des Individuums zu legen.

Web3 und die Notwendigkeit neuer Identitätsmodelle

Web3, oft als das dezentrale Internet bezeichnet, basiert auf Technologien wie Blockchain, Smart Contracts und Kryptowährungen. Im Gegensatz zum aktuellen Web 2.0, das von großen Technologiekonzernen dominiert wird, verspricht Web3 mehr Autonomie, Transparenz und Sicherheit für seine Nutzer. Ein Schlüsselelement für die Realisierung dieser Vision ist ein neues Paradigma für digitale Identitäten. Traditionelle, zentralisierte Identitätslösungen sind mit den Prinzipien von Web3 unvereinbar. DIDs bieten hier eine innovative Lösung, die es Nutzern ermöglicht, ihre Identität selbst zu verwalten und selektiv zu teilen, ohne auf vertrauenswürdige Dritte angewiesen zu sein.

Die Grenzen der Zentralisierung: Warum wir ein neues Identitätsmodell brauchen

Der heutige Status Quo der digitalen Identitätsverwaltung ist geprägt von zentralen Plattformen. Ob Google, Facebook, Microsoft oder staatliche Datenbanken – all diese Entitäten speichern und verwalten riesige Mengen an persönlichen Daten. Diese zentrale Speicherung birgt inhärente Schwachstellen. Sie macht die Betreiber zu attraktiven Zielen für Cyberangriffe, führt zu Monopolbildung und schränkt die Datenhoheit des Nutzers stark ein. Die Konsequenzen sind weitreichend: Identitätsdiebstahl, unerwünschtes Tracking, Datenmissbrauch und ein Mangel an Transparenz darüber, wer welche Daten wann und zu welchem Zweck nutzt.

Das Dilemma der zentralisierten Identitäten

Stellen Sie sich vor, Sie müssten für jede Online-Interaktion – vom Einkauf bis zur Teilnahme an einem Online-Kurs – ein neues Konto erstellen, jedes Mal Ihre E-Mail-Adresse und vielleicht sogar Ihre Telefonnummer preisgeben. Das ist die Realität des heutigen Internets. Wenn ein zentraler Dienst gehackt wird, sind potenziell Millionen von Identitäten gefährdet. Die Abhängigkeit von Anbietern bedeutet auch, dass diese die Regeln festlegen und Daten nach eigenem Ermessen nutzen oder weitergeben können. Dies schafft eine Machtungleichheit, die durch dezentrale Lösungen adressiert werden soll.

Datenschutz und Datensicherheit im Fokus

Die jüngsten globalen Datenschutzgesetze wie die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) in Europa sind ein klares Indiz dafür, dass der Bedarf an besserem Datenschutz und stärkerer Datensicherheit steigt. Dennoch stoßen diese Gesetze an ihre Grenzen, wenn die Daten bereits kompromittiert wurden oder wenn die Kontrolle über die Weitergabe bei den Plattformen liegt. DIDs bieten einen proaktiven Ansatz. Anstatt Daten zu sammeln und zu speichern, ermöglichen sie es Nutzern, nur die notwendigen Informationen nachzuweisen (selektive Offenlegung) und diese sicher und direkt mit den Parteien zu teilen, die sie benötigen. Dies reduziert die Angriffsfläche erheblich.

Die Kosten der Datenlecks

Die finanziellen und sozialen Kosten von Datenlecks sind immens. Neben dem direkten Schaden für die betroffenen Individuen entstehen auch hohe Kosten für Unternehmen durch Bußgelder, Reputationsverlust und Kosten für die Reaktion auf Vorfälle. Ein Bericht von IBM aus dem Jahr 2023 bezifferte die durchschnittlichen Kosten eines Datenlecks auf 4,45 Millionen US-Dollar weltweit. Diese Zahl verdeutlicht, wie wichtig es ist, präventive Maßnahmen zu ergreifen, und DIDs sind eine solche Maßnahme.

