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Der KI-Stuntman: Wie Deepfake-Technologie die Filmproduktion revolutioniert

Der KI-Stuntman: Wie Deepfake-Technologie die Filmproduktion revolutioniert
⏱ 15 min

Rund 25% aller aktuellen Hollywood-Produktionen nutzen bereits digitale Doubles oder überlegen sich deren Einsatz, ein Trend, der sich durch die Weiterentwicklung von Deepfake-Technologien exponentiell beschleunigt.

Der KI-Stuntman: Wie Deepfake-Technologie die Filmproduktion revolutioniert

Hollywood steht an der Schwelle zu einer neuen Ära der Filmerstellung, angetrieben durch die rasante Entwicklung von künstlicher Intelligenz, insbesondere durch Deepfake-Technologie. Was einst als futuristische Vision galt, ist heute Realität: Digitale Doppelgänger ersetzen nicht nur Stuntmen in waghalsigen Szenen, sondern eröffnen auch völlig neue kreative Möglichkeiten für Regisseure und Produzenten. Diese Technologie verändert die Art und Weise, wie Filme gedreht werden, von Grund auf, indem sie Grenzen verschiebt und bisher unmögliche Szenarien realisierbar macht.

Die traditionelle Filmproduktion ist oft kostspielig, zeitaufwendig und birgt erhebliche Risiken für die Schauspieler. Stunts, komplizierte Drehs an gefährlichen Orten oder die Darstellung von jüngeren oder älteren Versionen von Charakteren erforderten bisher aufwendige Planungen, Spezialeffekte und den Einsatz von Doppelgängern. Deepfake-Technologie verspricht hier eine elegante und oft kostengünstigere Lösung, die gleichzeitig neue kreative Freiheiten schafft.

Die Evolution des digitalen Doppelgängers

Früher basierten digitale Doubles primär auf aufwendigem Motion-Capturing und CGI-Modellierung. Schauspieler trugen spezielle Anzüge mit Sensoren, und ihre Bewegungen wurden auf digitale Avatare übertragen. Dies war zwar beeindruckend, aber oft erkennbar als künstlich und erforderte erhebliche Nachbearbeitung. Deepfakes, basierend auf generativen gegnerischen Netzen (GANs), gehen einen Schritt weiter. Sie analysieren und replizieren Gesichter und Körperbewegungen mit einer beispiellosen Genauigkeit, indem sie riesige Datensätze von Bildern und Videos lernen.

Diese Technologie erlaubt es, das Gesicht eines Schauspielers auf den Körper eines Stuntmans zu projizieren oder sogar verstorbene Schauspieler in neuen Filmen wieder zum Leben zu erwecken. Die Grenzen zwischen Realität und digitaler Illusion verschwimmen zusehends, was sowohl faszinierende als auch beunruhigende Fragen aufwirft.

Die Geburt des digitalen Doppelgängers

Die Wurzeln des digitalen Doppelgängers reichen weit zurück, doch die heutige Form, befeuert durch Deepfakes, ist ein Produkt der letzten Jahre. Die Fähigkeit, fotorealistische Bilder und Videos zu generieren, die täuschend echt wirken, hat die Filmindustrie in ihren Grundfesten erschüttert. Insbesondere die Technologie hinter GANs, die aus zwei neuronalen Netzen besteht – einem Generator, der neue Daten erstellt, und einem Diskriminator, der versucht, die gefälschten von den echten Daten zu unterscheiden –, hat hier einen Meilenstein gesetzt.

Durch das iterative Training lernt der Generator, immer überzeugendere Fälschungen zu erstellen, die den Diskriminator immer häufiger täuschen. Dieser Prozess, angewendet auf Gesichter, Stimmen und Körperbewegungen von Schauspielern, ermöglicht es, digitale Doubles zu erschaffen, die kaum von ihren realen Gegenstücken zu unterscheiden sind.

Von CGI zu GANs: Ein technologischer Sprung

Vor der Ära der Deepfakes war die Erstellung digitaler Charaktere oder die Verjüngung von Schauspielern ein langwieriger und teurer Prozess. Komplexe 3D-Modelle wurden erstellt, Texturen aufgetragen und die Animationen mühsam von Hand gefertigt. Mit Deepfakes können diese Prozesse drastisch verkürzt werden. Anstatt ein ganzes Modell von Grund auf neu zu erstellen, wird die bestehende Performance eines Schauspielers (oder eines anderen Darstellers) analysiert und die gewünschten visuellen Merkmale – das Gesicht, die Mimik – überlagert.

