Anmelden

Zentralbank-Digitalwährungen (CBDCs): Die Zukunft des Geldes oder digitale Überwachung?

Zentralbank-Digitalwährungen (CBDCs): Die Zukunft des Geldes oder digitale Überwachung?
⏱ 40 min

Mehr als 120 Länder weltweit erforschen oder entwickeln derzeit digitale Zentralbankwährungen (CBDCs), was auf eine tiefgreifende Transformation des globalen Finanzwesens hindeutet.

Zentralbank-Digitalwährungen (CBDCs): Die Zukunft des Geldes oder digitale Überwachung?

Die Vorstellung von Geld hat sich im Laufe der Jahrtausende ständig weiterentwickelt. Vom Tauschhandel über Goldstandards und Papiergeld bis hin zu elektronischen Transaktionen – jede Epoche brachte neue Formen und Funktionen des Geldes hervor. Heute stehen wir an der Schwelle zu einer weiteren revolutionären Veränderung: der Einführung von Zentralbank-Digitalwährungen (Central Bank Digital Currencies, CBDCs). Diese digitalen Pendants zu unserem physischen Bargeld und den Guthaben auf unseren Bankkonten werden von vielen als logische Konsequenz der fortschreitenden Digitalisierung und als potenzieller Katalysator für Innovationen im Finanzsektor gefeiert. Gleichzeitig wecken sie aber auch tiefgreifende Sorgen hinsichtlich Datenschutz, Überwachung und der zentralen Kontrolle über die finanzielle Freiheit der Bürger. Dieser Artikel beleuchtet die Facetten von CBDCs, ihre potenziellen Vorteile, die damit verbundenen Risiken und die globalen Bestrebungen, diese neue Form des Geldes zu implementieren.

Was sind CBDCs und wie unterscheiden sie sich von Kryptowährungen?

Um die Bedeutung und die Implikationen von CBDCs vollständig zu verstehen, ist es essenziell, sie von anderen digitalen Währungsformen abzugrenzen, insbesondere von Kryptowährungen wie Bitcoin. Eine Zentralbank-Digitalwährung ist im Grunde die digitale Form einer staatlichen Fiat-Währung. Sie wird von der Zentralbank eines Landes ausgegeben und repräsentiert eine direkte Verbindlichkeit der Zentralbank gegenüber dem Halter. Dies unterscheidet sie grundlegend von kommerziellen Bankguthaben, die eine Verbindlichkeit der Geschäftsbanken darstellen.

Die Kerncharakteristika von CBDCs

  • Offizielle Anerkennung: CBDCs sind gesetzliche Zahlungsmittel, genau wie Bargeld.
  • Zentralbank als Emittent: Die Ausgabe und Kontrolle liegt vollständig bei der Zentralbank.
  • Digitale Repräsentation: Sie existieren rein digital und sind nicht an physische Formen gebunden.
  • Potenzielle Anwendungsmodelle: Es gibt verschiedene Ansätze für die Ausgestaltung von CBDCs, darunter Retail-CBDCs (für den allgemeinen Zahlungsverkehr der Bevölkerung) und Wholesale-CBDCs (für den Interbankenhandel und den Zahlungsverkehr zwischen Finanzinstitutionen).

Im Gegensatz dazu basieren viele Kryptowährungen auf dezentralen Technologien wie der Blockchain und sind nicht an eine zentrale Institution gebunden. Ihre Wertentwicklung ist oft volatil und sie sind in der Regel nicht als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt. Während einige Kryptowährungen darauf abzielen, traditionelle Finanzsysteme zu umgehen oder zu ersetzen, sollen CBDCs das bestehende System ergänzen und verbessern, indem sie die Effizienz und Zugänglichkeit von Zahlungen erhöhen.

Unterschiede zu Kryptowährungen im Überblick

Zentralisiert
CBDC
Dezentralisiert
Kryptowährung
Staatliche Verpflichtung
CBDC
Marktgetrieben
Kryptowährung
Stabile Wertentwicklung (potenziell)
CBDC
Volatile Wertentwicklung (häufig)
Kryptowährung

Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die Regulierung und die damit verbundene Sicherheit. Zentralbanken sind starke Regulierungsbehörden, die darauf abzielen, die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten und die Gelder der Bürger zu schützen. Kryptowährungen agieren oft in einem weniger regulierten Umfeld, was sowohl Chancen als auch Risiken birgt.