Vergleich: Zentralisierte vs. Dezentrale Identitätsverwaltung (Risikoanalyse) Merkmal Zentralisierte Identität Dezentrale Identität (DID) Datenhoheit Bei der Plattform/dem Anbieter Beim Nutzer Angriffsfläche für Hacks Hoch (zentrale Datenspeicher) Niedrig (verteilt, nur notwendige Offenlegung) Abhängigkeit von Dritten Hoch Niedrig Kontrolle über Datenweitergabe Gering (nutzerseitig) Hoch (nutzergesteuert) Potenzial für Identitätsdiebstahl Hoch Niedrig

Was sind Dezentrale Identitäten (DIDs) wirklich?

Im Kern ist eine Dezentrale Identität ein eindeutiges, kryptografisch gesichertes Identifikator, der es einer Entität (einer Person, einer Organisation oder einem Gerät) ermöglicht, ihre eigene Identität im digitalen Raum zu verwalten und zu kontrollieren. Anders als bei traditionellen Identitäten, die von einer zentralen Behörde wie einer Regierung oder einem Unternehmen ausgegeben und verwaltet werden, werden DIDs nicht von einer einzelnen Instanz kontrolliert. Sie sind unabhängig von zentralen Verzeichnissen und ermöglichen es dem Inhaber, seine Identität ohne die Notwendigkeit eines Vermittlers zu beweisen.

Selbstsouveräne Identität (SSI) als Leitprinzip

Das Konzept, das hinter DIDs steht, ist die selbstsouveräne Identität (Self-Sovereign Identity, SSI). SSI bedeutet, dass Einzelpersonen die volle Kontrolle über ihre Identitätsdaten haben. Sie entscheiden, welche Informationen sie preisgeben, wem sie diese Informationen preisgeben und wie lange diese Informationen verfügbar sind. DIDs sind das technische Werkzeug, das SSI ermöglicht. Sie sind nicht die Identitätsdaten selbst, sondern vielmehr der "Schlüssel" oder der "Zeiger", der zu diesen Daten führt und deren Authentizität und Integrität gewährleistet.

DID-Dokumente: Der Schlüssel zur Identität

Jede DID ist mit einem sogenannten DID-Dokument verknüpft. Dieses Dokument enthält Informationen wie öffentliche Schlüssel, Authentifizierungsmethoden und Endpunkte, die für die Interaktion mit der DID benötigt werden. Das DID-Dokument wird in einem dezentralen Ledger (wie einer Blockchain) oder einem anderen verteilten Datenspeicher veröffentlicht. Dies stellt sicher, dass das Dokument manipulationssicher und für alle Parteien zugänglich ist, die mit der DID interagieren müssen. Der DID-Identifikator selbst ist ein global eindeutiger URI (Uniform Resource Identifier), der das DID-Dokument auflösbar macht.

Verifizierbare Anmeldeinformationen (VCs): Das Vertrauen in der digitalen Welt

Neben DIDs spielen Verifizierbare Anmeldeinformationen (Verifiable Credentials, VCs) eine entscheidende Rolle im DID-Ökosystem. VCs sind digitale Versionen von Ausweisen, Zertifikaten oder Lizenzen, die von ausstellenden Stellen (z. B. Universitäten, Regierungen, Arbeitgebern) mit kryptografischen Signaturen versehen werden. Der Inhaber einer DID kann diese VCs speichern und selektiv vorlegen, um bestimmte Attribute seiner Identität zu beweisen, ohne die zugrundeliegenden Daten preiszugeben. Ein DID-Nutzer könnte beispielsweise einen VC vorlegen, der seinen Bildungsabschluss bescheinigt, ohne dabei seine vollständige Adresse oder sein Geburtsdatum preiszugeben. Die Verifizierung erfolgt direkt und ohne Rückgriff auf den Aussteller, was den Prozess effizient und datenschutzfreundlich macht.