Ein klassisches Beispiel ist die digitale Verjüngung von Schauspielern, wie sie in Filmen wie "The Irishman" zu sehen war. Hierbei wurden nicht nur die Gesichter, sondern auch die Körperbewegungen der Schauspieler durch KI-gestützte Techniken angepasst, um sie glaubwürdiger in ihren jüngeren Rollen erscheinen zu lassen. Dies spart nicht nur Zeit und Geld, sondern ermöglicht auch die Besetzung von Rollen, die zuvor aufgrund des Alters oder der physischen Einschränkungen eines Schauspielers undenkbar gewesen wären.

Die Wiederbelebung der Legenden

Ein besonders faszinierender Aspekt ist die Möglichkeit, verstorbene Schauspieler wieder "zum Leben zu erwecken". Mit ausreichend Bild- und Audiomaterial aus früheren Filmen und öffentlichen Auftritten können Deepfake-Technologien genutzt werden, um neue Performances zu generieren. Dies wirft natürlich ethische und rechtliche Fragen auf, da die Zustimmung der verstorbenen Person nicht eingeholt werden kann. Dennoch gibt es bereits Projekte, die mit diesem Ansatz experimentieren, um ikonische Figuren oder Schauspieler für neue Generationen erlebbar zu machen. Die Technologie ist hier noch im Fluss, doch das Potenzial ist immens, und die Debatte darüber hat gerade erst begonnen.

Vergleich der Technologien zur Erstellung digitaler Doubles
Merkmal Klassisches CGI Motion Capture Deepfake-Technologie (GANs)
Aufwand für Erstellung Sehr hoch (Modellierung, Texturierung, Animation) Hoch (Anzug, Tracking, Animation) Mittel bis hoch (Datenaufnahme, Training, Feinabstimmung)
Realismusgrad Variabel, oft erkennbar künstlich Hoch bei Bewegungen, Gesichter können unnatürlich wirken Sehr hoch, täuschend echt bei Gesicht und Mimik
Flexibilität für Änderungen Gering, aufwendige Neuanpassung Mittel, Anpassung der Animationen Hoch, erneutes Training mit neuen Daten möglich
Anwendungsbereiche Komplexe Umgebungen, nicht-menschliche Charaktere Bewegungsintensive Szenen, virtuelle Charaktere Gesichtsersetzung, Verjüngung, Synchronisation, Wiederbelebung

Anwendungsbereiche jenseits des Spektakels

Während die spektakulärsten Anwendungen von Deepfakes in der Filmproduktion oft die Stunts und digitalen Doubles betreffen, reicht ihr Potenzial weit darüber hinaus. Von der Verbesserung der visuellen Effekte bis hin zur Schaffung völlig neuer erzählerischer Möglichkeiten – die Technologie eröffnet ein breites Spektrum an Einsatzgebieten.

Die Kosten und der Zeitaufwand für Filmproduktionen sind in Hollywood stets ein kritischer Faktor. Deepfakes bieten hier oft eine effizientere Alternative zu traditionellen Methoden, sei es durch die Reduzierung von Drehtagen an gefährlichen Orten oder die Vermeidung aufwendiger Set-Bauten. Die Möglichkeit, Schauspieler virtuell an jeden beliebigen Ort zu versetzen oder diese Orte digital zu erschaffen, spart erhebliche logistische und finanzielle Ressourcen.

Effizienzsteigerung und Kostensenkung

Stellen Sie sich vor, ein Schauspieler muss für eine einzelne Szene, die an einem exotischen Ort spielt, wochenlang reisen. Mit Deepfakes könnte diese Szene theoretisch im Studio mit einem Greenscreen gedreht und das Gesicht des Schauspielers später nahtlos in eine realistische Umgebung eingefügt werden. Dies reduziert Reisekosten, Unterbringungsgebühren und die Komplexität der Logistik erheblich. Auch die Anzahl der benötigten Sets und Kulissen kann reduziert werden, da diese nun digital generiert werden können.

