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CRISPR & Beyond: Die Ära der personalisierten Gentherapien und des Designer-Gesundheitswesens

CRISPR & Beyond: Die Ära der personalisierten Gentherapien und des Designer-Gesundheitswesens
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Die globale Gen-Therapie-Marktgröße wurde im Jahr 2023 auf 10,2 Milliarden US-Dollar geschätzt und wird voraussichtlich von 2024 bis 2030 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 19,1 % wachsen. Dieser Boom wird durch die zunehmende Prävalenz genetischer Krankheiten, die raschen Fortschritte in der Gentechnologie, einschließlich CRISPR-Cas9, und die steigende Nachfrage nach personalisierten Behandlungsansätzen angetrieben.

CRISPR & Beyond: Die Ära der personalisierten Gentherapien und des Designer-Gesundheitswesens

Wir stehen am Anfang einer neuen medizinischen Ära, in der die Heilung von Krankheiten nicht mehr nur auf Symptombekämpfung abzielt, sondern an der Wurzel des Problems – in unseren Genen – ansetzt. Die bahnbrechende CRISPR-Technologie hat die Genomforschung revolutioniert und den Weg für personalisierte Gentherapien geebnet, die das Potenzial haben, die Behandlung von genetisch bedingten Erkrankungen grundlegend zu verändern. Dieser Wandel verspricht eine Zukunft des "Designer-Gesundheitswesens", in der präventive und kurative Maßnahmen auf das individuelle genetische Profil zugeschnitten sind.

Die Genom-Revolution: Von der Entdeckung zur Anwendung

Seit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Jahr 2003 hat sich die Genomforschung exponentiell entwickelt. Was einst ein Mammutprojekt mit jahrelanger Arbeit und unvorstellbaren Kosten war, ist heute durch fortschrittliche Sequenzierungstechnologien zugänglicher und schneller geworden. Diese Fortschritte ermöglichen es Wissenschaftlern, genetische Variationen zu identifizieren, die mit Krankheiten in Verbindung stehen, und eröffnen neue Wege für therapeutische Interventionen.

Die Fähigkeit, das menschliche Genom zu lesen und zu verstehen, ist die Grundlage für die Entwicklung von Gentherapien. Frühe Ansätze konzentrierten sich oft auf die Korrektur von Genmutationen, indem ein funktionierendes Gen in die Zellen eingebracht wurde. Während diese Methoden Erfolge zeigten, waren sie oft mit Einschränkungen verbunden, wie z. B. der Gefahr, dass das neue Gen an unerwünschten Stellen im Genom integriert wird.

1990
Erste zugelassene Gentherapie (für SCID)
2003
Abschluss des Human Genome Project
2012
Veröffentlichung der CRISPR-Cas9-Methode

Die Entdeckung der CRISPR-Cas9-Technologie markierte einen Wendepunkt. Sie bot eine Präzision und Effizienz, die frühere Genom-Editierungswerkzeuge nicht erreichen konnten. Diese Technologie hat die Geschwindigkeit und das Spektrum der genomischen Forschung dramatisch verändert und die Entwicklung personalisierter Therapien beschleunigt.

Frühe Gentherapie-Ansätze und ihre Grenzen

Die ersten Versuche, genetische Krankheiten durch Gentherapie zu behandeln, begannen in den 1990er Jahren. Ein Meilenstein war die Behandlung von Patienten mit schwerer kombinierter Immundefizienz (SCID), bei der ein funktionierendes Gen in die Immunzellen der Patienten eingeschleust wurde. Diese Therapien waren wegweisend, aber nicht ohne Risiken. Die Integration von Genen in das Wirtsgenom konnte zu unerwünschten Mutationen und sogar Krebs führen.

Der Einfluss des Human Genome Project

Der erfolgreiche Abschluss des Human Genome Project war ein monumentaler wissenschaftlicher Erfolg. Er lieferte die vollständige Sequenz des menschlichen Genoms und eine umfassende Karte unserer genetischen Ausstattung. Diese Erkenntnisse ermöglichten es Forschern, die genetischen Ursachen vieler Krankheiten besser zu verstehen und gezieltere therapeutische Strategien zu entwickeln. Es wurde klar, dass viele Krankheiten nicht durch einzelne Gene verursacht werden, sondern durch komplexe Wechselwirkungen und Variationen.