Eindeutigkeit
Jede DID ist global einzigartig
Kontrolle
Der Nutzer kontrolliert seine DID
Verifizierbarkeit
Identität kann kryptografisch überprüft werden
Unabhängigkeit
Keine Abhängigkeit von zentralen Ausstellern für die Nutzung

Die Kernkomponenten einer DID-Infrastruktur

Eine funktionierende DID-Infrastruktur besteht aus mehreren miteinander verbundenen Elementen, die zusammenarbeiten, um die Erstellung, Verwaltung und Verifizierung von dezentralen Identitäten zu ermöglichen. Diese Komponenten bilden das Fundament für selbstsouveräne Identitätssysteme und gewährleisten, dass Nutzer die Kontrolle über ihre digitale Identität behalten.

DID-Methoden und DID-Register

DID-Methoden definieren, wie DIDs erstellt, aufgelöst und verwaltet werden. Jede DID-Methode ist an einen bestimmten dezentralen Ledger (DLT) oder ein anderes verteilten System gebunden. Beispiele hierfür sind `did:ethr` für die Ethereum-Blockchain oder `did:sov` für die Hyperledger Indy-Plattform. Das DID-Register ist die zugrundeliegende Technologie (z. B. eine Blockchain), auf der die DID-Dokumente gespeichert und die Transaktionen zur Erstellung und Aktualisierung von DIDs abgewickelt werden. Diese dezentrale Natur der Register macht das System widerstandsfähig gegen Zensur und Single Points of Failure.

DID-Wallets und Agenten

Die DID-Wallet ist das zentrale Werkzeug für den Endnutzer. Sie ist eine Anwendung, die es Nutzern ermöglicht, ihre DIDs zu erstellen, zu speichern, zu verwalten und ihre VCs zu empfangen und zu präsentieren. Die DID-Wallet fungiert als sicherer Speicher für private Schlüssel und als Schnittstelle zur DID-Infrastruktur. DID-Agenten können als Software-Module fungieren, die im Hintergrund laufen und für die kryptografische Verarbeitung, die Kommunikation mit dem DID-Register und die Interaktion mit Verifizierern zuständig sind. Sie stellen sicher, dass die Wallet sicher und effizient arbeitet.

DID-Resolvers und Verifizierer

Ein DID-Resolver ist eine Softwarekomponente, die eine DID als Eingabe nimmt und das zugehörige DID-Dokument zurückgibt. Dieser Prozess wird als "Auflösung" bezeichnet. Sobald das DID-Dokument abgerufen wurde, können Verifizierer (oft eine andere Partei, die die Identität einer Person oder Organisation überprüfen muss) die Authentizität der von der DID-besitzenden Partei vorgelegten VCs überprüfen. Dies geschieht durch kryptografische Überprüfung der Signaturen auf den VCs und der Informationen im DID-Dokument, um sicherzustellen, dass die präsentierten Anmeldeinformationen gültig und von einer vertrauenswürdigen Quelle ausgestellt wurden.

Ökosysteme und Standards

Damit DIDs interoperabel sind, ist die Einhaltung von offenen Standards unerlässlich. Organisationen wie das World Wide Web Consortium (W3C) entwickeln und pflegen Standards für DIDs und VCs. Diese Standards (z. B. die DID-Spezifikation) stellen sicher, dass DIDs, die auf unterschiedlichen Plattformen erstellt wurden, von verschiedenen Anwendungen und Diensten verstanden und genutzt werden können. Die Entwicklung von DID-Ökosystemen, die eine breite Palette von Anbietern, Nutzern und Diensten umfassen, ist entscheidend für die breite Akzeptanz.

Wichtige Akteure im DID-Ökosystem
Nutzer (DID-Besitzer)25%
Aussteller von VCs20%
Verifizierer20%
DID-Register/Ledger15%
Entwickler/Tool-Anbieter10%
Standardisierungsgremien10%

Vorteile von DIDs: Mehr Kontrolle, mehr Sicherheit, mehr Vertrauen

Die Implementierung von DIDs bringt eine Reihe von signifikanten Vorteilen mit sich, die das Potenzial haben, die digitale Landschaft grundlegend zu verbessern. Diese Vorteile erstrecken sich von der individuellen Datensouveränität bis hin zur Schaffung eines transparenteren und vertrauenswürdigeren digitalen Ökosystems.