Ein weiterer Kostensenkungsfaktor liegt in der Möglichkeit, die Performance eines Schauspielers nachträglich zu korrigieren oder zu verfeinern. Kleinere Fehler in der Mimik oder sogar Dialogzeilen könnten potenziell durch KI-gestützte Nachbearbeitung behoben werden, was den Bedarf an teuren Nachdrehs reduziert.

Barrierefreiheit und Inklusion

Deepfake-Technologie kann auch dazu beitragen, Filmproduktionen barrierefreier und inklusiver zu gestalten. Schauspieler mit körperlichen Einschränkungen könnten in Rollen besetzt werden, die physisch anspruchsvoll wären, indem ihre Leistung digital angepasst wird. Ebenso könnten Schauspieler, die aufgrund von Alter oder Krankheit nicht mehr in der Lage sind, bestimmte Leistungen zu erbringen, weiterhin aktiv an Produktionen teilnehmen. Dies erweitert den Pool an verfügbaren Talenten und ermöglicht eine breitere Repräsentation.

Darüber hinaus kann die Technologie genutzt werden, um Dialoge in verschiedene Sprachen zu synchronisieren, wobei nicht nur die Lippenbewegungen, sondern auch die Stimmlage und Intonation des Schauspielers angepasst werden. Dies verbessert die Qualität der Synchronisation erheblich und macht Filme für ein globales Publikum zugänglicher.

30%
Kosteneinsparung (geschätzt)
50%
Zeitersparnis bei visuellen Effekten
100+
Stunden für Stunt-Koordination
20%
Reduktion von Nachdrehs (potenziell)

Technologische Grundlagen und Herausforderungen

Die faszinierende Fähigkeit von Deepfakes, realistische Illusionen zu schaffen, beruht auf komplexen Algorithmen und enormen Datenmengen. Hinter den beeindruckenden Ergebnissen stecken jedoch auch erhebliche technische Herausforderungen, die es zu überwinden gilt, um das volle Potenzial der Technologie auszuschöpfen.

Das Herzstück der Deepfake-Technologie sind oft generative gegnerische Netze (GANs). Diese bestehen aus zwei neuronalen Netzen: einem Generator, der gefälschte Bilder oder Videos erstellt, und einem Diskriminator, der versucht, diese von echten zu unterscheiden. Durch kontinuierliches Training lernen beide Netze voneinander, bis der Generator Bilder erzeugt, die vom Diskriminator kaum noch von echten zu unterscheiden sind.

Die Macht der neuronalen Netze

Für die Filmproduktion bedeutet dies, dass riesige Datensätze von Schauspielern benötigt werden – Gesichter, Mimiken, Körperbewegungen, Stimmen. Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto präziser kann das KI-Modell trainiert werden, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Dies umfasst hochauflösende Videos, 3D-Scans und Tonaufnahmen.

Die Herausforderung liegt darin, die subtilen Nuancen menschlicher Ausdrücke und Bewegungen perfekt zu replizieren. Eine kleinste Unstimmigkeit in der Mimik, eine unnatürliche Augenbewegung oder eine falsche Lichtreflexion kann die Illusion zerstören und den Betrachter erkennen lassen, dass es sich um eine Fälschung handelt. Forscher arbeiten daher ständig an der Verbesserung der Algorithmen, um noch realistischere und nuanciertere Ergebnisse zu erzielen.

Die Suche nach Perfektion: Auflösung und Detailtreue

Eine weitere technische Hürde ist die Auflösung und Detailtreue. Für den Einsatz im Kino sind extrem hohe Auflösungen und eine beispiellose Detailgenauigkeit erforderlich, um dem Zuschauer keine Angriffsfläche für Zweifel zu bieten. Dies erfordert immense Rechenleistung und Speicherplatz. Das Training eines Deepfake-Modells kann Tage oder sogar Wochen dauern und erfordert leistungsstarke GPUs (Graphics Processing Units).

Die Synchronisation von Gesicht, Stimme und Körperbewegung ist ebenfalls eine komplexe Aufgabe. Wenn die Lippenbewegungen nicht perfekt zur gesprochenen Sprache passen, oder die Mimik die Emotionen des Gesprochenen nicht widerspiegelt, wird die Glaubwürdigkeit stark beeinträchtigt. Hier sind hochentwickelte Algorithmen gefragt, die all diese Elemente nahtlos miteinander verbinden können.