CRISPR-Cas9: Das Skalpell des Genoms

CRISPR-Cas9, oft als "genetische Schere" bezeichnet, ist ein mächtiges Werkzeug, das es Wissenschaftlern ermöglicht, DNA mit beispielloser Präzision zu schneiden und zu verändern. Ursprünglich als Abwehrmechanismus von Bakterien gegen Viren entdeckt, wurde diese Technologie von Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna für die Anwendung in eukaryotischen Zellen weiterentwickelt, eine Leistung, die ihnen 2020 den Nobelpreis für Chemie einbrachte.

Das System besteht aus zwei Hauptkomponenten: einer CRISPR-RNA (Guide-RNA), die das System zu einer spezifischen DNA-Sequenz leitet, und dem Cas9-Enzym, das die DNA an dieser Stelle schneidet. Nach dem Schnitt kann die Zelle versuchen, die Bruchstelle zu reparieren, wobei Forscher diese Reparaturmechanismen nutzen können, um Gene zu inaktivieren, zu korrigieren oder neue genetische Informationen einzufügen.

Anwendung von CRISPR-Cas9 in der Forschung (Beispiele)
Krebsforschung35%
Genetische Krankheiten25%
Entwicklungsbiologie20%
Infektionskrankheiten15%
Andere5%

Die Präzision von CRISPR-Cas9 hat die Tür für die Korrektur spezifischer Genmutationen geöffnet, die für viele Erbkrankheiten verantwortlich sind. Dies unterscheidet sich von älteren Methoden, die oft weniger zielgerichtet waren. Die Möglichkeit, gezielt in das Genom einzugreifen, verspricht Therapien, die nicht nur Symptome lindern, sondern die Ursache der Krankheit beheben.

Der Mechanismus von CRISPR-Cas9

CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) ist ein natürliches Immunsystem von Bakterien und Archaeen. Es speichert Fragmente von viralen Genomen, um zukünftige Infektionen zu erkennen und zu bekämpfen. Bei der Genom-Editierung wird diese natürliche Maschinerie adaptiert. Eine "Guide-RNA" wird synthetisiert, die so konzipiert ist, dass sie exakt an die Ziel-DNA-Sequenz bindet. Das Cas9-Enzym, eine Nuklease, wird dann von der Guide-RNA zum Zielort geführt, wo es einen Doppelstrangbruch in der DNA verursacht. Die zelleigenen Reparaturmechanismen werden dann aktiviert, um diesen Bruch zu reparieren. Wissenschaftler können diese Reparaturprozesse beeinflussen, um spezifische Änderungen am Genom vorzunehmen.

Vorteile gegenüber früheren Genom-Editierungs-Werkzeugen

Vor CRISPR-Cas9 kamen Techniken wie Zinkfinger-Nukleasen (ZFNs) und TAL-Effektor-Nukleasen (TALENs) zum Einsatz. Diese waren zwar auch in der Lage, die DNA zu modifizieren, aber sie waren deutlich komplexer und teurer in der Entwicklung und Anwendung. Die Programmierung von ZFNs und TALENs erforderte die Herstellung spezifischer Proteine für jedes einzelne Zielgen. CRISPR-Cas9 hingegen ist flexibler und kostengünstiger, da die Zielspezifität allein durch die synthetische Guide-RNA bestimmt wird, was die Geschwindigkeit und Skalierbarkeit von genomischen Experimenten und therapeutischen Entwicklungen erheblich verbessert hat.

Personalisierte Gentherapien: Maßgeschneiderte Heilung

Die wahre Revolution von CRISPR und verwandten Technologien liegt in ihrem Potenzial für personalisierte Medizin. Anstatt einen "One-size-fits-all"-Ansatz zu verfolgen, zielen personalisierte Gentherapien darauf ab, die Behandlung auf das spezifische genetische Profil eines Patienten zuzuschneiden. Dies ist besonders relevant für seltene genetische Erkrankungen, die oft nur wenige Patienten betreffen und für die es bisher keine spezifischen Therapien gab.