Erhöhte Datensouveränität und Kontrolle

Der offensichtlichste Vorteil ist die Rückgabe der Kontrolle an den Nutzer. Mit DIDs sind Sie nicht länger von zentralen Datenbanken abhängig, die Ihre Identität verwalten. Sie entscheiden, welche Daten Sie teilen, wann Sie sie teilen und mit wem. Dies ist ein fundamentaler Wandel hin zu einer nutzerzentrierten digitalen Welt, in der Ihre persönlichen Informationen Ihnen gehören.

Verbesserte Sicherheit und Datenschutz

Durch die Reduzierung zentraler Datenspeicher verringert sich die Angriffsfläche für Cyberkriminelle drastisch. Anstatt riesige Datenbanken zu hacken, müssten Angreifer auf individuelle Wallets zugreifen, was wesentlich schwieriger ist. Darüber hinaus ermöglicht die selektive Offenlegung von Informationen durch VCs, dass nur die absolut notwendigen Daten preisgegeben werden, was den Datenschutz erheblich stärkt.

Reduzierte Abhängigkeit von Dritten

DIDs minimieren die Notwendigkeit, vertrauenswürdigen Dritten (wie Social-Media-Plattformen oder Identitätsanbietern) zu vertrauen, die oft im eigenen Interesse handeln. Sie können sich direkt mit Dienstleistern verbinden, Ihre Identität nachweisen und Transaktionen durchführen, ohne dass eine zentrale Instanz dazwischengeschaltet ist oder Ihre Daten sammelt.

Effizienz und Vereinfachung

Stellen Sie sich vor, Sie müssten nur noch eine DID-Wallet besitzen, um sich bei unzähligen Diensten anzumelden und zu authentifizieren. DIDs können den Prozess der Online-Identifizierung und -Authentifizierung erheblich vereinfachen. Anstatt sich unzählige Passwörter zu merken oder immer wieder dieselben persönlichen Daten einzugeben, können Sie Ihre DID und die relevanten VCs einfach und sicher vorlegen.

Schaffung von Vertrauen durch kryptografische Beweise

Die Verifizierung von DIDs und VCs erfolgt über kryptografische Beweise. Dies bedeutet, dass die Identität und die vorgelegten Informationen mathematisch verifiziert werden können, was ein höheres Maß an Vertrauen schafft als herkömmliche Vertrauensmodelle, die auf Reputationssystemen oder zentralen Zertifizierungsstellen basieren.

"Dezentrale Identitäten sind nicht nur eine technologische Verbesserung, sondern eine philosophische Verschiebung hin zur Ermächtigung des Individuums im digitalen Raum. Sie sind der Schlüssel zur Verwirklichung des vollen Potenzials von Web3, indem sie ein Fundament für Vertrauen und Sicherheit schaffen, auf dem neue Anwendungen und Dienste aufgebaut werden können."
— Dr. Anya Sharma, Principal Researcher, Institute for Digital Sovereignty

Anwendungsfälle: Wo DIDs die Zukunft gestalten

Die Anwendungsbereiche für dezentrale Identitäten sind vielfältig und weitreichend. Von der Erschließung neuer Geschäftsmodelle bis hin zur Verbesserung bestehender Prozesse – DIDs versprechen, viele Sektoren zu revolutionieren und gleichzeitig die Privatsphäre und Sicherheit der Nutzer zu stärken.

Finanzdienstleistungen und KYC/AML

Im Finanzwesen ist die Einhaltung von Know Your Customer (KYC) und Anti-Money Laundering (AML) Vorschriften entscheidend. Mit DIDs können Nutzer ihre Identität und ihre relevanten Dokumente (z. B. Ausweis, Adressnachweis) einmalig verifizieren lassen und diese verifizierten Anmeldeinformationen dann sicher und selektiv für verschiedene Finanzinstitute verwenden. Dies reduziert den Aufwand für Kunden und Institute erheblich und verbessert die Datensicherheit.