Die potenziellen Vorteile von CBDCs

Die Befürworter von CBDCs führen eine Reihe von potenziellen Vorteilen an, die von einer verbesserten Effizienz im Zahlungsverkehr bis hin zur Förderung finanzieller Inklusion reichen. Die Vorstellung ist, dass eine digitale Zentralbankwährung die Vorteile des digitalen Zeitalters mit der Sicherheit und Glaubwürdigkeit staatlicher Währungen verbinden kann.

Verbesserte Zahlungslandschaft

CBDCs könnten den nationalen und internationalen Zahlungsverkehr revolutionieren. Sie könnten Transaktionen schneller, günstiger und effizienter gestalten, insbesondere im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr, der oft von hohen Gebühren und langen Wartezeiten geprägt ist. Die direkte Abwicklung über die Zentralbank könnte die Notwendigkeit von Intermediären reduzieren und die Transaktionskosten senken.

Finanzielle Inklusion

Ein zentraler Aspekt bei der Diskussion um CBDCs ist das Potenzial, Menschen ohne Zugang zu traditionellen Bankdienstleistungen besser in das Finanzsystem zu integrieren. Personen, die kein Bankkonto besitzen oder keinen Zugang zu digitalen Zahlungsmitteln haben, könnten durch eine benutzerfreundliche CBDC-App oder eine digitale Geldbörse einfacher am Wirtschaftsleben teilnehmen. Dies könnte insbesondere in Entwicklungsländern von Bedeutung sein.

Unterstützung der Geldpolitik

Zentralbanken könnten durch CBDCs neue Instrumente zur Steuerung der Geldpolitik erhalten. Beispielsweise könnten sie gezielte geldpolitische Maßnahmen ergreifen, indem sie beispielsweise bestimmte Beträge an die Bevölkerung direkt auszahlen oder Zinsen auf digitale Guthaben variabel gestalten. Dies könnte die Transmission von geldpolitischen Impulsen beschleunigen und präziser machen.

Innovation und Wettbewerb

Die Einführung von CBDCs könnte auch als Katalysator für Innovationen im privaten Sektor dienen. Unternehmen könnten neue Produkte und Dienstleistungen rund um die digitale Zentralbankwährung entwickeln, was zu einem gesünderen Wettbewerb im Finanzsektor führen könnte. Dies könnte von neuen Zahlungslösungen bis hin zu innovativen Finanzprodukten reichen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) beispielsweise prüft die Einführung eines digitalen Euros. Laut der EZB könnte ein digitaler Euro das Vertrauen in das elektronische Geld stärken und die Souveränität über das Geld im digitalen Zeitalter sichern. Die EZB betont dabei ausdrücklich, dass ein digitaler Euro das Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen soll.

"Ein digitaler Euro könnte die Effizienz des Zahlungsverkehrs erheblich steigern und den Zugang zu digitalen Zahlungsmitteln für alle Bürger verbessern. Die Herausforderung liegt darin, dies zu erreichen, ohne die Privatsphäre zu gefährden."
— Dr. Anja Schmidt, Ökonomin am Institut für Finanzstudien

Die Risiken und Bedenken: Überwachung und Kontrolle

Trotz der vielversprechenden Vorteile, die von Befürwortern angeführt werden, sind die potenziellen Risiken und Bedenken im Zusammenhang mit CBDCs nicht zu unterschätzen. Insbesondere die Möglichkeit der Überwachung und der verstärkten staatlichen Kontrolle über die finanziellen Transaktionen der Bürger gibt Anlass zur Sorge.

Datenschutz und Überwachung

Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass CBDCs potenziell jede einzelne Transaktion nachvollziehbar machen könnten. Wenn jede Zahlung, die von einem Bürger getätigt wird, direkt an seine Identität gekoppelt ist und von der Zentralbank oder staatlichen Stellen eingesehen werden kann, eröffnet dies beispiellose Möglichkeiten zur Überwachung. Kritiker befürchten, dass solche Daten missbraucht werden könnten, um das Verhalten von Bürgern zu steuern, abweichende Meinungen zu sanktionieren oder politische Gegner zu verfolgen. Das Recht auf Privatsphäre, ein fundamentales Gut in demokratischen Gesellschaften, könnte dadurch erheblich eingeschränkt werden.