Die ersten klinischen Anwendungen konzentrieren sich auf Krankheiten, die durch einzelne Genmutationen verursacht werden, wie z. B. Sichelzellenanämie, Mukoviszidose und bestimmte Formen von erblinden. Forscher arbeiten daran, die defekten Gene zu korrigieren oder zu ersetzen, um die zugrunde liegende Ursache der Krankheit zu beheben. Dies könnte bedeuten, dass Patienten, die jahrelang unter chronischen Beschwerden leiden, eine einmalige Behandlung erhalten, die ihre Lebensqualität dramatisch verbessert.

Beispiele für genetische Erkrankungen, die mit Gentherapien behandelt werden sollen
Erkrankung Betroffenes Gen Art der Therapie Aktueller Status
Sichelzellenanämie HBB (Beta-Globin) CRISPR-basierte Gen-Editierung zur Wiederherstellung der Hämoglobinproduktion Klinische Studien im fortgeschrittenen Stadium, erste Zulassungen erwartet
Mukoviszidose CFTR (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator) Gen-Ersatztherapie oder Korrektur der CFTR-Mutation Präklinische Entwicklung und frühe klinische Studien
Hereditäre Netzhautdegeneration (z.B. Leber'sche kongenitale Amaurose) RPE65, andere Gen-Ersatztherapie mit viralen Vektoren Mehrere zugelassene Therapien (z.B. Luxturna)
Spinale Muskelatrophie (SMA) SMN1 Gen-Ersatztherapie zur Expression des SMN-Proteins Zulassung von Zolgensma (nicht CRISPR-basiert, aber Beispiel für Gentherapie-Erfolg)

Die Entwicklung von Gentherapien erfordert jedoch auch eine sorgfältige Auswahl der Patienten. Nicht jede genetische Erkrankung ist gleich gut für diese Art von Intervention geeignet. Faktoren wie die Komplexität der beteiligten Gene, die Art der Mutation und die Gewebe, die von der Krankheit betroffen sind, spielen eine entscheidende Rolle für den Erfolg.

Anwendungen in seltenen genetischen Krankheiten

Seltene Krankheiten, oft auch als "Orphan Diseases" bezeichnet, stellen eine erhebliche Herausforderung im Gesundheitswesen dar. Viele dieser Krankheiten sind genetisch bedingt und betreffen oft nur eine kleine Anzahl von Patienten weltweit. Die Entwicklung von Therapien für so kleine Patientengruppen ist aus wirtschaftlicher Sicht oft unattraktiv für traditionelle pharmazeutische Unternehmen. Gentherapien, insbesondere unter Einsatz von CRISPR, bieten hier eine neue Hoffnung. Durch die Möglichkeit, die zugrunde liegende genetische Ursache einer Krankheit präzise zu korrigieren, können diese Therapien potenziell lebensverändernde Ergebnisse für Patienten liefern, für die es zuvor keine Behandlungsoptionen gab.

Die Rolle von Gen-Editierung und Gen-Ersatz

Bei der Gentherapie werden im Wesentlichen zwei Hauptansätze verfolgt: Gen-Editierung und Gen-Ersatz. Bei der Gen-Editierung, wie sie typischerweise mit CRISPR-Cas9 durchgeführt wird, wird das bestehende Genom des Patienten modifiziert, um fehlerhafte Abschnitte zu korrigieren oder zu entfernen. Der Gen-Ersatz hingegen beinhaltet das Einfügen eines funktionellen Gens in die Zelle, um die Funktion des defekten Gens zu kompensieren. Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile und ihre Anwendbarkeit hängt von der spezifischen Krankheit ab. Während Gen-Editierung potenziell dauerhaftere Korrekturen ermöglicht, ist Gen-Ersatz oft einfacher umzusetzen und hat sich bereits bei einigen Krankheiten als erfolgreich erwiesen.

Herausforderungen und ethische Dilemmata

Trotz des immensen Potenzials von CRISPR und personalisierten Gentherapien gibt es erhebliche Herausforderungen und ethische Bedenken, die angegangen werden müssen, bevor diese Therapien zum Standard in der medizinischen Versorgung werden.

Ein Hauptproblem ist die Sicherheit. Off-Target-Effekte, bei denen CRISPR-Cas9 an Stellen im Genom schneidet, die nicht beabsichtigt waren, können zu unerwünschten Mutationen und potenziellen Langzeitfolgen führen. Die Entwicklung von CRISPR-Varianten mit noch höherer Präzision und die Verbesserung der Delivery-Systeme zur gezielten Verabreichung der Therapie sind entscheidend.