Wachstumsrate des Deepfake-Marktes (geschätzt)
202230%
202345%
2024 (Prognose)60%
2025 (Prognose)75%

Die ethischen Dimensionen und das Urheberrecht

Die Fähigkeit, die Identität und Performance von Menschen digital zu manipulieren, wirft tiefgreifende ethische Fragen auf und stellt das bestehende Urheberrecht vor immense Herausforderungen. Die Grenzen zwischen kreativer Freiheit und Missbrauch verschwimmen.

Ein zentrales Problem ist die Frage der Zustimmung. Wenn die Abbilder von Schauspielern oder sogar verstorbenen Personen für kommerzielle Zwecke ohne deren ausdrückliche Erlaubnis verwendet werden, stellt sich die Frage, wem die "digitale Person" gehört und wer von ihrer Nutzung profitiert. Dies gilt insbesondere, wenn die erzeugten Inhalte von der ursprünglichen Performance abweichen oder die Person in einen Kontext gestellt wird, den sie nie gewollt hätte.

Zustimmung und die digitale Identität

Die Debatte um die "digitale Identität" ist komplex. Schauspieler investieren Jahre in den Aufbau ihrer Marke und ihres Ansehens. Wenn nun ihre digitalen Doubles in Filmen auftreten, die sie nie gedreht haben, oder wenn ihr Gesicht für Werbezwecke verwendet wird, ohne dass sie daran beteiligt sind, stellt sich die Frage nach der Kontrolle und Vergütung. Dies führt zu Forderungen nach klaren vertraglichen Regelungen und neuen Gesetzen zum Schutz der Persönlichkeitsrechte im digitalen Zeitalter.

Ein weiteres ethisches Dilemma ist die Möglichkeit der Schaffung von "Fake-News" oder manipulierten Inhalten, die nicht im Zusammenhang mit der Filmproduktion stehen, aber durch die gleichen Technologien ermöglicht werden. Obwohl sich dieser Artikel auf die Filmindustrie konzentriert, ist es wichtig zu bedenken, dass die Technologie auch in anderen Bereichen zu Missbrauch führen kann.

Urheberrecht und die digitale Schöpfung

Das Urheberrecht, wie wir es kennen, ist auf menschliche Schöpfungen ausgerichtet. Doch was passiert, wenn eine KI ein Bild oder eine Performance generiert? Wem gehört das Urheberrecht? Dem Entwickler der KI, dem Nutzer, der die KI befehligt, oder der KI selbst? Diese Fragen sind derzeit Gegenstand intensiver rechtlicher und philosophischer Debatten. Im Kontext der Filmproduktion bedeutet dies, dass die Rechte an den digitalen Doubles und den von ihnen erzeugten Performances neu definiert werden müssen.

Experten sind sich einig, dass klare Richtlinien und möglicherweise neue Gesetze notwendig sind, um sowohl die Rechte der Darsteller und Studios zu schützen als auch Innovationen zu ermöglichen. Die Gefahr, dass die Technologie missbraucht wird, um beispielsweise Falschinformationen zu verbreiten oder die Reputation von Personen zu schädigen, ist real und erfordert proaktive Lösungen.

"Die KI-gestützte Gesichtsersetzung ist eine mächtige Technologie, die das Potenzial hat, das Filmemachen zu revolutionieren. Wir müssen jedoch sicherstellen, dass sie verantwortungsvoll eingesetzt wird und die Rechte der Künstler und ihrer digitalen Avatare geschützt sind. Die Schaffung von klaren rechtlichen Rahmenbedingungen ist unerlässlich."
— Dr. Anna Schmidt, Medienrechtsexpertin

Die Zukunft von Deepfakes in Hollywood

Die Integration von Deepfake-Technologie in Hollywood ist kein vorübergehender Trend, sondern ein fundamentaler Wandel, der die Branche auf Jahrzehnte prägen wird. Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos, und die Innovationen schreiten mit atemberaubender Geschwindigkeit voran.

In Zukunft könnten wir Filme sehen, in denen Schauspieler digital so verändert werden können, dass sie über Jahrzehnte hinweg altern und jünger werden, ohne dass dies die Glaubwürdigkeit beeinträchtigt. Die Dreharbeiten könnten sich auf die reine Performance des Schauspielers konzentrieren, während alle physischen Aspekte – Alter, Aussehen, sogar Geschlecht – digital angepasst werden. Dies eröffnet ungeahnte kreative Freiheiten für Regisseure, die Charaktere über ganze Lebensspannen hinweg darstellen wollen.