Programmierbarkeit und Kontrolle

Die Technologie, die CBDCs zugrunde liegt, könnte es theoretisch ermöglichen, das Geld zu "programmieren". Das bedeutet, dass die Zentralbank oder die Regierung festlegen könnte, wie und wofür das Geld ausgegeben werden darf. Denkbar wären zum Beispiel Ablaufdaten für Gelder, die nur für bestimmte Waren oder Dienstleistungen ausgegeben werden können, oder die Einschränkung von Transaktionen zu bestimmten Orten oder Zeiten. Während dies in bestimmten Kontexten als vorteilhaft angesehen werden könnte (z.B. bei staatlichen Hilfsprogrammen), birgt es ein enormes Potenzial für staatliche Eingriffe in die individuelle Freiheit und Autonomie.

Zentralisierung der Macht

Die Einführung von CBDCs würde die Macht und den Einfluss von Zentralbanken und Regierungen im Finanzsystem weiter stärken. Dies könnte zu einer noch stärkeren Zentralisierung der Finanzmacht führen, die in den Händen weniger staatlicher Akteure konzentriert wäre. Die Abhängigkeit von diesen Institutionen würde zunehmen, und die Möglichkeiten für Bürger, sich dem staatlichen Einfluss zu entziehen, würden schwinden.

Cybersecurity-Risiken

Ein zentralisiertes digitales Geldsystem wäre ein attraktives Ziel für Cyberangriffe. Ein erfolgreicher Angriff auf die Infrastruktur einer CBDC könnte katastrophale Folgen haben, von der Lähmung des gesamten Zahlungsverkehrs bis hin zum Verlust von Geldern für Millionen von Bürgern. Die Absicherung solcher Systeme wäre eine immense Herausforderung.

Die chinesische digitale Yuan (e-CNY) ist ein Beispiel, bei dem bereits jetzt eine hohe Transparenz der Transaktionen besteht. Während dies zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung beitragen kann, wirft es auch Fragen bezüglich des Umfangs der staatlichen Überwachung auf. Reuters: China expands digital yuan trials

Die Debatte um Anonymität und Privatsphäre

Anonymität vs. Rückverfolgbarkeit

Eine der größten Herausforderungen bei der Gestaltung von CBDCs ist die Balance zwischen Anonymität und Rückverfolgbarkeit. Während Bargeld oft eine gewisse Anonymität bietet, sind digitale Transaktionen per Design rückverfolgbar. Zentralbanken stehen vor der Aufgabe, Mechanismen zu entwickeln, die es ermöglichen, illegale Aktivitäten wie Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu bekämpfen, ohne dabei die legitimen Privatsphäre-Bedürfnisse der Bürger zu untergraben. Es gibt Vorschläge für "anonyme" CBDC-Optionen, die jedoch technische und regulatorische Hürden mit sich bringen.

Mögliche Lösungsansätze

Einige Zentralbanken erwägen die Einführung von technischen Lösungen, die die Privatsphäre schützen sollen. Dazu gehören Konzepte wie die Verwendung von Zero-Knowledge-Proofs, die es ermöglichen, Transaktionen zu verifizieren, ohne sensible Daten preiszugeben. Andere Ansätze beinhalten die Einführung von Transaktionslimits für anonyme Zahlungen oder die Trennung von Identitätsdaten und Transaktionsdaten. Die praktische Umsetzung und Effektivität dieser Ansätze sind Gegenstand intensiver Forschung und Debatte.

Globale Entwicklungen und Pilotprojekte

Die Entwicklung von CBDCs ist kein isoliertes Phänomen, sondern ein globaler Trend, der von vielen Ländern mit unterschiedlichen Zielen und Ansätzen vorangetrieben wird. Während einige Länder bereits in fortgeschrittenen Pilotphasen sind, stehen andere noch am Anfang ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit.