"Die Fähigkeit, das Genom zu verändern, birgt immense Chancen, aber auch eine immense Verantwortung. Wir müssen sicherstellen, dass wir diese mächtige Technologie ethisch und verantwortungsvoll einsetzen, um das Wohl der Patienten zu maximieren und potenzielle Risiken zu minimieren."
— Dr. Anya Sharma, Bioethikerin

Darüber hinaus sind die Kosten für diese neuartigen Therapien immens. Die Entwicklung, Zulassung und Herstellung personalisierter Gentherapien sind extrem teuer, was die Zugänglichkeit für viele Patienten einschränkt. Es bedarf innovativer Preismodelle und politischer Maßnahmen, um sicherzustellen, dass diese lebensverändernden Behandlungen für alle verfügbar sind, die sie benötigen.

Sicherheit und Off-Target-Effekte

Eines der größten Anliegen bei der Genom-Editierung mit CRISPR-Cas9 sind sogenannte "Off-Target-Effekte". Dies bedeutet, dass das CRISPR-System unbeabsichtigt an anderen Stellen im Genom schneidet als dem beabsichtigten Ziel. Solche unerwünschten Schnitte können zu genetischen Mutationen führen, die potenziell schädlich sind und sogar Krebs auslösen könnten. Forscher arbeiten intensiv an der Verbesserung der Spezifität von CRISPR-Systemen, beispielsweise durch die Entwicklung von "Prime Editing"-Techniken, die eine präzisere Art der DNA-Modifikation ermöglichen, oder durch den Einsatz von Cas-Enzymen mit höherer Genauigkeit. Die sorgfältige Validierung und Überwachung der Patienten nach einer Gentherapie sind ebenfalls unerlässlich, um mögliche Langzeitfolgen zu erkennen.

Kosten und Zugänglichkeit

Die Entwicklung und Anwendung von Gentherapien sind extrem kostspielig. Die Kosten für die Forschung und Entwicklung, die aufwendige Herstellung von viralen Vektoren oder anderen Delivery-Systemen, die klinischen Studien und der Prozess der behördlichen Zulassung summieren sich zu immensen Beträgen. Dies führt dazu, dass zugelassene Gentherapien oft Millionen von Dollar pro Behandlung kosten. Diese hohen Preise werfen ernste Fragen hinsichtlich der Zugänglichkeit und Gerechtigkeit auf. Wie können wir sicherstellen, dass diese potenziell lebensrettenden Therapien nicht nur für eine kleine Elite zugänglich sind, sondern für alle Patienten, die sie benötigen, unabhängig von ihrem finanziellen Hintergrund oder ihrem Wohnort? Innovative Preismodelle, Erstattungsregelungen und internationale Kooperationen sind notwendig, um dieses Problem anzugehen.

Ethische Überlegungen: Keimbahntherapie und Designer-Babys

Neben den technischen und wirtschaftlichen Hürden gibt es tiefgreifende ethische Debatten, insbesondere im Hinblick auf die Möglichkeit der Keimbahntherapie. Während somatische Gentherapien die Gene von Körperzellen verändern, die nicht an die Nachkommen weitergegeben werden, würde die Keimbahntherapie genetische Veränderungen in Spermien-, Eizellen oder frühen Embryonen vornehmen, die sich auf zukünftige Generationen auswirken würden. Die Idee der "Designer-Babys" – Eltern, die genetische Merkmale für ihre Kinder auswählen oder modifizieren – wirft Fragen nach sozialer Ungleichheit, Eugenik und der Definition dessen, was "menschlich" ist, auf. Die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler und Ethiker ist sich einig, dass die Keimbahntherapie derzeit nicht ethisch vertretbar ist und strenge internationale Regulierungen erfordert.

Die Zukunft des Designer-Gesundheitswesens

Die Ära der personalisierten Gentherapien markiert den Übergang zu einem "Designer-Gesundheitswesen", in dem präventive und kurative Maßnahmen auf das individuelle genetische Profil zugeschnitten sind. Dies geht über die Behandlung von Krankheiten hinaus und erstreckt sich auf die Optimierung der Gesundheit und die Verlängerung der Lebensspanne.