Bildung und Zertifizierung

Universitäten und andere Bildungseinrichtungen können Abschlusszeugnisse und Zertifikate als VCs ausstellen. Absolventen können diese dann in ihrer DID-Wallet speichern und Arbeitgebern oder anderen Institutionen vorlegen, um ihre Qualifikationen nachzuweisen, ohne dass die Institutionen auf die Archive der ausstellenden Einrichtungen zurückgreifen müssen. Dies beschleunigt den Einstellungsprozess und bietet eine fälschungssichere Möglichkeit, Bildungsnachweise zu erbringen.

Gesundheitswesen und Patientendaten

In der Medizin können Patienten ihre Gesundheitsakten und medizinischen Nachweise als VCs verwalten. Dies ermöglicht ihnen, Ärzten, Krankenhäusern oder Versicherungen selektiv Zugriff auf ihre Daten zu gewähren, wann immer dies notwendig ist. Gleichzeitig behalten sie die volle Kontrolle darüber, wer wann auf ihre sensiblen Gesundheitsinformationen zugreifen kann, was den Datenschutz und die Patientensouveränität erheblich verbessert.

IoT und Geräteidentitäten

Nicht nur Menschen, sondern auch Geräte können mit DIDs ausgestattet werden. Dies ermöglicht eine sichere Authentifizierung und Autorisierung von IoT-Geräten in vernetzten Umgebungen. Ein Smart Home-Gerät könnte beispielsweise eine DID haben, die seine Herkunft und seine Berechtigungen verifiziert, bevor es mit dem Netzwerk interagiert.

Digitale Identitäten für die öffentliche Verwaltung

Auch staatliche Dienstleistungen können von DIDs profitieren. Bürger könnten ihre Identität sicher für digitale Amtsgeschäfte nachweisen, ohne dass ihre Daten zentral gespeichert werden. Dies könnte von der Beantragung von Ausweisdokumenten bis hin zur Stimmabgabe reichen und die Effizienz und Sicherheit staatlicher Prozesse erhöhen.

Potenzielle Anwendungsfälle von DIDs Sektor Problem DID-Lösung Finanzwesen Zeitaufwändige KYC/AML-Prozesse, Datenrisiken Einmalige, wiederverwendbare verifizierte Identitäten Bildung Nachweis von Qualifikationen, gefälschte Zeugnisse Kryptografisch signierte, verifizierbare Bildungsnachweise (VCs) Gesundheitswesen Datenschutzbedenken, eingeschränkter Patientenzugriff Patientenkontrollierte Gesundheitsakten (VCs) IoT Sicherheitslücken, Geräteauthentifizierung Eindeutige, sichere Geräteidentitäten (DIDs) E-Commerce Betrug, Identitätsdiebstahl, unzählige Logins Sichere, selektive Identitätsnachweise

Herausforderungen und Ausblick: Der Weg zur breiten Akzeptanz

Trotz des enormen Potenzials von DIDs gibt es noch erhebliche Hürden zu überwinden, bevor sie zu einem integralen Bestandteil unseres digitalen Lebens werden. Die Bewältigung dieser Herausforderungen ist entscheidend für die breite Akzeptanz und den Erfolg der dezentralen Identitätsbewegung.

Benutzerfreundlichkeit und Bildung

Einer der größten Stolpersteine ist die Komplexität. Die Erstellung und Verwaltung von DIDs sowie die Nutzung von DID-Wallets müssen für den Durchschnittsnutzer so einfach wie möglich gestaltet werden. Dies erfordert intuitive Benutzeroberflächen und eine umfassende Aufklärung über die Vorteile und Funktionsweise von DIDs. Viele Menschen sind mit dem Konzept von Kryptografie und dezentralen Systemen noch nicht vertraut.