Personalisierte Filmerlebnisse

Ein weiterer spannender Ausblick ist die Möglichkeit der personalisierten Filmerlebnisse. Stellen Sie sich vor, Sie könnten einen Film ansehen und das Gesicht des Hauptdarstellers durch Ihr eigenes ersetzen. Oder dass der Film sich dynamisch an Ihre Vorlieben anpasst, indem er beispielsweise die Stimme des Schauspielers ändert oder sogar dialogische Elemente neu generiert. Während dies noch Zukunftsmusik ist, zeigt es das transformative Potenzial der Technologie.

Die Technologie wird auch die Art und Weise verändern, wie wir mit Schauspielern zusammenarbeiten. Möglicherweise werden Schauspieler weniger für ihre physische Präsenz, sondern mehr für ihre emotionale Ausdrucksfähigkeit und ihre Fähigkeit, eine digitale Performance zu steuern, engagiert. Die Unterscheidung zwischen einem "realen" Schauspieler und einem digitalen Double wird immer feiner werden.

Interaktive Filme und neue Erzählformen

Deepfakes könnten auch die Tür zu völlig neuen Formen des interaktiven Films öffnen. Stellen Sie sich vor, Sie könnten in einem Film entscheiden, wie ein Charakter aussieht oder wie er sich in einer bestimmten Situation verhält, und die KI generiert die entsprechende Performance in Echtzeit. Dies könnte eine neue Ära des Storytellings einläuten, in der das Publikum nicht nur passiver Zuschauer, sondern aktiver Mitgestalter der Erzählung ist.

Die Grenzen zwischen Kino, Videospielen und virtueller Realität könnten durch diese Technologien weiter verschwimmen. Erlebnisse, die einst nur in der Fantasie existierten, werden durch die Kombination von KI, Deepfakes und immersiven Technologien zunehmend Realität. Der Film von morgen wird wahrscheinlich interaktiver, personalisierter und visuell noch beeindruckender sein, als wir es uns heute vorstellen können.

"Deepfakes sind nicht nur ein Werkzeug für visuelle Effekte, sie sind ein neues Medium, das die Grenzen der künstlerischen Ausdrucksweise verschiebt. Die Filmindustrie muss lernen, mit dieser Technologie umzugehen, um ihr volles kreatives Potenzial zu entfesseln, während wir gleichzeitig die notwendigen ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen."
— Johnathan Lee, Spezialeffektkünstler und Innovator

Kritische Stimmen und regulatorische Ansätze

Bei aller Euphorie über die kreativen Möglichkeiten, die Deepfake-Technologie für die Filmproduktion bietet, dürfen die kritischen Stimmen und die Notwendigkeit regulatorischer Ansätze nicht überhört werden. Die potenziellen Risiken, von der Verbreitung von Falschinformationen bis hin zum Missbrauch der Technologie zur Schädigung von Personen, sind erheblich.

Viele Experten warnen vor einer "Glaubwürdigkeitskrise", da es für Laien immer schwieriger wird, echte von gefälschten Inhalten zu unterscheiden. Dies kann weitreichende Folgen haben, von der politischen Manipulation bis hin zur Zerstörung von Karrieren. Daher wächst der Druck auf Regierungen und internationale Organisationen, klare Regeln und Richtlinien für die Entwicklung und Nutzung von Deepfakes zu schaffen.

Die Notwendigkeit von Transparenz und Kennzeichnung

Ein zentraler Ansatz zur Bewältigung dieser Herausforderungen ist die Forderung nach Transparenz und Kennzeichnung. Wenn Inhalte mit Deepfakes erstellt werden, sollten sie klar als solche markiert werden, damit die Zuschauer informiert sind. Dies könnte durch digitale Wasserzeichen, Metadaten oder explizite Hinweise geschehen.

Die Filmindustrie selbst ist gefordert, ethische Richtlinien zu entwickeln und deren Einhaltung zu überwachen. Initiativen zur Förderung verantwortungsvoller KI-Nutzung und zur Aufklärung über die Gefahren von Deepfakes sind von entscheidender Bedeutung. Gleichzeitig müssen Mechanismen geschaffen werden, um den Missbrauch der Technologie zu erkennen und zu sanktionieren.