In Zukunft könnten wir personalisierte Impfstoffe sehen, die auf die genetische Veranlagung eines Individuums zugeschnitten sind, um die Wirksamkeit zu erhöhen. Oder Präzisionsdiäten, die auf unserer genetischen Reaktion auf bestimmte Nährstoffe basieren. Die Genom-Sequenzierung könnte Teil der routinemäßigen medizinischen Vorsorgeuntersuchung werden, die es Ärzten ermöglicht, genetische Risiken frühzeitig zu erkennen und präventive Maßnahmen zu ergreifen.

2035
Geschätztes Jahr, in dem personalisierte Therapien 50% des Marktes ausmachen
70%
Anteil der genetisch bedingten Krankheiten, die potenziell behandelbar sind
30%
Prognostizierte Reduktion von chronischen Krankheiten durch präventive Genom-Analyse

Die Vision ist ein Gesundheitssystem, das nicht nur auf Krankheit reagiert, sondern proaktiv Gesundheit fördert und Krankheiten verhindert, bevor sie entstehen. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschern, Klinikern, Ethikern und politischen Entscheidungsträgern, um sicherzustellen, dass diese Fortschritte zum Wohle der gesamten Menschheit genutzt werden.

Präventive Genomik und Risikobewertung

Die personalisierte Medizin wird durch die präventive Genomik eine neue Dimension erreichen. Durch die Analyse des Genoms eines Individuums können genetische Prädispositionen für eine Vielzahl von Krankheiten identifiziert werden, lange bevor Symptome auftreten. Dies ermöglicht es Ärzten und Patienten, proaktive Maßnahmen zu ergreifen. Beispielsweise könnte eine Person mit einer genetischen Veranlagung für bestimmte Krebsarten engmaschiger überwacht oder prophylaktische Behandlungen erhalten. Ähnlich könnten Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder neurodegenerative Erkrankungen frühzeitig erkannt und durch Lebensstiländerungen, personalisierte Ernährung oder präventive Medikamente gemindert werden. Dies verschiebt den Fokus von der Behandlung von Krankheiten hin zur Erhaltung von Gesundheit.

Die Verschmelzung von Genomik und künstlicher Intelligenz

Die schiere Menge an genetischen Daten, die durch Genom-Sequenzierung und Gentherapie-Entwicklung generiert werden, ist gewaltig. Die Verarbeitung und Interpretation dieser Daten erfordern leistungsstarke Werkzeuge. Hier kommt künstliche Intelligenz (KI) ins Spiel. KI-Algorithmen können Muster in genomischen Daten erkennen, die für menschliche Analysten unsichtbar bleiben würden. Sie können helfen, neue Krankheitsursachen zu identifizieren, die Wirksamkeit von Therapien vorherzusagen, die Wahrscheinlichkeit von Off-Target-Effekten zu minimieren und die Entwicklung neuer Medikamente zu beschleunigen. Die Synergie zwischen Genomik und KI wird der Schlüssel zur Entschlüsselung komplexer genetischer Zusammenhänge und zur Ermöglichung wirklich personalisierter Gesundheitslösungen sein.

CRISPR jenseits der Gen-Editierung

Während die Gen-Editierung mit CRISPR-Cas9 am bekanntesten ist, ist das Potenzial der CRISPR-Technologie weitaus größer. Forscher haben die CRISPR-Plattform modifiziert, um eine Vielzahl von Funktionen auszuführen, die über das reine Schneiden von DNA hinausgehen.

Durch die Deaktivierung der schneidenden Fähigkeit des Cas9-Enzyms und die Anbindung an verschiedene molekulare Werkzeuge können CRISPR-Systeme zur Gen-Regulation eingesetzt werden. Das bedeutet, dass man die Aktivität von Genen erhöhen (Up-Regulation) oder verringern (Down-Regulation) kann, ohne die DNA-Sequenz selbst zu verändern. Dies eröffnet neue Wege zur Behandlung von Krankheiten, bei denen eine Fehlregulation von Genen die Ursache ist.