Interoperabilität und Standardisierung

Obwohl Standards wie die von W3C entwickelt werden, ist die vollständige Interoperabilität zwischen verschiedenen DID-Methoden und -Plattformen noch nicht vollständig erreicht. Die Entwicklung eines robusten und nahtlosen Ökosystems, in dem verschiedene DID-Lösungen reibungslos zusammenarbeiten können, ist eine fortlaufende Aufgabe. Branchenweite Zusammenarbeit und die strikte Einhaltung von Standards sind hierfür unerlässlich.

Regulatorische und rechtliche Rahmenbedingungen

Die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für DIDs entwickeln sich noch. Es gibt Unsicherheiten bezüglich der Anerkennung von DIDs und VCs durch staatliche Stellen und etablierte Institutionen. Die Schaffung klarer rechtlicher Rahmenbedingungen, die die Gültigkeit und Nutzbarkeit von DIDs und VCs anerkennen, ist entscheidend für ihre Adoption.

Skalierbarkeit und Leistung

Einige der zugrundeliegenden dezentralen Ledger, die für DID-Register verwendet werden, können Skalierbarkeitsprobleme aufweisen. Wenn DIDs und VCs von Milliarden von Nutzern weltweit verwendet werden sollen, müssen die zugrundeliegenden Technologien in der Lage sein, ein entsprechend hohes Transaktionsvolumen zu bewältigen. Lösungen wie Layer-2-Skalierungstechniken oder performantere DLTs sind hierfür von Bedeutung.

Der Blick nach vorn: Ein offenes und souveränes Web

Trotz der Herausforderungen ist der Trend unverkennbar. Immer mehr Unternehmen, Regierungen und Organisationen erkennen das Potenzial von DIDs und SSI. Die Entwicklungen im Bereich der dezentralen Identität schreiten schnell voran, und es ist wahrscheinlich, dass wir in den kommenden Jahren eine zunehmende Integration von DIDs in unseren digitalen Alltag erleben werden. Der Weg zur breiten Akzeptanz mag lang sein, aber das Versprechen eines offeneren, sichereren und nutzerzentrierteren digitalen Universums, das DIDs ermöglichen, ist die Anstrengung wert.

Was ist der Unterschied zwischen einer digitalen Identität und einer dezentralen Identität (DID)?
Eine traditionelle digitale Identität wird von einer zentralen Stelle (z. B. einem Unternehmen oder einer Regierung) kontrolliert und verwaltet. Eine dezentrale Identität (DID) hingegen wird vom Nutzer selbst kontrolliert und ist unabhängig von zentralen Anbietern. Sie nutzt kryptografische Methoden, um Identitätsansprüche zu verifizieren.
Muss ich für meine DID eine Blockchain nutzen?
Nicht unbedingt. DIDs können auf verschiedenen Arten von dezentralen oder verteilten Ledgern (DLTs) basieren, einschließlich Blockchains wie Ethereum oder Hyperledger Indy. Es gibt jedoch auch DID-Methoden, die andere Mechanismen für die Speicherung und Auflösung von DID-Dokumenten nutzen, die nicht zwangsläufig eine öffentliche Blockchain erfordern.
Was passiert, wenn ich mein Passwort für meine DID-Wallet verliere?
Der Verlust des Zugangs zu Ihrer DID-Wallet kann zum Verlust Ihrer DID und der damit verbundenen verifizierbaren Anmeldeinformationen führen, wenn keine Wiederherstellungsmechanismen eingerichtet sind. Gute DID-Wallet-Anbieter bieten Wiederherstellungsoptionen an, die jedoch sorgfältig gestaltet sein müssen, um die dezentralen Prinzipien nicht zu untergraben.
Wie sicher sind Verifizierbare Anmeldeinformationen (VCs)?
VCs sind durch kryptografische Signaturen gesichert und werden vom Aussteller signiert. Dies stellt sicher, dass sie authentisch sind und nicht manipuliert wurden. Der Inhaber der DID kann die VCs selektiv und nachweisbar sicher vorlegen, was die Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit des Prozesses erhöht.