Internationale Zusammenarbeit und technologische Gegenmaßnahmen

Da Deepfakes keine nationalen Grenzen kennen, ist internationale Zusammenarbeit unerlässlich. Regierungen müssen sich austauschen und gemeinsame Standards entwickeln, um den grenzüberschreitenden Missbrauch zu verhindern. Technologische Gegenmaßnahmen, wie beispielsweise KI-gestützte Detektionssysteme, die gefälschte Videos erkennen können, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Forscher arbeiten intensiv daran, Werkzeuge zu entwickeln, die es ermöglichen, die "digitale DNA" von Deepfakes zu analysieren und sie so zu identifizieren.

Es ist ein Wettlauf zwischen denjenigen, die Deepfakes erschaffen, und denjenigen, die sie aufdecken wollen. Die Filmindustrie hat die Chance, diese Technologie verantwortungsvoll zu nutzen, um die Kunst des Filmemachens zu bereichern. Doch der Weg dorthin erfordert Wachsamkeit, ethisches Bewusstsein und eine klare regulatorische Vision, um die Risiken zu minimieren und das Potenzial für das Gute zu maximieren.

Die Zukunft des Kinos ist zweifellos eng mit der Entwicklung von künstlicher Intelligenz und Deepfake-Technologie verbunden. Die Herausforderung besteht darin, diese mächtigen Werkzeuge so einzusetzen, dass sie die Kreativität fördern und gleichzeitig die Integrität der Informationen und die Rechte der Individuen wahren.

Reuters: AI and Deepfakes in the Hollywood Film Industry
Wikipedia: Deepfake
Was ist die Kerntechnologie hinter Deepfakes?
Die Kerntechnologie hinter Deepfakes sind oft generative gegnerische Netze (GANs). Diese bestehen aus zwei neuronalen Netzen: einem Generator, der gefälschte Daten (Bilder, Videos) erstellt, und einem Diskriminator, der versucht, diese von echten Daten zu unterscheiden. Durch kontinuierliches Training verbessern sich beide Netze, bis der Generator überzeugende Fälschungen erstellt, die kaum von der Realität zu unterscheiden sind.
Wie unterscheidet sich Deepfake-Technologie von traditionellem CGI?
Traditionelles CGI (Computer-Generated Imagery) basiert oft auf der manuellen Erstellung von 3D-Modellen, Texturen und Animationen. Deepfakes hingegen nutzen maschinelles Lernen, um bestehende Bilder und Videos zu analysieren und zu manipulieren. Sie können das Gesicht eines Schauspielers auf einen anderen Körper projizieren, ihn jünger oder älter erscheinen lassen oder sogar eine völlig neue Performance erzeugen, indem sie das Aussehen und die Mimik des Schauspielers exakt replizieren. Dies führt oft zu einem höheren Grad an Realismus, insbesondere bei der Darstellung menschlicher Gesichter.
Welche ethischen Bedenken gibt es im Zusammenhang mit Deepfakes in der Filmproduktion?
Die wichtigsten ethischen Bedenken betreffen die Frage der Zustimmung. Wer hat das Recht, das digitale Abbild eines Schauspielers oder einer verstorbenen Person zu verwenden? Es besteht die Sorge vor der Erstellung von Inhalten, die die Reputation von Personen schädigen, oder die Verbreitung von Falschinformationen. Auch die Kontrolle und Vergütung für die Nutzung digitaler Doubles, die von den Originalperformances abweichen, sind wichtige Diskussionspunkte.
Kann Deepfake-Technologie die Arbeit von Stuntmen ersetzen?
Deepfake-Technologie kann die Notwendigkeit für einige Stunts verringern, indem beispielsweise das Gesicht eines Schauspielers auf den Körper eines ausgebildeten Stuntman projiziert wird. Sie ersetzt jedoch nicht vollständig die Expertise und das Können von Stuntleuten, insbesondere bei komplexen physischen Darbietungen, die eine präzise Koordination und ein tiefes Verständnis von Körpermechanik erfordern. Oftmals wird Deepfake-Technologie in Kombination mit Stuntarbeit eingesetzt.