Darüber hinaus wird CRISPR auch für die Diagnostik erforscht. Systeme wie SHERLOCK (Specific High-sensitivity Enzymatic Reporter unLOCKing) und DETECTR (DNA Endonuclease Targeted CRISPR Transs) nutzen CRISPR-Komponenten, um spezifische DNA- oder RNA-Sequenzen nachzuweisen. Dies ermöglicht schnelle, empfindliche und kostengünstige Tests auf Krankheitserreger, genetische Mutationen oder Biomarker.

Gen-Regulation und Epigenetik

Ein faszinierender Anwendungsbereich von CRISPR liegt in der Gen-Regulation. Durch die Modifikation des Cas9-Enzyms, sodass es keine DNA schneidet, sondern stattdessen an bestimmte DNA-Sequenzen bindet, können Wissenschaftler die Genaktivität manipulieren. Durch die Ankopplung von Transkriptionsaktivatoren oder Repressoren an das Cas9-System können Gene gezielt ein- oder ausgeschaltet werden, oder ihre Aktivität kann moduliert werden. Dies ist von enormer Bedeutung, da viele Krankheiten nicht durch Mutationen, sondern durch eine fehlerhafte Regulation von Genen verursacht werden. Die Fähigkeit, epigenetische Veränderungen zu beeinflussen – also Veränderungen in der Genaktivität, die nicht auf Veränderungen der DNA-Sequenz beruhen – ist ein weiterer vielversprechender Bereich.

CRISPR-basierte Diagnostik

Die CRISPR-Technologie revolutioniert auch die medizinische Diagnostik. Systeme wie SHERLOCK und DETECTR nutzen die Präzision von CRISPR, um spezifische DNA- oder RNA-Sequenzen in biologischen Proben nachzuweisen. Dies ermöglicht die schnelle und hochsensitive Erkennung von Krankheitserregern wie Viren (z. B. SARS-CoV-2) und Bakterien, aber auch von genetischen Mutationen, die mit Krankheiten verbunden sind. Der Vorteil dieser CRISPR-basierten Diagnostika liegt in ihrer Einfachheit, Kosteneffizienz und der Möglichkeit, sie auch in weniger ausgestatteten Laboren oder sogar vor Ort einzusetzen. Dies hat das Potenzial, die Krankheitserkennung und -überwachung weltweit zu verbessern.

Die Zukunft der Genomik und Gentherapie ist vielversprechend und wird unser Verständnis von Gesundheit und Krankheit grundlegend verändern. Mit der Weiterentwicklung von CRISPR und verwandten Technologien stehen wir am Beginn einer Ära, in der die Heilung genetischer Krankheiten, die personalisierte Prävention und die Optimierung der menschlichen Gesundheit keine Science-Fiction mehr sind, sondern greifbare Realität werden.

Was ist CRISPR-Cas9?
CRISPR-Cas9 ist eine Genom-Editierungs-Technologie, die es Wissenschaftlern ermöglicht, DNA mit hoher Präzision zu schneiden und zu verändern. Es wurde ursprünglich als ein natürliches Abwehrsystem von Bakterien identifiziert.
Was sind personalisierte Gentherapien?
Personalisierte Gentherapien sind Behandlungen, die auf das individuelle genetische Profil eines Patienten zugeschnitten sind. Sie zielen darauf ab, genetische Ursachen von Krankheiten direkt zu korrigieren.
Welche Risiken sind mit CRISPR verbunden?
Ein Hauptrisiko sind "Off-Target-Effekte", bei denen CRISPR an unerwünschten Stellen im Genom schneidet. Auch die Delivery-Methoden und Immunreaktionen des Körpers stellen Herausforderungen dar.
Was bedeutet "Designer-Gesundheitswesen"?
Das "Designer-Gesundheitswesen" bezieht sich auf eine Zukunft, in der Gesundheitsmaßnahmen, von der Prävention bis zur Behandlung, auf das individuelle genetische Profil zugeschnitten sind, um Gesundheit zu optimieren und Krankheiten proaktiv zu vermeiden.
Ist Keimbahntherapie möglich und ethisch?
Theoretisch ist Keimbahntherapie mit CRISPR möglich, sie birgt jedoch erhebliche ethische Bedenken, da sie genetische Veränderungen an zukünftige Generationen weitergeben würde. Sie ist international weitgehend verboten oder stark reguliert.