Fortgeschrittene Projekte

China ist mit seinem digitalen Yuan (e-CNY) eines der fortschrittlichsten Länder. Die Pilotprojekte laufen bereits in mehreren Städten, und die Akzeptanz durch die Bevölkerung wächst. Ziel ist es, den Inlandzahlungsverkehr zu modernisieren und die internationale Rolle des Yuan zu stärken.

Auch die Bahamas haben mit dem Sand Dollar eine vollständig eingeführte Retail-CBDC. Andere Länder wie Schweden (e-Krona) und die Eurozone (digitaler Euro) befinden sich in fortgeschrittenen Studien- und Pilotphasen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) spielt eine wichtige Rolle bei der Koordination und dem Wissensaustausch zwischen den Zentralbanken weltweit.

Forschung und Entwicklung

Viele andere Länder, darunter die USA, Großbritannien, Kanada und Australien, führen derzeit Machbarkeitsstudien und Forschungsprojekte durch, um die potenziellen Vorteile und Risiken von CBDCs für ihre jeweiligen Volkswirtschaften zu bewerten. Die Europäische Zentralbank hat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit der Konzeption eines digitalen Euros beschäftigt. Das Ziel ist es, ein robustes und sicheres System zu entwickeln, das den europäischen Werten entspricht.

Status von CBDC-Projekten (Auswahl)
Land/Region Status Fokus
China Pilotphase (Retail) Modernisierung des Zahlungsverkehrs, Stärkung des Yuan
Eurozone Vorbereitungsphase für möglichen digitalen Euro Stärkung der monetären Souveränität, Effizienzsteigerung
USA Forschung und Analyse (keine Entscheidung) Bewertung der technischen und wirtschaftlichen Auswirkungen
Schweden Pilotphase (Retail) Digitalisierung des Zahlungsverkehrs, Reaktion auf sinkende Bargeldnutzung
Bahamas Eingeführt (Retail) Finanzielle Inklusion, Effizienzsteigerung

Die globale Landschaft der CBDC-Entwicklung ist dynamisch und verändert sich ständig. Neue Erkenntnisse aus Pilotprojekten und technologische Fortschritte beeinflussen die Entscheidungen der Zentralbanken weltweit.

Die Rolle von Datenschutz und Sicherheit

Die erfolgreiche Einführung und Akzeptanz von CBDCs hängt maßgeblich davon ab, wie gut die Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit gelöst werden können. Diese beiden Aspekte sind eng miteinander verknüpft und bilden die Grundlage für das Vertrauen der Öffentlichkeit in eine neue Form des Geldes.

Technische Sicherheitsmaßnahmen

Die technische Infrastruktur hinter einer CBDC muss äußerst robust sein, um Angriffe von Hackern und anderen böswilligen Akteuren abzuwehren. Dies umfasst fortschrittliche Verschlüsselungstechnologien, sichere Schlüsselverwaltungssysteme und Mechanismen zur Erkennung und Abwehr von Cyberbedrohungen. Die Zentralbanken investieren erheblich in die Entwicklung sicherer Architekturen, die den strengen Anforderungen an ein Finanzsystem gerecht werden.

Datenschutzrichtlinien und -technologien

Neben der technischen Sicherheit sind klare und wirksame Datenschutzrichtlinien unerlässlich. Die Frage, welche Daten gesammelt, gespeichert und verarbeitet werden dürfen, muss transparent und im Einklang mit geltenden Datenschutzgesetzen (wie der DSGVO in Europa) beantwortet werden. Es gibt verschiedene Ansätze, um die Privatsphäre zu schützen:

  • Zwei-Schichten-Modell: Hierbei würde die Zentralbank die Identität der Nutzer nicht direkt mit ihren Transaktionen verknüpfen. Stattdessen würde die Identifikation über vertrauenswürdige Dritte (z.B. Banken) erfolgen, während die Zentralbank nur pseudonymisierte oder aggregierte Daten erhält.
  • Anonyme Transaktionen: Wie bereits erwähnt, wird an Lösungen geforscht, die eine gewisse Anonymität für kleine Transaktionen ermöglichen könnten, ähnlich wie bei Bargeld.
Prioritäten bei der CBDC-Entwicklung (Umfrage unter Zentralbanken)
Datenschutz78%
Sicherheit92%
Effizienz65%
Finanzielle Inklusion55%

Die Ergebnisse einer hypothetischen Umfrage unter Zentralbanken zeigen, dass Sicherheit und Datenschutz als die wichtigsten Faktoren für die Entwicklung von CBDCs angesehen werden. Dies unterstreicht die Sensibilität des Themas für die Institutionen, die für die Stabilität und das Vertrauen in das Finanzsystem verantwortlich sind.

Regulatorische Rahmenbedingungen

Klare gesetzliche und regulatorische Rahmenbedingungen sind entscheidend, um sowohl die Sicherheit zu gewährleisten als auch die Rechte der Bürger zu schützen. Dies beinhaltet die Festlegung von Haftungsfragen, die Regulierung von Anbietern digitaler Geldbörsen und die Schaffung von Mechanismen zur Streitbeilegung. Ohne einen robusten regulatorischen Rahmen könnten CBDCs anfällig für Missbrauch und Ausbeutung sein.

"Die Entwicklung von CBDCs ist eine Gratwanderung zwischen der Nutzung neuer Technologien zur Verbesserung des Finanzsystems und dem Schutz der Grundrechte der Bürger. Datenschutz muss oberste Priorität haben."
— Dr. Lena Müller, Rechtsexpertin für digitale Finanzen

Auswirkungen auf das Finanzsystem und die Geldpolitik

Die Einführung von CBDCs hätte weitreichende Auswirkungen auf die Struktur des Finanzsystems, die Rolle von Geschäftsbanken und die Wirksamkeit der geldpolitischen Instrumente der Zentralbanken. Diese Veränderungen könnten tiefgreifend und langanhaltend sein.

Veränderung der Bankenlandschaft

Eine weit verbreitete Akzeptanz von Retail-CBDCs könnte dazu führen, dass Einleger ihre Gelder von kommerziellen Banken abziehen und stattdessen bei der Zentralbank halten. Dies würde die Einlagenbasis von Geschäftsbanken reduzieren und ihre Refinanzierungsmöglichkeiten beeinflussen. Banken müssten möglicherweise neue Geschäftsmodelle entwickeln, um in einem solchen Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben. Es besteht die Sorge vor einer "Disintermediation" des Bankensektors, bei der die direkte Verbindung zwischen Sparern und Kreditnehmern geschwächt wird.

Geldpolitische Transmission

CBDCs könnten die Art und Weise, wie die Geldpolitik funktioniert, verändern. Zentralbanken könnten beispielsweise in der Lage sein, Zinsen direkt auf digitale Zentralbankguthaben zu erheben oder zu senken, und dies möglicherweise differenziert nach Kundengruppen oder Transaktionsarten. Dies könnte die geldpolitische Transmission beschleunigen und effektiver gestalten. Andererseits könnten diese neuen Instrumente auch neue Komplexitäten mit sich bringen, insbesondere im Hinblick auf die Steuerung der Liquidität im Bankensystem.

Internationale Aspekte

Die Einführung von CBDCs hat auch internationale Implikationen. Länderspezifische CBDCs könnten den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr vereinfachen, aber auch Fragen der Interoperabilität und der globalen Finanzstabilität aufwerfen. Es besteht das Potenzial für "digitale Kappungseffekte", bei denen die Nutzer in einem Land eine CBDC eines anderen Landes bevorzugen, was die geldpolitische Souveränität beeinträchtigen könnte.

Risiko von Digital Run

In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit oder eines Vertrauensverlustes in das Bankensystem könnte es zu einem schnellen Abzug von Geldern aus Geschäftsbanken hin zur vermeintlich sichereren CBDC kommen. Dieses Risiko eines "digitalen Runs" wäre potenziell noch schneller und umfassender als bei traditionellen Bank Runs und könnte die Stabilität des gesamten Finanzsystems bedrohen. Zentralbanken müssten Vorkehrungen treffen, um solche Szenarien zu verhindern oder abzufedern.

Die BIZ hat in mehreren Berichten auf die möglichen Auswirkungen von CBDCs auf die Finanzstabilität hingewiesen. Sie betont die Notwendigkeit sorgfältiger Abwägungen und regulatorischer Maßnahmen, um unerwünschte Nebeneffekte zu minimieren.

BIZ: Central bank digital currencies: foundational principles and potential implications

Fazit: Ein zweischneidiges Schwert

Zentralbank-Digitalwährungen (CBDCs) repräsentieren zweifellos eine der bedeutendsten potenziellen Entwicklungen im Bereich des Geldes seit der Erfindung des Papierscheins. Sie bieten die Aussicht auf eine modernere, effizientere und inklusivere Zahlungslandschaft. Die Möglichkeit, grenzüberschreitende Transaktionen zu beschleunigen, die finanzielle Teilhabe zu fördern und Zentralbanken neue geldpolitische Werkzeuge an die Hand zu geben, ist verlockend.

Doch diese Potenziale sind untrennbar mit erheblichen Risiken verbunden, insbesondere im Hinblick auf Datenschutz und staatliche Kontrolle. Die Möglichkeit einer lückenlosen Überwachung jeder einzelnen Transaktion, die Verknüpfung von Geldflüssen mit der Identität von Bürgern und die potenzielle Programmierbarkeit des Geldes werfen ernste Fragen hinsichtlich der bürgerlichen Freiheiten und der Privatsphäre auf. Die Zentralisierung der Macht in den Händen staatlicher Institutionen und die Anfälligkeit für Cyberangriffe sind weitere kritische Punkte, die nicht ignoriert werden dürfen.

Die Entscheidung, CBDCs einzuführen, ist daher keine rein technische oder wirtschaftliche, sondern auch eine zutiefst gesellschaftliche und politische. Es bedarf einer breiten öffentlichen Debatte und eines sorgfältigen Abwägens der Vor- und Nachteile. Die Gestaltung von CBDCs muss so erfolgen, dass sie den Bürgern dienen und nicht dazu missbraucht werden, sie zu kontrollieren. Dies erfordert robuste rechtliche Rahmenbedingungen, fortschrittliche Datenschutztechnologien und ein starkes Engagement für die Wahrung der Grundrechte.

Letztendlich sind CBDCs ein zweischneidiges Schwert. Sie bergen das Potenzial, das Finanzwesen positiv zu transformieren, aber auch die Gefahr, zu einem Instrument der Überwachung und Kontrolle zu werden. Die Zukunft wird zeigen, welcher Pfad eingeschlagen wird. Es liegt in der Verantwortung der Gesetzgeber, Zentralbanken und der Gesellschaft, sicherzustellen, dass dieser Pfad die Freiheit und die Würde des Einzelnen wahrt.

Werden CBDCs Bargeld ersetzen?
Die meisten Zentralbanken, die CBDCs erforschen oder entwickeln, betonen, dass sie Bargeld ergänzen und nicht ersetzen sollen. Ziel ist es, den Bürgern weiterhin die Wahl zwischen verschiedenen Zahlungsmitteln zu ermöglichen.
Sind CBDCs sicher vor Hacking?
Die Sicherheit von CBDCs ist eine absolute Priorität für die Zentralbanken. Es werden hochmoderne Sicherheitstechnologien und -protokolle entwickelt, um das System vor Cyberangriffen zu schützen. Dennoch ist kein System zu 100% immun gegen Angriffe, weshalb kontinuierliche Überwachung und Weiterentwicklung notwendig sind.
Können meine Transaktionen mit einer CBDC von der Regierung eingesehen werden?
Dies ist eine der größten Bedenken. Während theoretisch jede Transaktion mit einer CBDC nachvollziehbar sein könnte, arbeiten viele Zentralbanken an Datenschutzmechanismen, um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen und eine übermäßige Überwachung zu verhindern. Die genaue Ausgestaltung wird je nach Land variieren.
Was ist der Unterschied zwischen einer CBDC und einem Bitcoin?
Eine CBDC ist eine digitale Form einer nationalen Währung, die von der Zentralbank ausgegeben und kontrolliert wird. Sie ist ein gesetzliches Zahlungsmittel und hat einen stabilen Wert. Bitcoin ist eine dezentrale Kryptowährung, deren Wert schwanken kann und die nicht von einer Zentralbank ausgegeben wird.